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Norwegischer Frühling #2 – Teil 1: Ankommen und Abschied nehmen

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Prolog:
Norwegen ... es zieht einfach immer wieder. Wunderschöne Landschaften, entspanntes Fotografieren, entspanntes sein. Da diesmal meine bessere Hälfte dabei war sollte es entspannter werden als normal. Das heisst: Kein ewiges hin-und-her dahin wo der Wetterbericht gerade mal wieder schön anzeigt. Sondern einfach sein ... wenn es schön ist kann man was machen, wenn nicht, dann wird entspannt und die Eisenbahn aussen vor gelassen.
Eisenbahn? Ja, ich habe die offizielle Erlaubnis bekommen bei Sonne auch der Eisenbahn hinter her zu fahren ... :-)

Wohin in Norwegen war, als das OK für die Eisenbahn kam, eigentlich gesetzt. Mo i Rana, oder so irgendwo in der Gegend. Waurm? Da gibt es viel, aber irgendwie haben wir uns da nie wirklich aufgehalten. Das Saltfjell ist zu nah und bei Rognan war das Wetter irgendwie immer besser. So buchte ich nach dem System „try and error“ über Airbnb ein Haus etwas nördlich von Mo i Rana direkt an einem See. So geht auch „günstig“ in Norwegen ... :-) Und sollte es tatsächlich zwei Wochen schön sein könnte man vielleicht noch zwei Tage an die Malmbana, wobei dieser Gedanke schon sehr abwegig ist, also zwei Wochen schön in Norwegen im Mai, aber wer weiss.

Dazu gab es ein Flug von KLM nach Trondheim und zurück für wenig Geld, und ein Mietwagen ab dem Flughafen. Ich wäre ja zu gerne mit der Bahn hoch gefahren. Wie schon zu meinen letzten Urlauben in den letzten Monaten. Aber die Zeit die man dafür aufwenden muss ist wirklich weit weg von gut und Böse. Die Option war zwar kurz auf dem Tisch, wurde dann aber wieder verworfen. Auch Finanziell ... wenn KLM die Flüge raus haut.

Es wurden noch die Kollegen informiert, dass ich dann da oben noch ein paar Betten hätte für eine Zeit. Falls sich jemand anschliessen wollte. David nahm das Angebot gerne an und wir vereinbarten ein Treffen gleich am Sonntag unserer Anreise. Drei Tage sollte er unser „Gast“ sein, bevor er am Mittwoch dann abreisen wollte.

Dann nur knapp drei Wochen vor dem Urlaub kam über Airbnb die Meldung, dass das Haus storniert wurde vom Gastgeber. Na suuuper! Also husch an den Rechner gesetzt und die Alternativen gewälzt. Viel ist in der Gegend nicht vorhanden, und kurz vor der Reise natürlich noch weniger. Aber bei Dalselv südlich von Mo i Rana fanden wir noch ein nettes Haus im nichts. Zwar nicht direkt mit dem Auto erreichbar, aber man soll wohl ein ATV (Quad) haben können vom Host wenn man fragt :-). Vorteil an diesem Haus: Die Bahn vor der Tür ... also unten an der Strasse.
Flott gebucht und dieses Haus wurde dann auch nicht mehr storniert :-).

Samstag 11.05.2019 Zürich - Snasa

Der Tag der Abreise war ein Samstag. Um 12 Uhr ging unser Flieger nach Amsterdam, da dann nach 45min weiter nach Trondheim. Ankunft gegen 17 Uhr, dann Mietwagen – 2h Fahren und zu einer noch kurzfristig gebuchten Unterkunft bei Snasa fahren. So der Plan. Weil gleich ganz hoch bis Mo i Rana wollten wir bei einer Ankunft um 17 Uhr dann doch nicht mehr. Aber so 2 Stunden fahren ginge ja noch schön ... und dann wäre man am Sonntag gegen 15 Uhr auch oben in Mo i Rana.
Soweit zum Plan. Dass das schwierig wird mit der Umsetzung war in dem Moment klar wo ich mein Steiner Sandwich langsam verdrückt hatte im Dock A am Flughafen von Zürich. Es ginge jetzt eigentlich ans Boarden wenn man pünktlich los wollte. Aber Boarding war nicht. Informationen gab es keine, nur Google wusste bereits, dass wir (bei fälschlicherweise pünktlichen Abflug) mit einer Stunde Verspätung in Amsterdam eintreffen würde. Woher Google das auch wissen will ... denn noch war alles Pünktlich angegeben.
Nun, das Boarding begann ungefähr zur Zeit des Abflugs. Also schonmal 25min zu spät. Als wir dann gemütlich in der 737 Platz genommen haben meldete sich der Pilot und fluchte dezent über Zürich. Slot seit weg, passiere schon die ganze Zeit die letzten Wochen. Man rechne damit in ca. einer Stunde mal los zu kommen. Aus dieser Stunde wurden dann zum Glück nur 20min, aber die Stunde Verspätung war schon mal drin. Gedanklich nahmen wir schon mal Abschied vom Anschluss in Amsterdam.

Und so kam es. Landung dann zwar „nur“ mit 30min Verspätung, aber schon im Flieger wurden die Anschlüsse durchgegeben und gemeldet: Trondheim nope. Dann geht der wohl Pünktlich und ohne uns. Als das Handy wieder Netz hatte flatterten auch schon die neuen Boardkarten aufs Handy. Abflug um 20 Uhr. Na super. Nicht genug Zeit um in der Stadt wirklich etwas machen zu können ... und Käffchen schlürfen können wir auch am Flughafen. Nur leider nicht auf der Terrasse, die wir nämlich gerade umgebaut.
Also gings noch kurz zum Transferschalter für einen Mampfgutschein (immerhin 10 Euro pro Nase) und dann machten wir uns ans warten. Gemütlich ist anders, aber die Zeit vergeht :-).
Der Flug nach Trondheim war dann auch mal knapp 45min Verspätet, war uns aber irgendwie egal. Denn sowohl die Vermietung wie auch die Unterkunft bei Snasa wussten von unserer Verspätung und die konnten sich damit anscheinend arrangieren.

Die Landung war dann kurz nach 23 Uhr in Trondheim. Dunkel war es nicht, es hatte sogar ein paar blaue Flächen am Himmel, in der die hohen Schleier in allen orangen Farbtönen strahlten. Beim Vermieter waren wir um 23:50, 10min vor Ladenschluss. Der arme Kerl hat wohl nur auf uns warten müssen. Denn er machte eilig und wollte wohl in den Feierabend. Schäden habe das Auto da und dort, wenn wir noch etwas sehen sollen wir ein Foto machen und es dann bei der Rückgabe vorzeigen. Nun denn.
Bis wir in Snasa waren, war es 2 Uhr. Die Fahrt durch die dunkle Dämmerung war angenehm, die Strassen leer ... und Renntiere waren immer neben und nicht auf der Strasse. Wir legten uns nach der Ankunft gleich im Zimmer drei hin und schliefen ein ...

Sonntag 12.05.2019 Snasa – Mo i Rana

Spät ins Bett gehen bedeutete leider nicht spät aufstehen. Denn um 16 Uhr wollten wir schon in Mo i Rana sein. Ein Stündle später als geplant waren wir schon unterwegs, aber es musste im Rahmen bleiben. Für ein Kaffee sind wir noch kurz im B&B&B geblieben. Einem Beer&Bed&Brekfest :-D. Ja, erst am Morgen beim Kaffee gesehen, der Gastgeber der Grana Byggeri braut sein eigenes Bier. 8 Sorten davon ... und sowas hatte ich gestern Abend verpasst. Grummeln machte sich breit in meiner Laune. Aber, wir brauchen ja vor der Abreise nochmal ein Bett in der Nähe von Trondheim, und man wäre ja blöd wenn man die Gelegenheit dann nicht nutzt. Also reservierten wir gleich für die letzte Nacht nochmal ein Zimmer in dem B&B&B :-).

Dann ging es los nach Norden. Stets unter Wolken. Erst bei Namsskogan gab es Aufhellungen in der Wolkendecke. Diese war nämlich löchrig, und gab den Blick auf eine wunderschöne Schmodderschicht frei. Aber, man sah immerhin wo die Sonne herkommt.
Es gab dann erstmal einen kleinen Snack an einem Rastplatz und dann nahte von Trondheim her auch bereits der rote nach Norden. Obwohl über 90min vor ihm losgefahren in Snasa drückte er von hinten. Die Bahn ist halt einfach schneller ... was auch einigen Baustellen in dem Abschnitt der E6 geschuldet ist.

Irgendwie fanden wir dann nördlich von Namsskogan, kurz vor Majavatan schon, eine nette Brücke. Da stellte ich mich mal hin, 5min waren es nur mehr zum Zug. Es war zwar hell, aber nicht Sonnig. Zum Glück, denn die Sonne wäre voll von vorne gekommen :-)

Der Tagzug 471 mit Di4 655 von Trondheim nach Bodø zwischen Namsskogan und Majavatan.


Den folgenden Güterzug nahmen wir kurz vor Majavatan, aber es war schon wieder dunkelfinster und so eine silberne Di12 macht sich nicht soooo toll wie eine Di4. Wilkommen im Winter übrigens, denn bei Majavatan war es noch winterlich, Schnee und Eis beherrschten die Landschaft. Dies änderte sich natürlich bei Mo i Rana wieder. Sofort als bei Mosjøen wieder Höhe 0 erreicht war, war vom Schnee nix mehr zu sehen.
Den roten nach Süden wollte ich irgendwie vor der Hüttenübergabe, die auf 16 Uhr angesetzt war, noch südlich von Dalselv nehmen. Er kam aber nicht bzw. 15 Minuten zu spät, und da mussten wir schon wieder. Aber die Stelle ward vorgemerkt, da wird man noch etwas sehen davon :-).
Um 16 Uhr trafen wir Svein, der Host der Elg-Hytte, unserem Daheim für die folgenden zwei Wochen.

Er war genau so pünktlich wie ich, und er konnte zum Glück Englisch. Denn der Spassvogel hat bei Airbnb konsequent in Norwegisch geantwortet. Mir schwante schön böses, unbegründeter weise :-). Svein ist ein klasse Typ. Ansässig in Dalselv, das Haus und das Land gehört seiner Tochter, er hat aber mehr Zeit als sie um sich um alles zu kümmern. Erstmal verluden wir alles auf den Quad. Gepäck von zweien, und drei Personen. Irgendwie am dem Trittbrett stehend und klammernd an der Kiste hinten kam ich auch heile oben an ;). Svein zeigte uns das Haus und was es zu beachten gibt.
Da man da oben völlig autark lebt, gibt es einiges zu beachten. Strom ab 12V Batterie mit Umrichter, geladen über ein Solarpanel ... oder direkt über einen Generator. Warmes Wasser gibts mit Durchlauferhitzer, gekocht wird mit Gas und ebenso läuft der Kühlschrank. Zum Heizen gibts ein Holzofen inmitten der gemütlichen Hütte. Abwasser hat er aber, und das Schmutzwasser sammelt er wohl irgendwo in einem Tank. Das Frischwasser kommt frisch ab Quelle. Dafür, dass man ganz schön im nix ist, ist es sehr komfortabel.
Im nix meint: Vom Parkplatz aus kann den Weg zum Haus laufen, ca. 2.5km mit flotten 250m Höhenmetern. Oder man nimmt den Quad ... ;). Auto geht nicht, denn der Naturweg oder Forstweg ist absolut unbefahrbar, jedes Auto das man mieten kann bleibt da im Matsch hängen. Aber darauf waren wir ob der Beschreibung ja bereits vorbereitet.

Ich muss etwas vorgreifen in der Zeitachse. Denn so sieht die Elg-Hytte aus ... schöner gehts kaum! Und von der Terrasse aus sieht man sogar die Bahn :-)


Svein heizte mit mir wieder runter und ich gabelte da David auf, der mit seinem Skoda mittlerweile auch am Parkplatz eingetroffen war und schon brav wartete. Wir verluden seinen Kram und hoch ging es wieder mit dem ATV. Oben hatte der Holzofen die Hytte schon angenehm gewärmt und wir pufften uns mal ein. Wetter ... na, es war dunkel und zugezogen. Heute muss man nichts mehr, ausser Einkaufen und David musste sein Auto noch loswerden.
David und ich schwangen und nochmal auf den Quad und fuhren die 15min eben noch nach Mo i Rana zum Auto abgeben und Shopen.
Kaum ne Stunde später waren wir schon wieder da ... und David quälte das All Terrain Vehicle den schlammigen Weg hinauf über das Schneefeld bis vors Haus. Und dann geschah worüber wir freundlicherweise den Mantel des Schweigens legen. Die Konsequenz: Wir laufen in Zukunft zum Auto rauf und runter. Hilft der allgemeinen Fitness und den faulen Ferien :-). Die Schuhe fandens dann wohl weniger lustig.
Es gab Abendbrot und dann wurde noch ein Kartenspiel eingelegt ... bevor es irgendwann ins Bett ging. Dunkel wird es um die Jahreszeit da oben ja nicht mehr :-).

Montag 13.05.2019 Mo i Rana – Mo i Rana

Heute war dann mal ausschlafen angesagt. Irgendwann kam Leben in die Bude und ich machte es wieder anderen und stand mal auf. Vorteil wenn man der letzte ist: Der Ofen ist schon eingeheizt und die Hütte schön warm :-). Warum es so kalt war zeigte der Blick nach draussen:

Die Aussicht von der Elg-Hytte kurz nach dem aufstehen ... nett oder?!


Es gab Frühstück und dann schaute die Sonne noch vorbei:

Norwegen Live – nur 50min später sah es dann so aus. Ich liebe das Norwegische Wetter.


Es war richtig Norwegisch. Dabei fegte ein starker Wind und das Wetter änderte sich im Minutentakt. Gut sieht man sowas mal von einem gemütlich Haus und nicht aus dem Auto an der Strecke ;-). In einem sonnigen Moment am Mittag erkunden wir etwas unseren Hügel und suchten die Bären. Erfolglos, auch Elche und Rentiere gab es keine zu sehen – nur unmengen Exkremente der letzten beiden Gattungen.

So sah es dann eigentlich den ganzen Tag ungefähr aus. Mal so, mal so ... nichts motivierendes um draussen stundenlang rum zu eiern.


Kaum in der Hütte begann es wieder das Schneeregnen ... aber wir sind trotzdem mal noch kurz nach Mo rein, zum Einkaufen und kennen lernen der Gegebenheiten. Ausserdem hatten wir uns dann mal noch bewegt heute :-).

Auch am Abend schaute immer mal wieder die Sonne hervor, aber dies war nur von kurzer Dauer jeweils .... schön wars trotzdem von meinem Aussichtsplatz auf der Terasse.


Der Tag sonst verlief absolut ereignislos, wir spielten Karten und taten nicht mehr viel. Bis Svein herein schaute. Er wollte sich das ATV mal anschauen bzw. mit hinunter nehmen. Er fuhr mit seinem Defender den Weg hoch ... ohhhkey. Dafür ist er ja gebaut. Das Auto, am Sonntag noch schön sauber, sah jetzt etwas anders aus als letztes mal ;).
Nach einem Schwatz setzte sich Svein auf den Quad mit ohne Bremsen und gab erstmal Gas. Anstatt zu schauen wie sich das Vehikel so verhält ohne Bremsen gab er einfach Gas den Berg runter ;). David und ich zogen uns darauf kurz an und liefen ihm hinterher. Damit er einerseits nicht alleine hoch laufen muss, andererseits würden wir ihn finden wenn er mit dem ATV irgendwo im Wald liegt. Fast ganz unten kam er uns entgegen und wir liefen mit ihm wieder hinauf. Dabei sprachen wir etwas übers Jagen, über die Tiere und die Samis. Die Ureinwohner des Nordens. Es scheint keine einfache Beziehung zu sein zwischen den Samis und der übrigen Bevölkerung. So gehört ihm zwar das Land auf dem unsere Hütte steht, aber er es darf nicht frei nutzen. Dabei ist aber nicht etwa die Baubehörde die Instanz, sondern eine Sami-Behörde die entscheiden kann ob und wo gebaut wird. Die Samen haben auch das Nutzungsrecht auf privaten Ländereien. Er schwärmte vom Schwedischen Modell und meinte, dass sei besser für alle Parteien. Den Vogel abgschossen hat er aber mit einer Aussage übers Jagen von Rentieren. Dass sei natürlich strengstens verboten, da die Tiere üblicherweise den Samen gehören. Erschiesst man ein Renntier wird man 30 Jahre weg gesperrt, erschiesst man einen Sami nur 10. Er lachte darauf laut ... ernst war die Aussage natürlich nicht gemeint, aber es zeigt das Verhältniss. Ja Renntiere, auch bei der Eisenbahn immer ein Thema. Svein setzte sich dann oben nach weiterer Plauderei wieder in sein Auto und zog die nächste Furche durch den Waldweg .... ;).
Der Abend brach dann schnell über Mo i Rana hinein und wir waren dann nach einer Flasche Improtwein aus der Schweiz auch müde genug fürs Bett. Als ich von der Hütte aus dem Abendzug von Trondheim nach Mo i Rana bei der Durchfahrt zugeschaut habe gings endgültig in die Federn. Tag 1 mit Gubi: Keine Sonne.

Dienstag 14.05.2019 Mo i Rana – Mo i Rana

Ja, heute war der Wetterbericht wieder der Meinung: Sonne gäbe es, aber nur weeeeit über den Wolken. Also sozusagen nicht am Boden. So präsentierte sich die Situation beim aufstehen ungefähr wie folgt:

Heute nach dem aufstehen ... wunderschönes nicht-Wetter :-)


Unterschied zu gestern: Zappenduster, keine Bewegung im Himmel, deshalb auch keine Sonnenspots. Der Wind hat nachgelassen, und das schlechte Wetter sass so mit einer Gemütlichkeit im Fjord wie wir vor dem Kaminfeuer.
Raus sind wir trotzdem, man weiss ja nie ... und ich wollte für die sonnigen Tage (haha) etwas Stellenkunde an der Strecke bis Bjørnfjell betreiben, also bis dahin wo die Erzzüge pendeln.
Was gibt es von dieser Tour zu berichten? Nichts eigentlich. Oder doch ... die Scheisse klebte an unseren Sohlen und zog Fäden wie der Kaugummi unter dem Tisch. Bei Bjørnfjell warnte die Karre vor einem platten Reifen. Wir nahmen das mal zur Kenntnis und schaute uns die Reifen an, jaaa, vorne rechts ... voll ist der nicht. War der schon mal voller? Keine Ahnung, vermutlich ja.
Also ab nach Storforshei zur Tanke, Luft füllen. 1.5 Bar hatte der Reifen noch drauf, gegenüber 2.5 der anderen. Wenn wir mal mit 2.5 überall gestartet sind, fehlt uns ein Bar. Wo ist es hin, ja wo ist es geblieben? Wir fuhren zurück in Richtung Mo i Rana beziehungsweise zum Flughafen. Da hätte es eine Sixt Station. Eine verwaiste Sixt Station wie wir dann festgestellt haben. In der Stadt hätte es auch noch eine Station, aber die fanden wir nicht ... wohl ein ähnliches Problem wie Gubi mit seinem Vermieter hatte. Dafür standen wir direkt neben einem Vulkanizer – was es zum Glück auch da oben gibt. Es war 15:50 Uhr, und Google meinte der macht seine Schotten um 16 Uhr dicht. Diese Kunden sind uns am liebsten, kurz vor Ladenschluss noch hereingestürmt mit einem Problem. Oder eher mit Arbeit? :-) Und Kunde wollten wir werden bei dem Business, denn von den 2.5 Bar die wir in Storforshei wieder hatten im rechten Vorderrad, war nicht mehr sooo viel übrig.
200 Kronen sollte die Reparatur kosten, können wir dann der Vermietung verrechnen. Ja eh klar, die werden Reifenschäden bestimmt bezahlen ... pfff. Die 200 Kronen löhnen wir brav selber.
Um 16 Uhr begannen die Jungs das aufräumen, nur jener der unseren Job gefasst hat, war noch am werkeln. Zu der Zeit war der Gummi aber schon ab der Felge und der faule Zahn ... äääh ... Nagel gezogen. Wo wir uns denn nur wieder eingefahren haben?
10min später war der Gummi wieder drauf und wir wieder Flott. Zum Glück sind wir mehr oder weniger sofort zurück nach Mo i Rana, wenn der Vulki nicht mehr auf hätte wäre die ganze Sache irgendwie mühsam geworden.
Wir sind noch zum Einkaufen in unseren normalen Coop. Wir wollten noch Wein und Bier kaufen, um mal etwas Vorrat zu haben. Bier ist kein Problem im Supermarkt, Wein? Nur eine Flasche Rose stand im Gestell ... wo ist der ganze andere Wein? Normalerweise stehen doch so Flaschen nicht nur alleine rum. Ich schaute mir diese eine Sorte mal genau an (im Notfall halt diese) bis ich den Alkoholgehalt sah. Unter 10 Volumen. Warum nennt man so etwas Wein? Und dann fiel es mir ein ... Vinmonopolet ... da müssen wir hin! Also den Rest gekauft und dann auf zum Laden der Laster (also nicht LKW's ;)). Der ist am Ortsausgang nach Süden in einem kleinen Einkaufszentrum. Und da drin gibts ja alles was verboten ist, in rauen Mengen. Wir deckten uns mit Weinen ein und verliessen das sehr schöne Geschäft wieder. Ich meine damit jetzt nicht nur die Auswahl, sondern auch die Aufmachung. Geld ist vorhanden, ist ja auch ein Staatsbetrieb und er generiert unmgenen an Steuergeldern :-).

Und dann wieder rauf ins Haus. Die 30min heute prima mit Regen im Gesicht. Sonst würde es ja noch gar warm.

Jaja, und so dann das Wetter an diesem Abend. Prächtig!


Essen, Karten spielen, Schlafen! Gubis letzte Nacht hier ... oder?
Auf jeden Fall für die Statistik, Tag 2 mit Gubi: Keine Sonne.

Mittwoch 15.05.2019 Mo i Rana – Mo i Rana

Neuer Tag, neues Glück. Und heute war der Wetterbericht ja mal was positiver eingestellt wie auch schon. Also Meteoblue, Yr wollte von Sonne nix wissen. Aber das kennen wir ja, die Pessimisten vom Dienst sehen die Sonne vermutlich nicht mal dann, wenn der Sonnenbrand schon Blasenbildung verursacht. Meteoblue hingegen ist da etwas heiterer eingestellt ... nicht so arg heiter wie Wetteronline (nach dessen Meinung schon die ganze Zeit die Sonne scheint). Ja, die Wahrheit liegt wohl irgendwo in der Mitte.
Aber Meteoblue war heute der Meinung, auf dem Saltfjell besteht durchaus Chance auf Sonne um die Mittagszeit. Und man wäre blöd wenn man nicht versuchen würde. Zudem wir Gubi eh irgendwo abladen mussten, und da bietet sich Lønsdal am nördlichen Ende des Fjells natürlich an, wenn denn Sonne. Daran glaubten wir irgendwie nicht.

Gegen 9:30 Uhr machten wir uns aus dem Staub. Gubi trug mit Fassung seinen Rollkoffer die ganzen 2.5km runter zum Auto (ok, einen Teil haben wir gestern schon geschleppt, der Koffer war relativ leer ;)) - hätte er gemeckert wäre er mit dem Kopf vorweg irgendwo in dem Wald verschwunden ... für IMMER! :-D
An Sonne glaubte niemand im Auto als wir auf der E6 stetig nach Norden fuhren. Aber irgendwann so kurz vor dem Fjell der Silberstreifen am Horizont über den Bergen. Sollte es tatsächlich schön sein da oben? Ungläubiges blinzeln als wir oben waren. Die Sonne knallte in den Schnee und irgendwie sah man kaum aus dem Augen. Wir waren uns jetzt doch so schön siffiges braun / grau gewohnt, und jetzt strahlend blau und weiss?
Na, egal. Meteoblue bekam jetzt immerhin etwas Lob von uns ... selten genug :-). David wurde sogar übermütig und buchte eine Fahrkarte für den roten von Lønsdal nach Mo i Rana, denn erst ab da hat er eigentlich eine Fahrkarte (wer rechnet denn schon damit, dass am letzten Tag noch Sonne scheint und man dafür aufs Fjell muss???)

Wir stellten uns mitten auf dem Fjell an die Brücke der E6 und warteten da gemütliche 30min in der Sonne auf den Mittagsgüterzug nach Süden. Er hört auf den Namen 5790 und ist ein zuverlässiger und treuer Begleiter hier oben. Und so war er es auch heute, fast pünktlich tauchte er weit hinten auf dem Fjell auf.

Güterzug 5790 von Bodoe nach Trondheim auf dem Saltfjell. Es zieht 312 002.


Und noch etwas näher dran. Na, wenn man schonmal Sonne hat! Wer weiss, was das Wetter in den kommenden verbleibenden 10 Tagen noch so bringt.


Da es fast Windstill war auf dem Fjell konnte auch mal die Drohne eingesetzt werden. Da man gute Sicht hatte, ging es etwas weiter nach hinten mit der surrenden Kiste. In Norwegen sind die Drohnen-gesetzte sehr liberal, was der Verwendung in unserem Hobby natürlich zu gute kommt.


Und dann war 12 Uhr durch, und es hiess Abschied nehmen vom Gubi aka David. Wir fuhren nach Lønsdal zum Bahnhof, etwas über eine Stunde sollte es noch dauern bis der rote kommt. Zeit genug seine Sachen wieder im Koffer zu verstauen. Aufgrund des gestaffelten Transportes vom Haus zum Auto war alles etwas verteilt. Eine halbe Stunde später stand der Koffer dann mit David daneben.
Er fährt wirklich ... denn jetzt kann man es ja sagen. Die Wetterprognosen für die nächsten Tage sind, nennen wir es mal vorsichtig, nett. Was denn wirklich kommt weiss niemand, aber die Prognosen versprachen schonmal ein bissle Sonne ab und an. Aber er hatte wohl genug Lotto gespielt hier oben mit der Sonne und es zog ihn nach Hause. Alles klar Gubi, gute Reise! Er hätte gerne länger bleiben können. Wobei, wenn er fahren muss damit das Wetter gut wird ... hihi :-)

Die Sonne war aber noch da, und die beiden roten kommen ... also rauf aufs Fjell. An bekannter Position parkten wir am nördlichen Ende und stiefelten über ein erstaunlich stabiles Schneefeld und über einen Triptrap zur Aussenkurve für den Südfahrer. Mit fast trockenen Füssen warteten wir auf die Abfahrtsmeldung vom David. Denn ganz pünktlich war der Zug mal wieder nicht, und die Drohne will man ja nicht zu früh steigen lassen – sonst ist im richtigen Moment der Akku alle und das blöde Ding kommt zurück bevor der Zug da ist. Akkuwechsel geht zwar nur 30 Sekunden, aber wetten dann kommt er? Ein Problem dem man immer wieder begegnet :-).

Zug 472 von Bodø nach Trondheim auf dem Saltfjell zwischen Lønsdal und Bolna kurz vor dem Polarlreis. Ja, und hier sitzt unser Gubi drin ...


Drohneneinsatz. Haarscharf am Flugverbot vorbei (auf der anderen Flussseite darf im Nationalpark nicht geflogen werden) nochmal die Di4 652 mit dem 472 nach Trondheim.


Gemüüüüütlich! Und so ging es weiter. Denn die paar Minuten auf den Gegenzug der in Dunderland gekreuzt wird kann man ja noch warten. Auf dem Triptrap war es trocken und sauber, und die Schuhe und Hosenbeine konnten etwas trocknen. Natürlich nur, um wenig später wieder Nass zu werden für dieses Bild:

Rt 471 von Trondheim nach Bodø am nördlichen Ende des Saltfjells. Es zieht die Di4 655.


Ja und dann, man hätte ja noch zwei Stunden auf den 5795 warten können (Güterzug Nordwärts), aber das Wetter sah irgendwie nicht so aus, als ob man warten wollte. Und meiner besseren Hälfte wollte ich bei dem mmmhnajavielleicht Wetter nicht unbedingt noch 2 Stunden auf dem Fjell zumuten. Die Erklärungsversuche spare ich mir auf richtig Sonnige Tage auf :-D. Im Ernst, es war aussichtslos zu warten, der gemütliche Ofen und Essen zogen uns zurück nach Mo i Rana :-).


Jou, Wetter unten war immer noch wie am Vormittag. Gubi hat es aus dem Zug hinaus angekündigt, Regen, Schmodder, dunkelfinster. Immerhin wussten wir nun was uns erwartet. Auch wenn man es auf dem Fjell schon sah, was da am südlichen Ende wartete. Gruuusselich!
Vom Fjell zum Parkplatz unserer Hütte brauchten wir ziemlich genau eine Stunde. Wir fuhren gleich durch und liefen hinauf im Regen zu unserem Haus. Kaum da brannte schon das Feuer im Ofen und das erste Bier war auf. Wir tranken auf Gubi ... und winkten ihm noch ein letztes mal hinterher. Er war jetzt wohl irgendwo um Grong unterwegs.

Er schickte mir noch seine Favoriten auf Osmand, die ich erstaunlich einfach in mein Osmand importieren konnte, und dann brach die Verbindung ab. Der Abend endete mit einem vollen Bauch (es gab Pølser ;)) im Bett. Vor der Hütte zog der Nebel wieder rein. Und morgen soll es dann das erste mal etwas Sonnig werde. Je weiter südlich, desto besser beziehungsweise desto früher. Also nahm ich mir mal Mosjøen vor, da sollte es so ab 14 Uhr schön werden. Und zwar von jetzt auf gleich. Na, bin gespannt!

Für die Statistik: Halber Tag 3 mit Gubi, bisschen Sonne.