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Altbaustrecken in Spanien – Teil 2: Reise nach Alicante

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Donnerstag, 30.05.2019
Der Fahrplan ermöglichte eine halbwegs akzeptable Abreisezeit im Hotel. Für das Frühstück hat es dennoch nicht mehr gereicht, da mussten die Einkäufe von gestern Abend herhalten. Wie geplant sass ich 08:45 an der Fotostelle bei der Brücke und wartete auf die erste (mir bekannte) Zugsfahrt des Tages. Eine entgummisierte Gumminase wurde erwartet, welche als Regionalzug täglich von Pueblo Sanabria nach Valladolid verkehrt. Der Brückenkopf war über eine Zufahrtsstrasse für eine Windkraftanlage leicht zu erreichen gewesen und der Fotostandpunkt durch einen Hochspannungsmast vorgegeben. Leider war die Sonne trotz der langen Tage noch etwas zu tief und der Regionlzug kam etwas zu früh für eine volle Ausleuchtung des Bildes. Ich zoomte daher ein bisschen rein um die Schatten zu beschneiden.
Baureihe 594 der RENFE zwischen Zamora und Carbajales de Alba


Nachdem der einzige Regionalzug des Tages in diese Richtung durch war, erwartete ich zweimal ein Dieselpatito. Zuerst kam die Fuhre aus Santiago nach Madrid. Pünktlich auf die Minute.
Bild erster Zug bei Brücke
Baureihe 730 der RENFE zwischen Zamora und Carbajales de Alba


Rund 20 Minuten war es Zeit für den Gegenzug. Jetzt waren sämtliche Schatten ausgeleuchtet und das Bild, so wie ich mir das vorgestellt hatte» entstand. Danach gab es keinen Grund mehr hier auszuharren, den positionstechnisch war nicht mehr viel möglich. Zudem waren die nächsten Zugbewegungen hier erst gegen 11 Uhr zu erwarten, was wiederrum ein bisschen knapp für meinen Zug in Valladolid war.
Baureihe 730 der RENFE zwischen Zamora und Carbajales de Alba


Beim Werkhof der Baustelle war man gerade dran, die normalspurigen Schotterwagen auf LKW’s zu verladen. Anscheinend konnte man die nicht über die neu gebaute, bereits in Betrieb befindliche NBS Valladolid – Zamora überführen und musste dies via Strasse machen. Wäre interessant zu wissen, ob dies auch mit den Loks passiert?! Mindestens die 319 von gestern sowie eine 333 von Continental standen nämlich noch hier. Zu fotografieren gab es jedoch nichts, da die ganze Aktion gut versteckt inmitten des beinahe nicht einsehbaren Werkhofes stattfand. So bewegte ich mich weiter und erreicht die angepeilte Fotostelle bei Medina del Campo kurz vor 11 Uhr. Perfekt, den um 11:05 sollte ein MD nach Madrid hier durchfahren!
449 006 der RENFE in Medina del Campo


Auch der Gegenzug tauchte bald auf. Das Triebfahrzeug war dasselbe…und auch der 449 hatte ein offenes Maul. Scheint wohl ein schlimmes Kiefergebrechen zu sein, was hier bei den 449ern rumgeistert... Ich hatte noch etwas Zeit bis ich los musste und wollte noch warten. Vielleicht taucht ja noch ein Güterzug auf, befand ich mich doch hier an der Hauptlinie von Nordspanien nach Madrid. Lange Zeit passiert nichts, doch exakt zu meiner gesetzten Abfahrtszeit zeigten sich 3 Lichter in der Kurve. Ein kurzer Sprint ermöglichte es mir das gewünschte Bild zu machen….von fast einer sauberen 251!
Baureihe 251 der RENFE in Medina del Campo


Nun war es aber an der Zeit nach Valladolid zu fahren. Die verbleibenden 60km waren schnell hinter mich gebracht und eine Tanke löschte noch den Durst meines Autos. Die Rückgabe klappte auch wie am Schnürrchen und so sass ich pünktlich kurz vor 13 Uhr bereit für die Abfahrt des Alvia 4186 um 13:11 am Bahnsteig. Sicherheitskontrolle gab es nur auf Gleis 1, so dass ich mein Gepäck auf Gleis 4 nicht prüfen lassen musste. Dass soll mal einer verstehen….

Ich hatte einen reservierten Platz in Wagen Nr. 8, so dass ich die Hoffnung hatte, etwas anderes als ein Vierteiliger S-120 von innen zu sehen. Die Einfahrt führte jedoch wieder zu einer Enttäuschung…es waren einfach zwei S-120 in Doppeltraktion. Komischerweise war der Wagen 8 in der Mitte des Zugverbandes….

Die Zugsfahrt nach Madrid war wieder kurzweilig wie gestern. Kurz nach Valladolid fuhren wir einmal durch die Spurwechselanlage (der Zug kam aus Santander) und gut eine Stunde später erreichen wir auch schon Madrid Chamartin. Hier musste ich den Bahnhof wechseln, da die Züge des Südnetzes von Madrid Atocha verkehrten. Die Verbindung ist z.Zt. nur mit wenigen durchgehenden Zügen sichergestellt, welche die Spur in Chamartin und Atocha wechseln müssen. Der Normalspurtunnel ist im Bau, doch die Eröffnung wurde schon x-Mal verschoben. Schade, den ein Bahnhofwechsel mit der S-Bahn ist im System nicht vorgesehen. Zwar war mein Ticket Valladolid – Alicante auch auf den S-Bahn-Zügen gültig, doch musste ich in Atocha mühsam anstehen um den S-Bahn-Bahnhof verlassen zu können. Ohne zugehöriges Ticket für die Schranke ging das nicht…und die Fernverkehrskarte passte nicht hinein ;-). Auch sind die Wege meiner Meinung nach sehr schlecht beschildert und die Umsteigezeit Chamartin – Atocha von gut einer Stunde reichte nur knapp. In der Kürze musste ich auch noch eine Sonnencreme kaufen (diese ging zuhause vergessen) sowie meinen Hunger mit einem Sandwich stillen. Alles sauteuer hier!

Auf Gleis 5 des Bahnhofes Atocha stand dann auch mein Zug nach Alicante schon bereit. Ein S-100 (Breitspur-TGV), den ich gerne auch mal noch auf den Fotochip bringen würde. Auch hier gab es wieder eine Zutrittskontrolle zum Bahnsteig, in welcher mein Rucksack sowie meine Fototasche geröngt wurde. Das Sandwich in meiner Hand interessierte nicht ;-).
RENFE in Madrid Atocha


Der S-100 hatte schon einmal bessere Tage gesehen, hat er doch auch schon einige Jahre auf dem Buckel (Baujahr 1991). Nachdem ich die Strecke nach Sevilla – Malaga und Barcelona bereits vor einigen Jahren mal befahren hatte, war ich nun auf die LGV Levante gespannt. Kurz hinter Madrid gab es einige Hügel, doch verlief die Fahrt mehr oder weniger Ereignislos und ich kam pünktlich gegen 18 Uhr in der Stadt am Mittelmeer an.
Baureihe 100 der RENFE in Alicante


Ich hatte bei der Firma Thrifty ein Auto reserviert für die Tage. Genauer gesagt sollte es ein Opel Adam sein. Naja, ich bin ja mal gespannt was ich bekomme. Das Office war nicht direkt im Bahnhof bei den anderen Vermietungen sondern eine Strasse weiter. Es stellte sich heraus, dass Thrifty wohl zum Avis-Konzern gehört. Sämtliche Verträge lauteten auf den Namen Avis. Die obligate Frage, ob ich den wirklich so ein kleines Auto wolle und nicht ein Upgrade kaufen möchte kam natürlich, doch ich verzichtete. Der gute Herr hatte meinen Schlüssel bereits in der Hand und wusste da schon, dass es ein gratis Upgrade geben würde….aber man kann ja mal fragen und ggf. etwas zusätzliches Geld verdienen. So kam ich dann in den temporären Besitz eines nagelneuen Seat Leons in Weiss. Hübsch!

Ziel der nächsten Tage sollte die Strecke von Albacete nach Murcia sein. Dort verkehren am Freitag massenweise Züge der Gattungen ALATRIA und AVANT. Für die ALATRIA-Züge malte ich mir Talgos mit Dieselloks aus, die AVANT wusste ich nicht. Heute Abend sollte noch ein ALTARIA fahre..und so fuhr ich schleunigst nach Pozo Cañada. Das Auto war sehr angenehm und der verkehr nur durch Alicante durch ein bisschen beschwerlich. Spurhalteassistent, automatische Abstandsregelung und Tempomat führten dazu, dass das Auto quasi von alleine fuhr. Pünktlich kurz nach 20 Uhr war ich dann auch schon in Pozo Cañada und suchte die angepeilte Stelle. Ein Blick ins RENFE-APP offenbarte eine kleine Verspätung, doch um 21:15 soll der Spuck hier vorbei sein. Es könnte ja sein, dass vorher noch ein Güterzug kam. Denkste…nichts kam, nur die Karnickel hoppelten auf dem Feld vor mir kreuz und quer.
Baureihe 334 der RENFE zwischen Pozo Cañada und Tobarra


Ich nutzte die Zeit um im Internet nach einem passenden Hotel zu suchen. In Hellín versprachen die gängigen Buchungs- und Bewertungsplattformen eine hohe Punktzahl für das Hotel Emilio. Nun ja, muss man probieren. Zuerst ging es noch in den örtlichen Discounter um die Vorräte für Morgen zu füllen und dann ins Hotel. Wie erwartet war noch ein Zimmer zu haben und der Besitzer lamentierte lange über die Schweiz und wie schön (und teuer) doch Genf sei. Er bot mir auch an, wenn ich eine Woche hier in Hellin bleiben würde, ich seine Tochter ausführen dürfe. Naja…danke, ich bin vergeben und nein, eine Woche wollte ich auch nicht bleiben!
Das Zimmer war rustikal aber sauber und die angehörige Kneipe füllte auch nachts um 22 Uhr noch den Magen.