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Ich war noch niemals in New York...: Sichtweite 0 (Teil 5)

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Donnerstag 22.8.2019

Wir standen heute recht früh auf, wollten wir doch noch den gestern infolge des Wetters gestrichene Ausflug zum Schoodic Point nachholen. Draussen nebelte es recht stark, doch gab es zwischenzeitlich Auflösungstendenzen. In Winter Harbor schien sogar schon die Sonne durch. Leider war es das dann aber. Je weiter wir gegen den Schoodic Point fuhren, desto dichter wurde der Nebel wieder. Wir liessen es uns aber nicht nehmen eine kleine Fotosession zu machen.

Dichter Nebel erwartete uns am Schoodic Point...


..spielereien liess das Wetter aber dennoch zu.


So schnell der kleine Sonnenspot da war, so schnell war er dann auch wieder weg



Wir hatten uns gestern Abend entschieden nicht mehr weiter der Küste entlang bis nach Calais an der Grenze zu Canada zu fahren. Der Highway 1 verläuft bis dort meist etwas zurückgezogen vom Meer, Abstecher dahin auf die einzelnen Landzungen wären zwar möglich, aber wirklich viel andere Ausblicke sind nicht zu erwarten. Auch ist jede Meile in den Norden eine die wir weiter zurückfahren müssen.
Wir haben dann nach Konsultation der Wettervorhersage einen Programmpunkt wieder in die Reisestrecke rein genommen, welcher durch die Fahrt ab Albany unten herum nach Maine weggefallen ist.
So ging es via Ellsworth auf direktem Weg nach Bangor. In Ellsworth kreuzten wir dabei wie schon die vergangenen Tage die Downeast Scenic Railroad. Nur waren wir schlicht an den falschen Tagen da dass da was los war (nur Weekendbetrieb). In Bangor genehmigten wir uns dann ein feines Omelette, da uns der Hunger plagte. Immerhin war wieder Mitte morgen. Anschliessend ging es via I-95 bis Newport, wo wir dann auf den Highway 2 wechselten. Den gestrigen Planungen folgend wäre es zwar jetzt weiter auf der I-95 bis nach Lewiston und von dort dann via Ossipee nach Conway gegangen. Für beide im Hinterkopf schwirrende Zugsbegegnungen waren wir aber schon wieder viel zu knapp, so dass wir uns kurzfristig um entschieden oben herum nach Conway zu fahren.
In Norridgewock kreuzten wir die ehemalige Somerset Railroad - leider seit 2013 ausser Betrieb. Rund um Farmington zeugten einzelne Überreste des ehemaligen Farmington Branch von den einstmals vielen Bahnlinien in der Gegend. Auch der ist aber schon einige Zeit weg. In Dixfield standen wir dann vor einier schwierigen Frage: Peru oder Mexico?
Wir entschieden uns für Mexico und gelangten kurz danach ins entsprechende Örtchen. Das gleich angrenzende Rumford - respektive die dortige Papierfabrik - ist Endpunkt des PanAm Rumford Branch, welcher den verfügbaren Infos nach täglich mit einem Zugspaar erschlossen wird. Wir passierten Rumford aber weit ausserhalb der genannten Zeiten, so dass ich da nichts erwartete. Das Gelände war vollbepackt mit Wagen, jedoch nicht wirklich zugänglich und so liessen wir es blieben da allfällige Stehzeuge zu fotografieren und fuhren weiter entlang des Highway 2. Viel mehr als Wälder sah man aber nicht - die Gegend ist diesbezüglich recht eintönig. Und unsere Südamerikareise (Peru/Mexico) wurde plötzlich zur Weltreise, als wir in Hanover vorbei fuhren und später dann auch noch Berlin passierten. Bei Bethel trafen wir dann auf die einst zur Grand Trunk Railway gehörende Linie von Portland nach Island Pond und dann nach Canada hinein. Später zur CN gehörend, ist die Linie heute von der St. Lawrence and Atlantic Railroad betrieben. Wie da Verkehr drauf ist - keine Ahnung. Ich hatte mich da auch im Vorfeld zu wenig damit beschäftigt, da eine Fahrt hier durch nicht im Fokus stand. Die Linie ist optisch in einem guten Zustand und sieht auch befahren aus. Erstaunlicherweise war die Linie recht gut einsehbar, was fahrendes wurde aber nicht gesehen. Dafür fanden wir in Gorham beim ehemaligen Depot einige Denkmalfahrzeuge. Im ehemaligen Depot ist eine lokale Historical Society aktiv. Trotz inzwischen leichtem Nieselregen gab es einen kurzen Fotostopp:

0-6-0 #7531 der Grand Trunk Railway beim ehemaliegn Depot der B&M in Gorham


B&M F7A #4265 hat definitiv schon bessere Tage gesehen (Gorham)


Weiter ging es durch die endlosen Wälder dieses Teils der USA. Ganz ehrlich: die Gegend ist nett, aber irgendwie haben wir die Wälder langsam satt. Im Westen der USA hat man immer mal wider was zu sehen, hier starrt man einfach meilenlang Baum für Baum für Baum an. Besonders als Fahrer ist das recht ermüdend. Ich war froh als wir dann endlich in Bretton Woods am oberen Ende der Crawford Notch angelangt waren. Das Ziel war nicht einfach so gewählt. Hier führt die einstige Mountain Division der ehemaligen Maine Central durch. Die Linie ist heute Teil der Conway Scenic Railroad und wird von einigen Museumszügen befahren. Besonders zu Indian Summer Zeiten werden da täglich Züge gefahren. Das war zwra noch nicht der Fall, doch war heute auch ein Betriebstag mit einem Zugspaar durch die Notch. Leider nur waren wir dafür zu spät, der Zug bereits wieder auf der Rückfahrt und so nicht mehr erreichbar. Aber, es gibt da ja noch was anderes hier: Den Mount Washington.
Diese mit 1917m höchste Erhebung im Nordosten der USA ist einerseits ein schöner Aussichtsberg, andererseits auch aus Bahnsicht sehr interessant, führt doch von Bretton Woods aus die weltweit älteste Zahnradbahn auf den Gipfel. Bereits 1868 eröffnete Sylverster Marsh die entsprechende Zahnradbahn. Sie ist bis heute in betrieb und heutzutage die einzige Bahn nach System Marsh. Mit Steigungen bis zu 37.5% ist sie nach der Pilatusbahn die zweit-steilste Zahnradbahn der Welt. Bis 2008 wurde sie ausschliesslich mit Dampfloks betrieben, seither sind einige Eigenbaudieselloks als Ergänzung vorhanden. Damit wurde leider ein Teil der Dampfloks eingemottet und nur noch 1-2 Zugspaare täglich sind mit Dampf geführt. Nichtsdestotrotz ist die Bahn einen Besuch wert und genau das machten wir jetzt. Ziel war weniger eine Mitfahrt - der Gipfel des Mount Washington war komplett in Wolken gehüllt - sondern eher mal einige Fotos zu machen. Zeitlich passte es gerade, da bald nach unserer Ankunft die offiziell letzte Bergfahrt des Tages abfahren sollte. Im Bündel aus drei bereitgestellten Zügen mit dabei: ein Dampfzug. Während sich meine Partnerin bei der Talstation aufstellte, kämpfte ich mich entlang des Trasse etwas ins Gelände hoch. Neben der Linie ist eine Schotterpiste vorhanden, welche auch Wartungszwecken dient. Das Ding ist aber sowas von steil, dass es schon fast eher eine Kletterei war. Man merkt durchaus, dass die Bahn den Titel zweit-steilste Zahnradbahn der Welt nicht zu unrecht trägt. Nach der ersten Kuppe fand ich eine für mich passende Stelle. Lange warten musste ich nicht und schon kämpfte sich M5 als erste den Berg hoch:

M5 "Metallak" mit Personenwagen 3 oberhalb der Base Station


M5 "Metallak" mit Personenwagen 3 oberhalb der Base Station


Die Dieselloks sind nicht gerade Schönheiten. Da hilft die Farbgebung auch nicht weiter, trägt doch jede Lok eine andere Farbe. Bei den Wagen gilt dasselbe. Zwar wäre vermutlich je ein passend lackierter Wagen pro Lok vorhanden, aber gefahren wird bunt gemischt. So kam danach die gelbe M4 mit dem weissen Personenwagen 4:

M4 "Agiocochook" mit Personenwagen 4 oberhalb der Base Station


M4 "Agiocochook" mit Personenwagen 4 oberhalb der Base Station


Als dritter und letzter Zug im Bündel kam dann Dampflok 9 "Waumbek". Die Rauchentwicklung der kohlegefeuerten Dampflok ist durchaus sehenswert. Speziell zum Betrieb der Dampfloks gibt es Ausnahmen in den ansonsten recht streng reglementierten Umweltgesetzen des Staates New Hampshire. Es gab zwar mal Versuche mit Ölfeuerung an Lok 10, welcher aber nicht erfolgreich waren. Dies ist mitunter ein Grund weshalb dann die Dieselloks gebaut wurden.

Dampflok 9 "Ammonosuuc" mit Personenwagen 6 oberhalb der Base Station


Dampflok 9 "Ammonosuuc" mit Personenwagen 6 oberhalb der Base Station


Dampflok 9 "Ammonosuuc" mit Personenwagen 6 oberhalb der Base Station


Dampflok 9 "Ammonosuuc" mit Personenwagen 6 oberhalb der Base Station


Dampflok 9 "Ammonosuuc" mit Personenwagen 6 oberhalb der Base Station, Im Hintergrund M4 und M5


Das Spektakel war vorbei, so kämpfte ich mich wieder entlang der Strecke runter bis zur Talstation. Das gestaltete sich angesichts meiner gestrigen Fussverletzung als recht schmerzhafte Sache - aber da musste ich nun durch. Wir besuchten anschliessend das kleine Museum in der Talstation und genossen noch was Flüssiges. Für mich gab es auch noch einige Fotos in der Talstation selber:

M2 "Algonquin" mit Personenwagen 8 in der Base Station


M1 "Wajo Nanatassis", M3 "Abenaki" und M2 "Algonquin" warten auf weitere Einsätze


Das bereitstehende Personal machte den Anschein, dass nochmals was fährt. Auf Nachfrage gab es entsprechend positive Antwort. Es würde noch ein Leerzug auf den Berg fahren um Fahrgäste ins Tal zu bringen. Ich witterte meine Chance in etwas veränderter Position zu vorhin nochmals was zu reissen. Einmal auf die Zähne gebissen ging es wieder entlang der Strecke hoch um M3 zu erwischen.:

M3 "Abenaki" schiebt den Personenwagen 9 bergwärts


M3 "Abenaki" schiebt den Personenwagen 9 bergwärts


Zurück bei der Talstation ging es noch kurz in Richtung Werkstätten der Bahn. Die bisher nicht fotografierte, blaue M6 stand dort bereits im Feierabendmodus.

M6 "Laprade" und M2 "Algonquin" sind bereits im Feierabend, M1 "Wajo Nanatassis" im Hintergrund wird gerade betankt.


Wie wir dann losfahren wollten, kam noch die gelbe M4 den Berg heruntergekrochen:

M4 "Agiocochook" kehrt gerade vom Berg zurück und hat demnächst die Base Station erreicht


Dann war aber fertig und wir machten uns auf den Weg in Richtung Conway, respektive Tamworth, wo wir im Days Inn ein Zimmer gebucht hatten. Bei Bretton Woods gab es noch ein Bild der dort als Werbung stehenden Lok 10. Die Sonne drückte dazu passend gerade etwas durch die Wolkendecke:

Lok 10 "Col. Teague"


Durch die sehenswerte Crawford Notch ging es dann immer entlang der Conway Scenic Railroad in Richtung Conway. Von der Bahn sah man aber nicht wirklich viel - die Waldthematik ist auch hier vorhanden. Es war aber wie schon erwähnt eh nichts unterwegs. Nebst Wald gab es je näher wir Conway kamen auch immer mehr Tourikram zu besichtigten. Die Gegend ist einerseits eine Wandergegend, andererseits hat es im Winter auch einige (Retorten-) Skigebiete, sprich Lifte und in den Wald geschlagene Schneisen als Skipisten. Bei Intervale stiessen wir dann auf sehr vertraut wirkende Gebäude. Schweizer Auswanderer haben hier ein kleines Ressort im Stile von Schweizer Chalets aufgebaut:

Berner Wappen und Schweizerischer Baustil - Willkommen in New Hampshire USA ;)


Eingangs North Conway staute sich der Verkehr dann vor dem Bahnübergang. Da kommt doch nicht etwa....
...und schon rumpelte ein Zug in Richtung Intervale über die Strasse. Meine Partnerin kennt mich inzwischen gut genug und begann schon auf der Karte nach potentiellen Fotostellen Ausschau zu halten ;)
Ich drehte derweil auf der Strasse und fuhr wieder in Richtung Intervale. Der nächste Bahnübergang war passend im Licht. Die Wettersituation hat sich gegen Abend auch gebessert und so waren durchaus Chancen auf Sonnenfotos da. Die Stelle war schlussendlich zwar etwas kompromissbehaftet, aber da der Zug schon hörbar war, war nichts mehr mit was anderes suchen:

GP7 #573 der CSRX bei North Conway


GP38 #252 hilft am Zugschluss mit


Schnell zurück ins Auto und in den Verkehr eingereiht ging es durch Intervale durch bis kurz hinter Glen. Schon bei der vorherigen Talfahrt dachte ich, dass die Stelle durchaus noch nett wäre wenn ein Zug käme. Jetzt kam er auch und so stellte ich mich hin. Die erstaunlich lange Wartezeit liess die Recherche zu was denn da genau fährt. Es stellte sich als abendliche Dinnerfahrt bis Bartlett heraus.

CSRX GP7 #573 mit dem abendlichen Dinner Train bei Glen.


CSRX GP7 #573 mit dem abendlichen Dinner Train bei Glen.


Gezogen wurde der Zug übrigens von GP7 #573, gebaut 1950 ursprünglich für die Maine Central. Am anderen Ende schob GP38 #252 nach, welche 1966 ebenfalls ursprünglich für die Maine Cetral gebaut wurde.
Wir fuhren weiter in Richtung Bartlett, doch gestaltete sich die Suche nach einer weiteren Fotostelle nicht einfach. Erst kurz nach dem Attitash Ski Resort gab es beim Bahnübergang des Highway 302 was brauchbares.

CSRX GP7 #573 mit dem abendlichen Dinner Train bei Bartlett.


Die restlichen Meilen bis Bartlett wie auch die Rückfahrt des Zuges schenkten wir uns angesichts der fortgeschrittenen Zeit. Für heute war gut, der Hunger plagte und wir mussten noch ein paar Meilen bis hinter Conway fahren bis wir im Motel waren. Wir beschlossen unterwegs schon was zu Essen und steuerten einen vorhin entdeckten Spaghetti Schuppen an. Die Idee war so gut, dass wir es angesichts der zahlreichen Autos vor dem Lokal inklusive der Schlange der Personen die ins Lokal wollten dann bleiben liessen und weiter fuhren. Schlussendlich landeten wir in North Conway bei Pizza Hut. Bei einbrechender Dunkelheit brachten wir noch die restlichen Meilen bis zur gebuchten Unterkunft hinter uns. Recht müde ging es dann bald einmal ins Bett, zumal morgen der Wecker recht zeitig geht.



Freitag 23.8.2019

Schon kurz nach Sonnenaufgang waren wir auf den Beinen. Versprochen war ein Traum-Morgen und tatsächlich war draussen stahlblauer Himmel und eitel Sonnenschein. Nach einem kurzen Morgenessen waren wir schon bald wieder unterwegs in Richtung Conway. Weit kamen wir nicht, denn schon bei der Fahrt entlang des Chocorua Lake gab es einen kurzen Fotostopp:

Am Chocorua Lake


Bald ging es aber weiter durch Conway durch in Richtung Mount Washington. Wir haben vor die von Osten auf den Berg führende Strasse zu fahren und die Aussicht zu geniessen. Rund eine Stunde später hatten wir Glen House erreicht, wo die Mount Washington Auto Road abzweigt. Die Strasse ist Privat und Gebührenpflichtig. Der aufgerufene Preis von 31.-$ pro Fahrzeug inkl. Fahrer und je 9.-$ pro weiterer Insasse ist doch sehr stolz. Wir haben es uns aber ausnahmsweise dennoch gegönnt, zumal wir nach wie vor in Eitel Sonnenschein waren. Man erhält dafür einen fetten Stossstangenaufkleber für's Auto (This car has climbed Mt. Washington), ein Fahrerzertifikat, eine Audio-CD und jede Menge Sicherheitshinweise. Man könnte fast meinen man befahre nun die Death Road in Bolivien (Bekannt aus Top Gear...). Wem das alles zuviel ist, kann die Strasse auch in einem Tourbus "bezwingen". Zugegeben - schmale Strassen ist nicht so ein Ding der lokalen Fahrer, Kurvenfahren auch nicht. Das Ganze noch kombiniert mit einer durchschnittlichen Steigung von fast 12 % muss bei den lokalen Fahrern wohl Horrorvorstellungen hervorzaubern. Mir zauberte es nur ein müdes Lächeln auf's Gesicht. Die Strasse ist immerhin so breit, dass zwei durchscnittliche amerikanische SUV oder sogar Pickups eigentlich meist problemlos kreuzen können (wenn denn die Fahrer acht geben wo sie sich auf der Strasse befinden). Ich würde die Strasse in etwa mit der Urner Seite der Strasse über den Furkapass vergleichen. Obwohl das vorausfahrende Auto einige Minuten Vorsprung hatte - die Kasse war zwischen uns kurzzeitig zu - dauerte es nur knapp eine Meile und schon waren wir unter Einhaltung der Geschwindigkeiten wieder aufgeschlossen. Bald darauf liess er uns passieren. Nur rund 1 Meile später waren wir dem nächsten Fahrzeug nahe und gleich darauf lies uns auch der passieren. Und nochals rund anderthalb Meilen später fühlte ich mich endgültig als Raser, liefen wir doch einem dritten Fahrzeug auf. Der liess uns aber gerade nicht vorbei und dann war die Lust zu überholen schlagartig weg. Von Eitel Sonnenschein ging es innert weniger Meter in stockdicken Nebel mit Sichtweite von weniger als 10m. Daran sollte sich dann bis zum Gipfel nichts mehr ändern. Wir erwischten einen dieser typischen Tage am Mount Washington - rundherum schön, auf dem Gipfel stockdicker Nebel mit viel Wind. Der Mount Washington ist bekannt für sein schlechtes Wetter. An über 100 Tagen im Jahr herrschen Windstärken im Hurrikan-Bereich (über lange Jahre hatte der Gipfel mit 372km/h die höchste gemessene Windgeschwindigkeit der nördlichen Hemisphäre). Temperaturmässig gings auch schon auf -46°C im Winter und mit dem WindChill Faktor gehts noch ein paar gefühlte Grad kälter. Und selbst im Sommer ist es sehr, sehr selten mehr als 16°C. Die Sonnnschein-wahrscheinlichkeit im August beträgt um die 30%. Es erstaunt daher nicht dass wir mitten im Nebel standen. Ich hätte es zwar anders gehofft, aber so war es nun mal.

Ist sie nicht schön die Aussicht vom Mount Washington. So richtig einladend zum Sonnenbaden ....


Da wir schon mal oben waren, tappten wir uns in die Summit Station vor. Uns schlug ein abartiger Stinkegeruch entgegen. Im Aufenthaltsraum hatte sich eine Gruppe Wanderer breit gemacht, welche wohl den Appalachian Trail begehen. Keine Ahnung wann die das letzte Mal Wasser und Seife gesehen haben oder Kleider gewechselt haben. Dem Gestank nach werden es Wochen gewesen sein. Ich fand's ehrlich gesagt grenzwertig... (Ich war selber Pfader und mir ist klar, dass man auf Wanderungen nicht täglich duschen oder baden kann. Dennoch: alle paar Tage findet man garantiert einen Bach wo auch Körperhygiene mal drinliegen muss. Und das Gerüchchen das die Gruppe verströmte deutete nicht daraufhin, dass die in der letzten Woche auch nur einmal einen Tropfen frisches Wasser gesehen haben. Und das in einer Gegend wo es viel frisches Wasser hat.)
Mit möglichst viel Abstand schlürften wir mal eine Cola und warteten auf die Ankunft der ersten Züge aus dem Tal. Mit dabei war auch ein Dampfzug. Den Plan die auf der Strecke unterhalb des Gipfels zu fotografieren konnte ich mir heute ans Bein streichen. Ich liess aber nicht locker und versuchte bei der Ankunft der Züge was zu machen. Die Sonne drückte zwar immer mal wieder in den Nebel rein, aber die Windströmung blies immer wieder neue feuchte Luft den Berg hoch welche dann oben in Nebel auskondensierte.
Wie gestern kam dann Lok 9 hoch:

Dampflok 9 "Ammonosuuc" mit Personenwagen 6 erreicht die Summit Station


Dampflok 9 "Ammonosuuc" mit Personenwagen 6 in der Summit Station


Weitere Bilder erspare ich euch. In den fünf Minuten draussen gab es eiskalte, steife Finger und vom Nebel her war ich quasi plitschnass. Die Chancen dass es aufklart waren nicht gegeben und so fuhren wir bald darauf wieder talwärts. Ein paar hundert Meter unterhalb des Gipfels waren wir dann wieder aus dem Nebel raus und es schien grundsätzlich immer noch die Sonne. Die Bewölkung hatte zwar etwas zugenommen, aber tragisch war es nicht. Ein Blick über die Schulter offenbarte aber, dass der Gipfel des Mount Washington wohl nicht so schnell aus dem Nebel auftauchen wird.
Wir machten einige Bilder von der Gegend, welche wir lieber vom Gipfel aus gemacht hätten.

Aussicht von etwas unterhalb des Gipfels des Mount Washington


Aussicht von etwas unterhalb des Gipfels des Mount Washington


Sonst fuhren wir alle Warnschilder ignorierend dass wir anhalten und die Fahrzeugbremsen abkühlen lassen sollten wieder den Berg runter. Ganz ehrlich: ich sah auch den Sinn nicht ein, da es die Bremsen nur sporadisch brauchte und man sonst sehr gut mit der Motorbremse zu Gange kam. Auch jetzt hatte ich zumindest wieder halb das Gefühl, dass ich ein Raser sei. Immer wieder fuhren wir anderen Schleichern auf die dann bald Platz machten. Halb aber nur deswegen weil ich im Konvoi hinter einem der Kleinbusse fuhr, welche diejenigen Touris hochbringt welche sich die Strasse nicht zutrauen. Und der fuhr ziemlich identisch wie ich, sowohl was die Nutzung von Motorbremse und Bremspedal (Bremslichter leuchten nur sporadisch mal auf), als auch die Nutzung der Strassenbreite bei entgegenkommendem Verkehr angeht: Geht ja!
Unten angekommen ging es zurück nach North Conway, wo wir noch kurz am Bahnhof vorbeischauten. Es gab ein Foto des RDC, sonst war nicht viel wirklich fotografierbar abgestellt:

RDC1 #23 wird hauptsächlich für schwsch frequentierte Valley Trains eingesetzt.


Ausgangs North Conway gab es dann einerseits noch eine kleine Shoppingtour in einem der Outlets, andererseits gönnten wir uns einen kleinen Imbiss bei Taco Bell. Danach fuhren wir weiter grundsätzlich entlang des früheren Conway Branch der Boston & Maine. Von North Conway bis Conway wird dieser von der Conway Scenic Railroad betrieben - es ist dies der ursprüngliche Kern der CSRX. Entlang des Silver Lake sind ein paar Meilen durch die Silver Lake Railroad als Draisinen Strecke in Betrieb. Weiter bis Ossipee ist die Strecke aber nicht mehr befahrbar. Ab Ossipee ist der Conway Branch aber seit 1986 im Eigentum der New Hamsphire Northcoast Railroad (NHN). Die NHN ist in Besitz der Boston Sand & Gravel und führt werktäglich ein Zugspaar mit Sand aus der Mine bei Ossipee nach Boston . Die ungefähren Fahrzeiten habe ich www gefunden (morgens ab Boston nach Ossipee, Nachmittags ab Ossipee nach Boston) und es gibt einige schöne Stellen, allen vorab entlang des Milton Pond. Eigentlich war die Idee da schon gestern hierhin zu fahren, aber aufgrund der Zeit haben wir uns dann ja in Newport für einen anderen Weg entschieden. Kurz nach eins - der ungefähren Abfahrtszeit des Zuges in Ossipee waren wir vor Ort und das warten begann. Das Wetter passte, Sonne, im Hintergrund aber interessante Wolken. Ich errechnete mir ein ungefähres Zeitfenster wann der Zug da war, es verstrich ohne dass sich ein Rad gerührt hätte. Auch die Sicherheitsmarge von einer weiteren halben Stunde verstrich. Ich begann mal im www nach ergänzenden Informationen zu suchen, wurde aber erst nach geraumer Zeit fündig. Der Zug fahre täglich, aber Montags nur am Nachmittag nach Boston, Freitags nur am morgen nach Ossipee. Weekendruhe sei in Ossipee. Für mich bedeutete das - dumm gelaufen, schlecht recherchiert und 2.5h für nichts und wieder nichts gewartet, denn es war natürlich Freitag...
Genervt ging es zu meiner Partnerin zurück, welche geduldig gewartet hatte. Sie nahm es locker, ich nervte mich dafür ziemlich. Heute wollte nicht viel funktionieren.

Ach ja, das wäre der Preis gewesen...


Nun hiess es aber endgültig den Rückweg anzutreten. Wir haben uns entschieden via Vermont und dann durchs Hudson Valley runter nach New York zu fahren. So fuhren wir vorerst mal entlang des Highway 11 in Richtung Westen. Verschiedentlich kreuzten wir dabei stillgelegte oder ehemalige Bahntrassen. Bei New London bogen wir dann auf die I-89 in nordwestlicher Richtung bis nach Lebanon hoch, wo wir dann auf den Highway 4 wechselten. Wir hätten den 4er schon früher nehmen können, angesichts der fortgeschrittenen Zeit war es aber ratsam mal einige Meilen zügig auf dem Interstate zurückzulegen. Bei einbrechender Dunkelheit ging es dann entlang des Ottaquechee River über Woodstock bis nach Killington kurz vor Rutland. Killington dürfte Ski begeisterten ein Begriff sein, finden dort doch FIS-Damenskirennen statt. Uns war das egal - es hatte ein günstiges Motel und das zählt. Zudem gab es ein paar Restaurants in der Nähe. Eines davon - Casey's Caboose - zog uns an. Der Name verspricht Programm und so konnten wir ein feines Nachtessen in einem ehemaligen Caboose geniessen. Das Ambiente war Klasse, der Food aber ebenso! Die Bierauswahl passt auch mit vielen Bieren von lokale Microbreweries. Passt so!

Essen im Caboose


Das Abendessen entschädigte den ansonsten nicht so erfolgreichen Tag. Irgendwie war sonst heute etwas der Wurm drin gewesen. Hoffentlich bessert das für die letzten beiden Tage. Wie wird zurück nach New York gelangt sind und was wir dabei noch alles gesehen und erlebt haben, das gibt es dann aber ein anderes mal auf diesem Kanal wenn es zum letzten mal heisst: Ich war noch niemals in New York...: Am Hudson