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Unbekanntes Tunesien (2) - auf in den Süden

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Dienstag 18. Februar 2020 / Téboursouk - Sfax
Neuer Tag und neues Glück. Der Plan der gestern unter Federn und Köpfen entsprungen ist war bombig, aber ob er sich so umsetzen lässt? Der Blick aus dem Fenster war sich da nicht ganz sicher. Es war zwar noch dunkel, denn die Abfahrt wurde auf 7 Uhr in der Früh veranschlagt (ja richtig gehört, sieben Uhr!), aber man sah Wolken. Also irgendwelche Bewölkung halt. Als die Dämmerung voran schritt sah man dann mehr, also nicht mehr Wetter, aber mehr Wolken :-).
Aber wir wollten es einfach probieren. Und wenn kein Wetter ist / bleibt / wird dann können wir immer noch nach Süden verdampfen wie ursprünglich in einem früheren Planungsstadium schon mal angedacht.
Wir kamen pünktlich raus, und weil das Hotel ja schon bezahlt ist mussten wir dem Monsieur nur den Schlüssel hinlegen. Er Schloss uns die Türe auf und wir wurden in den frischen frühen Morgen entlassen. Wir waren mal schön auf dem Land, aus der Stadt fahren war also nicht, und aus dem Dorf waren wir ratzfatz draussen. Der erste Zug den wir uns anschauen wollten war ein Schnellzug nach Tunis. Der ist um kurz vor 8 Uhr in Gaafour, und wir wollten sogar noch vor dem Ort stehen.
Die Ecke erreichten wir nach gemütlichen 20min Fahrt, und etwa 20min vor Plan nahmen wir Stellung an den Gleisen ein. Die Sonne war da, es war aber auch noch viel Dunst in der Luft, aber sie war da. Vor uns im Blick war eine Wolken- oder Nebelfront die langsam vor sich her waberte, sie kam aber nie wirklich näher. Die Sonne stieg langsam und als die Planzeit heran rückte war das Licht bereits prächtig. Nur Zug ... tjaaaja, wie könnte er denn auch pünktlich sein?! Aber nicht verzweifeln, der kommt schon. Und irgendwann wurde es auch den drei Hunden, die uns unablässig angebellt haben von der anderen Bahnseite aus, zu dumm und sie zogen von dannen. Der Zug kam dann mit ungefähr 20min Verspätung, was uns aber angesichts des Lichts überhaupt gar nicht störte.

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Morgens früh in Al Akhouat. Die Uhr zeigt 08:09, und der Zug DC 6/60 hätte eigentlich schon vor 20min kommen müssen. Er war etwas zu spät, was aber bei der langsam steigenden Sonne kein Problem war. Der Zug kommt aus Dahamni und fährt nach Tunis.

Der Weg zurück zum Auto wurde wieder von dem nervigen Hundegebell begleitet, immerhin kamen die Viecher nicht über die Gleise, erzogen waren sie also :-). Nach dem Plan hatten wir jetzt gar nicht mehr so viel Zeit übrig bis zum zweiten Zug. Einer von Tunis nämlich, dieser wäre um 8:40 Uhr in Gaafour. Aber ob der Pünktlich ist mochten wir bereits in diesem Moment stark in Zweifel ziehen. Eigentlich hätten wir für ihn ja vorgesehen weiter nach Westen zu fahren, dann hätten wir auch genug Zeit. Aber die Wolkenfront vor uns die machte uns so gar nicht an. Also gleich in der Nähe et was suchen. Bis Gaafour ging es über Hauptstrassen, und dann bogen wir, um der Bahn zurück zu folgen auf eine kleinen Nebenstrasse ab. Da gab es auch so etwas Ähnliches wie eine Stelle. So wirklich prickelnd fanden wir das zwar nicht, aber die Zeit. Die Gegend da wird doch stark von einem unschönen Bewuchs heimgesucht. Keine Wüste, sondern viel Buschwerk ist um die Bahn zu entdecken – natürlich praktisch alles mit Stacheln dran.
Als wir so warteten kam der Zug nicht, aber Wolken kamen. Erst ein paar kleine Fetzen, und dann war es plötzlich fast komplett zugezogen. Der Zug, der dann ebenfalls mit ungefähr 30min Verspätung kam, war dann im Schatten. Oha, zweiter Tag und bereits der erste Wolkenschaden.

Kurz hinter Gaafour standen wir für den zweiten Zug. Die Wolken trieben uns in diese Richtung, das Resultat sieht man. Bis der DC6/51 Kalaa Khasba (mit gut 30min Verspätung) kam suppte es auch bei uns komplett zu.

Wir blickten auf viele Wolken, aber auch auf blauen Himmel. Der war nun vor uns, und eigentlich genau in unsere Richtung. Wir waren uns einig hier nicht bleiben zu müssen. Denn bei diesen Prognosen im Süden muss man nicht im Norden unter den Wolken rumsabbeln und sich dann ärgern. Neinnein, der Süden ist unser Ziel. Was genau käme dann schon noch raus, aber erstmal nahmen wir uns Sfax als Ziel vor im Kopf.
Dafür mussten wir an die Küste, denn über Kasserine – also übers Landesinnere – soll man nicht fahren. Da gibt es Schergen und irgendwelche vielleicht Milizen, die nicht immer allen freundlich gegenüber gesinnt sein sollen. Aber an die Küste wollten wir eh, da führt ja die Bahn nach Sousse und Sfax entlang, vielleicht kann man auf dem Weg noch etwas abstauben.
Mitnehmen konnte man aber auf jeden Fall auch noch den nächsten Zug auf dieser Strecke hier. Es ist der tägliche Express nach Tajerouine. Die letzte Bewegung auf der Schiene bis am Nachmittag. Und zumindest anschauen wollten wir ihn uns, wobei anschauen ... denn je weiter östlich wir kamen, desto mehr sassen wir wieder im Blau. Ein gestörter Bahnübergang, der unten war lenkte dann in El Arrousa seine Aufmerksamkeit auf sich. Wir drehten flugs und standen 5min später an einer gesichteten Stelle. Da könnte man auch prima auf den Personenzug warten – so er denn kommt irgendwann. Güterzug war schonmal nicht, und Personenzug auch nicht. Dafür grau von oben. Der Personenzug hatte dann fast 45min Verspätung ... und es kam ein Franzosen-Triebwagen. Grussel! Dieser Umstand macht die Strecke gleich etwas weniger attraktiv, denn der nächste Zug am Nachmittag ist genau dieser. Also wäre von 9 bis 16 Uhr in Gaafour genau zweimal dieser Triebwagen zu sehen, sonst nichts. Ist natürlich schade .... wobei .... auch diesem Triebwagen sind wir ja eigentlich noch nicht überdrüssig, oder doch?

Und gleich nochmal ein «Dunkelbild», etwas weiter östlich bei El Arrousa. Diesmal ist es der Express 6-9/57 nach Tajerouine gebildet aus einem Triebwagen DMU2. Die Kisten kennt man doch aus Frankreich? Klaro, weil die kommen ja von da.

Ja, nach Osten an die Küste, dem stand nun nichts mehr im Weg. Wir gondelten unter der geschlossenen Wolkendecke durch die Hügel (warum geht die Bahn nicht da lang?) und erreichten dann im strahlenden Sonnenschein die Küste. Da bei Enfidha schaute ich auch erstmal wieder in den Fahrplan. Und siehe da, da gabs sogar Zugverkehr, in nicht mal so ferner Zugkunft. Also probierten wir erst erfolglos eine Brücke und stellten uns dann ca. 20 km weiter unten, da wo das Licht deutlich besser passte, in einen Einschnitt. Der war gar nicht so einfach zu finden, denn die Strecke ist ziemlich permanent im Olivengebüsch im platten Land. Und so wirklich zwingend fiel uns da keine Stelle auf. Aber der Ort den wir gefunden hatten war doch ganz nett. Nur das Auto stand etwas weiter weg. Ein offenes Tor auf dem Feldweg hinderte uns daran bis zur Stelle zu fahren. Das Tor sah zwar absolut pittoresk aus, aber das Schloss welches an der Seite hing glänzte verdächtig neu. Wieder mal im beisein von Hundegebell warteten wir an der Stelle auf den Zug nach Monastir. Vermutlich auch irgend ein Triebwagen? Neeee, war es nicht, es war ein lokbespannter Zug. Nomnom!

Wegen dem Wetter grosser Sprung nach Süden, nach Sidi Bou Ali an der Hauptstrecke von Tunis nach Sousse / Sfax. Wir erwarteten den nachmittäglichen DC nach Monastir. Er heisst DC5-22/71 mit der Lok 564.

Wir standen an einer Doppelspur und eigentlich hätte ein Gegenzug von Monastir auch schon fast durch sein müssen. Nur kam der noch nicht, also wechselten wir flugs die Einschnitt-Seite und dann sollte es ja vielleicht gehen. Es ging sogar deutlich besser als gedacht – und der Zug hat uns noch nicht überrascht. Beste Voraussetzungen für ein zweites schnelles Bild. Und dann nach Süden an Sfax vorbei für zwei Züge die sich da am Abend noch die Klinke in die Hand geben.
Die Pläne wären ja gut eigentlich, aber die Verspätungen der Eisenbahn hier sind so zum davon laufen. Also der Zug von Monastir, oder vielleicht auch von Gabes, kam nach über 2h warten. Welcher Zug es genau war wussten wir nicht, weil auch ein Zug aus Gabes in der Zwischenzeit hätte kommen sollen und nicht zur Planzeit auftauchte

DC 5/73 nach Gabes folgte dem Zug nach ca. einer Stunde. Wir wollten eigentlich gar nicht mehr da stehen, denn ein Gegenzug aus Monastir wäre schon lange fällig … wir warteten.

Bei Sidi Bou Ali nun dann nach langem warten endlich auch ein Zug aus der Gegenrichtung. Es war schon 16:30 Uhr. Ob es DC 22-5/68 von Monastir mit über 2 ½h Verspätung oder DC 5/76 von Gabes knapp einer Stunde Verspätung war konnten wir nicht eruieren. Soviel zur Pünktlichkeit. Und der «Live Fahrplan» welcher die Seite der SNCFT Seite kennt funktioniert nicht. Also heisst es einfach immer wieder warten.

Die Schatten waren lang, und wir mussten nach Süden. Der Plan südlich von Sfax etwas zu tun war natürlich schon längst hinfällig, es war schon fast 17 Uhr als wir losfuhren. Aber vor dem Auto mussten wir uns einen Weg durch einen Kaktusswall suchen. Das Tor war nämlich jetzt verschlossen .. und wir aber so etwas von froh vorhin Vorsicht vor Faulheit gestellt zu haben. Erfahrungen mit plötzlich geschlossenen Toren haben wir ja bereits auf eben diesem Kontinent gemacht.
Wir schmissen uns auf die Autobahn und flogen nach Süden. Sfax als Ziel. An der letzten Stelle hatten wir noch das Hotel für diese Nacht ausgesucht. Das Ibis soll es werden. Eine fantastische Bewertung auf Booking, und nach der letzten Nacht in diesem eher bescheidenen Etablissement darf es etwas gescheites sein.
Auf dem Weg wurde ein erstes mal der Tank von unserem Logan befüllt. Was kostet der Sprit eigentlich? Hachja, 70 Rappen / Liter, da konnten wir mit unseren Barbeständen ja den Tank ohne weiteres füllen. Jaja, Bargeldreserven, spätestens nach dem Tanken sind die jetzt doch schon arg minimiert. Wir sollten vielleicht – da man hier mehr mit Bargeld machen muss als anderswo – unsere Barbestände etwa aufstocken heute Abend. Wenn Hotel, Mampfen, Tanken usw. alles mit Cash bezahlt werden muss reichen unsere am Flughafen mal eben gezogene CHF 100.- nicht mehr sonderlich weit.
Sfax war bald schon erreicht. Die Autobahn verliessen wir auf Anraten von Google am nördlichen Stadtrand, weiter ging es auch gar nicht. Auch wenn hinter der Absperrung irgendwie wieder Autos auf der Bahn fuhren, da war kein durchkommen. Die Einfahrt in die Stadt war dann eine kleine Tortur. Mit Ansage vom Navi, welches 25min für 13km versprochen hat. Es lag wohl gar nicht so weit dagegen. Denn Sfax beginnt kurz nach der Autobahnausfahrt und endet erst in der Innenstadt (aha). Dazwischen liegen 13km Gewusel vom feinsten :-).
Das Ibis war dann aber ohne Blechschaden erreicht. Parkplatz gab es noch ganz hinten und nachdem wir auf Geheiss vom Parkplatzheini die Palme angefahren haben, standen wir auch so im Parkplatz, dass der vor uns auch wieder rauskommen würde. Ich hoffe einfach mal der vor uns ist morgen früh schon weg wenn wir los wollen. Sonst beginnt das Sägen wieder von vorne – und die Palme täte mir jetzt schon wieder Leid.
Einchecken war kein Problem. Der Monsieur sprach aber so schnell Französisch, dass ich nur die hälfte Verstand. Gubi tat so als würde er alles verstehen, was für mich dann auch in Ordnung war. Der wirds ja dann wissen – ist ja sein Hotel :-).
Trotz der bombastischen Bewertung, es ist ein ganz normales Ibis übrigens. Mit denselben kleinen Zimmern, demselben Containerbad, aber es ist sauber und relativ neu. Also beschwert haben will ich mich jetzt nicht.
Bevor wir das Buffet stürmen (hihi) kam noch ein kleiner Ausflug dazu. Wir brauchten Bargeld, und Banken hatte es direkt auf der anderen Strassenseite. Wenn man diese also lebend überqueren kann gibt es zur Belohnung ein ATM und Bargeld. Die Geldbörsen sind jetzt dicker als auch schon, und wir kamen auch ohne überfahren zu werden wieder zurück.
Und dann ... rängdängdängdäng*. Die buffetfräse wurde angeworfen. Das Restaurant war voll und entsprechend wurde ständig nachgelegt beim Buffet. So blieb alles schön warm / heiss und es schmecke ordentlich lecker. Die Küche war eine Mischung aus Arabisch und Europäisch, wobei mir die Arabische Geschichte deutlich besser schmeckte!
Ein Drink gab es dann in der Bar im 1 Stock. Da war man aber irgendwie von uns nicht so begeistert, waren wir zu alt oder unsichtbar? Auf jeden Fall gabs keine Nüsslis und wir wurden erst beachtet als wir an der Bar auftauchten und direkt da bestellten. Insallah haben wir auch jemanden verärgert weil wir so verdammt gut aussehen!
Im Zimmer galt es dann noch die ersten Pläne für morgen zu schmieden ehe wir um 22 Uhr bereits in den Betten liegen.

[hr]
Mittwoch 19. Februar 2020 / Sfax - Gafsa
Früh mussten wir auch heute nicht wieder raus. So gegen 8 Uhr wollten wir langsam losfahren, oder eine halbe Stunde später. So wirklich viel drive war heute früh nicht gefordert von uns. Ist ja Urlaub ... und der erste Zug war erst gegen 10 Uhr auf dem Plan.
Wir kamen aber pünktlich raus, das frühe zu Bett gehen hilft dann halt doch. Bezahlt war schnell und dann war ich schon am Auto. Um freudig festzustellen, dass der vor uns schon weg war. So konnte ich mir das ewige Sägen schonmal sparen aus der engen Lücke hinaus.
Und schon ging es in den dichten Verkehr. Wir nahmen nicht den direkten Weg aus der Stadt, also am Anfang nicht. Denn dann hätten wir irgendwie direkt vor dem Hotel durch diesen grossen Kreisverkehr fahren müssen, und da kam man unmöglich rein um diese Zeit :-). Also wählten wir einen kleinen Umweg und ich lenkte uns gekonnt durch die Gassen. Wieder feststellend, dass rote Ampeln nicht rot sind, und die Gegenfahrbahn nicht immer nur dem Gegenverkehr gehört. Ich passte mich an ... sagen wir es mal so.
Die nächste grosse Frage galt gleich schon wieder der nächsten halblegalen Aktion im Auto.
Wir hatten als Ziel die Strecke von Tozeur nach Sfax, im Abschnitt kurz vor Graiba. Und da hin kommt man am schnellsten über die tolle neue Autobahn hin. Diese ist Mautpflichtig, oder besser, sie wird mal Mautpflichtig sein. Und weil es noch nicht soweit ist gibt es allerhand illegale Abfahrten einfach durch den Dreck, an Orten wo es den Tunesiern gerade passt. Von so einer „Abfahrt“ wollten wir nun profitieren. Denn sie würde uns direkt an die angedachte Stelle bei Founi bringen. Ansonsten stünden nochmal 15km hin und her fahren an. Langsam schlich ich auf die Stelle zu und suchte das Loch in der Leitplanke. Und tatsächlich, da war ein Loch – und wir weg von der Autobahn über den Dreck. Praktisch solche „Ausfahrten“ schon. Irgendwie komisch aber auch, denn an der Hauptstrasse auf die man kurz danach über einen Kreisverkehr (in der Wüste) einbiegt, ist die Autobahn in beide Richtungen ausgeschildert. Nun, vielleicht hat es ja auch einfach System und die tunesischen Strassenbauer finden solche Ausfahrten ganz in Ordnung.
Wir stellten das Auto direkt an den Strassenrand und liefen mal unter die Brücke der Hauptstrasse, die genau da die Bahn überquert. Eben auf dieser Brücke war unser Standort für den Personenzug nach Sfax und dann Tunis. Der einzige der Tozeur über Tags mit Tunis verbindet, es gibt ja noch einen Nachtzug, aber die Distanz ist so gar nicht Nachtzug – deswegen verkehrt der Zug nur im Dunkeln.
Wir standen da und warteten in der Kälte des frühen Morgens. Also um kurz vor 10 Uhr ... aber es ging ein frischer Wind. Hatte man aber kalt konnte man einfach aus dem Schatten der Brücke treten und wurde sogleich von der kräftigen Sonne gegrillt. Ich will hier nicht im Hochsommer sein müssen, dass muss ja unerträglich heiss sein!

Ich schweife ab. Also, Zug. Ja genau, der kam heute verdammt pünktlich. Das war ja kaum zu glauben! Aber wir lassen uns immer gerne überraschen, ob es so weiter geht?

Nach der Nacht in Sfax ging es am Vormittag gleich nach Südwesten an die Strecke von Gafsa. Bei Founi trifft die Strecke auf die Autobahn nach Gabes, und da kamen wir am schnellsten hin. Im Bild ist DC 13-5/72 von Tozeur nach Tunis, der erstaunlich pünktlich an unserem Standort vorbei rollte.

Nächster Punkt im Programm war ein Personenzug von Tunis nach Gabes, der wäre dann genau eine Stunde nach dem Tozeur Zug in Graiba. Wir mussten dazu nur die Strecke wechseln. Was einfach ist, aber etwas Zeit benötigt. Dabei überfuhren wir auch das erste mal den dritten Schenkel des grossen 3-Ecks bei Graiba.
Herje, vielleicht sollte ich mal kurz erklären wie es da aussieht? Also, es gibt da ein grosses 3-Eck der Bahn. Die Strecken kommen von Norden (Sfax), von Westen (Tozeur) und von Süden (Gabes). Man kommt von überall nach überall. Graiba ist der Knoten am nördlichen Ende, da verzweigt sich die Strecke von Sfax nach Tozeur und nach Gabes. Graiba ist auch für jeden Personenzug ein Halt, obwohl der Ort selber zumindest auf der Karte nach nicht grausam viel aussieht. Aber für Umsteiger natürlich ein guter Service ... äääh, auch wenn niemals Anschluss nach irgendwo besteht.
Die Verbindungskurve von Tozeur nach Gabes gibt es auch noch, da ist aber kein Personenverkehr. Dieser Schenkel zweigt in Founi ab und mündest erst in Hamada wieder in die Strecke nach Gabes. Das 3-Eck ist also ziemlich gross, Verbindungskurve wäre daher eigentlich der richtige Begriff :-). Das Problem ein bisschen: Wo läuft was an Güterverkehr? Fährt Posphat nach Sfax oder Gabes, oder zu Industrien unterwegs? Was fährt von Sfax nach Gabes, oder Tozeur? Wie man es auch dreht und wendet, man sieht einfach nie alle Strecken auf einmal ... und dann fährt das Zeug bestimmt genau da wo man nicht ist. Aber dazu später dann mehr ... :-). Wir hatten ja jetzt mit dem Personenzug eine sichere Leistung nach Süden. Dazu fuhren wir eben südlich von Graiba an die Strecke nach Gabes. Da kamen wir flott hin und dann standen wir da an einem Bahnübergang der so irgendwie ... machbar war. Aber viel kann man in der Ecke landschaftlich halt nicht erwarten. Oder doch? Hm, nein, ausgeschlossen.
Wie wir da so standen hupte es zur Planzeit vor uns, tatsächlich, scheint pünktlich zu sein? Nein, war er nicht. Denn statt des Personenzuges kam ein Güterzug, mit Lok falsch herum.
Pünktlich war gut, so konnten wir sofort die Strecke wechseln. An die Südstrecke nach Gabes. Nördlich von Hamada platzierten wir uns an einem Bahnübergang und warten eigentlich auf einen DC. In dessen Planzeit kam aber dieser Güterzug nach Süden.

Nuuun denn. Und so warteten wir weiter, aber nicht genau da, denn vom BÜ aus sah man weiter hinten schon etwas netteres, ob es wirklich netter war konnten wir jetzt ja herausfinden. Über Sand ging es 1km bis zum gesichteten Punkt und tatsächlich liess es sich da aushalten. Der Personenzug kam dann auch „nur“ mit 45min Verspätung ... und ebenfalls mit einer Lok falsch herum. Heiterei Chäib, was soll das? Wird hier nicht immer gedreht, oder war es einfach nur Pech? Abwarten ....

Für den DC 5/53 nach Gabes standen wir dann noch 1km weiter nach Süden. Er war auch nur 45min verspätet.

An der Strecke war ja wohl nichts mehr zu erwarten (oder doch?), deshalb verschoben wir uns in Richtung Gafsa, also Richtung Tozeur. Da wollten wir uns einfach mal die Strecke anschauen, und irgendwie haben wir auch das Gefühl, dass da am meisten Güterverkehr laufen müsste. Aber obs den stimmt? Denn von Gafsa kommt man auch direkt über eine Güterstrecke nach Gabes. Wenn also da auch verladen wird ... mhm, die Züge haben einfach ein bisschen viel Auswahl hier in der Gegend.
Wir folgten der Strecke in den Westen und notierten hier und da etwas was man machen könnte, keine zwingenden Sachen. Dafür haben die Ingenieure anno dazumal die Strecke einfach zu schön um sämtliche Hügelketten herum gebaut. Nicht mal wirklich in die Nähe davon, um genau zu sein. Einzig zweimal wird ein ganz kleiner Hügelzug überquert, aber da ist die Strasse dann natürlich fern ab der Bahn. Aber man könnte schon irgendwie ...
Und als der Personenzug nach Tozeur, der verlässt Graiba planmässig um 14 Uhr, langsam näher rücke stellten wir uns mal vor Sened an den Strassenrand. Wir warteten im Auto und schauten zu wie sich ein feiner Siff langsam vor der Sonne breit machte. Aber kein Grund zur Panik, bisschen Siff hat noch niemandem geschadet. Wir vernichteten unsere Vorräte die wir am Morgen in Sfax noch besorgt hatten.
Wie früh man den Zug an unserer Stelle wohl sieht? Die Augen klebten ständig irgendwo am Horizont in der vermuteten Richtung mit der Hoffnung zwischen den ganzen Olivenbäumen irgendwo etwas langes fahren zu sehen. Als wir dann einen Zug sahen war er schon viel näher als gedacht und wir nahmen die Beine unter die Arme. Aber Personenzug war das noch nicht, es war ein Güterzug. PotzBlitz! Zur richtigen Zeit in die richtige Richtung. Schöne Sache, und dann noch mit einer Bombardier Lok mit so richtigen Führerständen und so.

Wir sind wieder an der «Tozeur Strecke». Östlich von Sened an einem kleinen Hügelzug. Wir warteten auf den Schnellzug nach Tozeur, waren aber viel zu früh. Das ein Güterzug mit einer 060DP vorher kommt war natürlich eine leise Hoffnung, aber wirklich damit gerechnet haben wir nicht. Umso erfreuter waren wir als der Zug in der Ebene auftauchte.

Obwohl wir nach dem formidablen Foto irgendwie etwas zögerlich zum Auto zurück sind war eigentlich klar, dass wir diesen Zug verfolgen müssen. Also müssen ... wollen, sollen, können! Vom Tempo her sollte es gehen? Die Personenzüge sind nicht verfolgbar, man ist ungefähr so schnell wie sie, was dann aber nie reicht um vorbei zu kommen – die langen und langsamen Stadtdurchfahrten sei dank.

Mit unserer feinen Nase fanden wir am Schluss zwei ganz passable weitere Stellen bis kurz vor Sfax. Ein letztes Bild gab es zwar auch noch etwa 4km vor der Stadtgrenze, aber da waren wir einen ticken zu spät. Und näher ran an Gafsa wollten wir nicht mehr, denn da kommt der Flughafen, und der ist ein grosses Sperrgebiet. Und dem Militär in die Hände fallen wollten wir nun doch noch nicht gleich schon am Anfang in der Gegend. Sowieso ist die Polizeidichte hier im Süden mal schön höher als im Norden. Aber bisher blieben wir unbehelligt von der Staatsmacht.

Natürlich nahmen wir die Verfolgung auf von der 060DP 140. Dieses Bild am Stadtrand von Sened.

Und ein weiteres Bild kurz hinter Zannouch.

Bevor Gafsa erreicht ist gab es nochmal einen kleinen Abschnitt mit viel Seitenlicht. Da hin ging es dann flott. Es klappte gerade so für ein letztes Bild vom Zug mit seiner 060. Wunderbare Verfolgung!

Der Zug war also durch kurz vor Gafsa und es wäre ja P-Zug Zeit. In der grossen Kurve erstmal am richtigen Punkt war die Stelle durchaus nett anzusehen. Also warteten wir einfach im Schatten einer grossen Röhre, die da so am Bahndamm lag. Diese diente dann auch gleich als erhöhten Standpunkt. Wir warteten und schauten dabei den Militär zu wie sie mit den Hubschraubern über unseren Köpfen immer hin und her flogen. Aber uns wird man kaum damit gemeint haben.
Mit etwas über einer Stunde Verspätung war es dann soweit, huuuup weit hinten und der Zug kam ins Blickfeld. Mit der Lok falsch herum. Gruummm ... hat das hier System oder wie müssen wir das interpretieren? Sei's drum!

Und wenn wir schonmal da waren warteten wir doch gleich noch auf den Tozeur Schnellzug. Der wäre dann schneller als der Güterzug und eigentlich schon lange durch. Dies konnten wir ausschliessen. Der DC 5-13/55 kam dann «nur» mit ca. 60min Verspätung an unserer Stelle vorbei.

Und dann warteten wir einfach noch das Stündle bis zum Sonnenuntergang ab und machten was wir vermutet hatten – kein Bild mehr. Ab zum Hotel. Was für ein Hotel? Also Booking kennt hier auch mal wieder gar nichts. Aber es soll wohl das Grand Hotel Gafsa und das Gafsa Yogurty Palace geben. Wir entschieden uns einfach mal für das Jogurth Hotel, erschien uns als ein bissen besser – oder ein bisschen weniger Schlecht? Gubi machte unablässig Scherze über die Hotels und ich wusste in dem Moment schon wem wir hier die hohen Ansprüche zu verdanken haben. Soooo schlecht kann das Hotel gar nicht sein.
Die Stadt konnte man über die Umfahrung fast komplett umgehen (wäre ja auch die Idee an einer Umfahrung). Denn soooo klein ist dieses Gafsa auch nicht, selbst wenn Gubi mir die ganze Zeit etwas von Dorf erzählen wollte. Grosses Dorf = Stadt Inshala!
Die Vorfahrt zum Jogurth Hotel war schonmal gespickt mit einem Wachmenschen, der gab sich aber mit der Aussage «Reception» zufrieden.
Wir traten ein in dieses tolle Jugurth Hotel. Ein Bunker sondergleichen. Ein Palast, riesiges Foyer, verzierte Wände, Decken, alles voll mit alten Sesselgarnituren. Und es roch nach 40 Jahre altem Teppich. Zimmer ... qui Monsieur! Avec Dinne et petit Dejeuner? Höchst erquickt wurde uns dann vom Garçon der Koffer aus Zimmer getragen. Auf das tragen hätten wir verzichten könnten, auf seine Qualität als Pfadfinder aber nicht. Denn man würde das Zimmer so nicht finden. An der Lobby rechts, dann die rechte Tür an der Bar vorbei. Runter, rüber, rauf, hinein. Linkerhand die Treppe hinauf und dann nach hinten bis zur Suite No 3. Ähm, ja, also zwei getrennte Betten hatten wir. Also eigentlich zwei komplett getrennte Schlafzimmer. Alles in einem, mit zwei Bädern, zwei separaten Toiletten, aber nur einem Balkon. Und die Farbe in dem Zimmer, heeeerrrlichstes blau/grün an allen möglichen Stellen. Also vor 30 Jahren war das ein Luxushotel erster Güte. Heute ist es immer noch ein tolles Hotel, einfach etwas abgewohnt. Aber all dies zu Sanieren würde wohl derart viel kosten – dass dürfte unmöglich zu bezahlen sein. Nicht bei den Zimmerpreisen – denn teuer ist das Jogurth nicht gerade. Also bei uns bekommt man dafür keine zwei Betten mit Buffet Abendessen und Frühstück, ausser vielleicht im Massenlager der Jugendherberge. Momol, uns gefiel es, auch wenn wir immer noch schmunzeln müssen ob der pittoresken Einrichtung, die einfach so absolut zum ganzen Wesen des Hotels passt. Mol, wir sind begeistert!
Buffet ... genau, Essen. Um 19 Uhr soll es los gehen. Und da wir nicht so viele andere Menschen sahen wollten wir pünktlich sein, nicht dass dann alles kalt ist, wenn wir kommen. Aber plötzlich waren da viele Menschen, ganz viele Menschen. Und alle machten sich über das Buffet her! :-) Wir reihten uns ein und wurden zeuge von wirklich leckerem Essen. Etwas Tunesischer als noch gestern, aber wirklich vorzüglich!
Auf die Bar nach dem Essen verzichteten wir heute, vielleicht kommen die steten Kopfschmerzen bei uns zweien auch vom lokalen Bier? Aber es ist ja gar kein Usterbräu – Kopfweh Bier. Nanu, wir wissen es auch nicht. Im Zimmer schmissen wir dann die Klimaanlage an und liegen jetzt in den Betten. Bereit um morgen früh in den Tag zu starten!