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Im Winter im Westen (13) - Den Cascades entlang

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Mittwoch 26.2.2019

Nachdem wir gestern Morgen aus Unwissenheit den Westbound Empire Builder verpasst haben, haben wir uns den ZUg für heute Morgen fest eingeplant. Entsprechend ging es früher raus. Bereist 0530 klingelte der Wecker (Ferien halt - ist ja freiwillig ;) ). Pünktlich um sechs morgens standen wir auf der Matte für das Morgenessen, wo wir wieder das Angebot von Porzellangeschirr in Anspruch nahmen. Kurz nach halb sieben waren wir unterwegs. Ziel war erneut Maryhill. So wirklich vollends zufrieden waren wir dort nach dem gestrigen Tag nicht. Zudem war das eine der wenigen Stellen wo man auch den Empire Builder halbwegs vernünftig mitnehmen konnte. Etwa zehn nach sieben waren wir vor Ort und da Amtrak pünktlich unterwegs war, mussten wir auch nicht mehr besonders lange warten bis der Zug bei uns durchfuhr. Bereits 0724 hatten wir unser erstes Foto des Tages im Kasten. Der Zug ist recht kurz und besteht nur aus einer P42DC und 4 Superlinern. Das kommt daher, dass der Empire Builder in ab Chicago in Spokane in eine nördliche Sektion nach Seattle und in den südlichen Teil nach Portland gesplittet wird.

P42DC #161 mit der Portland Section des Empire Builder #27


Nachdem Amtrak verschwunden war hiess es für uns weiterhin auf dem Felsen warten. Die eigentliche Stelle war ja der Blick mit dem Mount Hood im Hintergrund. Während an unserer Stelle heute Sonne pur vorhanden war, zierte sich dagegen der Mount Hood ein bisschen. Die ganze Zeit über umgab er sich mal mehr oder weniger mit einigen Wolkenschichten. Es war nicht extrem tragisch aber gestern war diesbezüglich besser gewesen. Kurz vor acht Uhr morgens kam dann ein gestern vermisster Eastbound. Die Wolken um den Mount Hood hatten sich rechtzeitig weitgehend verschoben. Nur noch um die Basis war ein Band zu sehen, aber der schneebedeckte Gipfel war frei.

C44-9W #5107 und 5027 mit einem Mixed bei Maryhill. Im Hintergrund der Mount Hood


C44-9W #5107 und 5027 mit einem Mixed bei Maryhill. Im Hintergrund der Mount Hood


Da der Eastbound je näher er zu uns kam je mehr schlich, war klar was jetzt passiert. Er zog ins Siding und machte Platz für einen Gegenzug. Kaum war er drin, fuhr ein Getreidezug in Richtung Küste vorbei. Er war zu unserer Freude sogar mit einer richtig stehenden Schlussmaschine bespannt, obendrein sogar noch mit einer Lok der Norfolk Southern. Die hat sich definitiv in den Westen verfahren...

C44-9W #4688, ES44C4 #8150, sowie als DPU NS SD70ACe #1201 mit einem Getreidezug bei Maryhill


C44-9W #4688, ES44C4 #8150, sowie als DPU NS SD70ACe #1201 mit einem Getreidezug bei Maryhill


Wir blieben sitzen, da wir später dann ans südliche Ufer zur Union Pacific wechseln wollten, dort derzeit aber noch zu viel Schatten vorherrschte. Es lohnte sich, um halb neun kam wieder ein Eastbound. Diesmal war es ein Garbage Train nach Roosevelt:

SD70ACe #8511 und ES44C4 #6891 mit einem Müllzug nach Roosevelt


SD70ACe #8511 und ES44C4 #6891 mit einem Müllzug nach Roosevelt


Und erneut in etwa im üblichen Blockabstand von gegen 20min, hier noch +10min mehr weil aus der Gegenrichtung, kam wieder ein Getreidezug in Richtung Küste:

C44-9W #4988, ES44DC #7897, sowie DPU ES44AC #6198 mit einem Getreidezug bei Maryhill


Danach hatten wir es hier aber endgültig gesehen. Da wir gestern die BNSF Seite unserer Meinung nach recht erfolgreich abgegrast hatten, beschlossen wir es mal auf der anderen Flussseite zu versuchen wo Union Pacific verläuft. Schräg gegenüber Maryhill war dazu eine geeignete Location. BNSF liess uns aber nicht ganz los. Oberhalb unseres Standortes führt noch die mehrheitlich der BNSF gehörende Oregon Trunk Line durch und biegt dann ab in Richtung Süden ins Tal des Deschutes River. Auf letzterer war aber nicht mit viel Verkehr zu rechnen. In der Vorbereitung haben wir da was von 2-3 Zugspaaren täglich gelesen. Gestern haben wir genau einmal von weitem einen Northbound gesehen. Auch die dazugehörende Brücke bei Wishram rüber zur BNSF Fallbridge Sub haben wir immer nur in der geöffneten Stellung gesehen. So lag unser Augenmerk klar auf der UP Linie unter uns. Noch während wir an die Stelle fuhren, kam uns ein Eastbound entgegen. War etwas blöd, der war jetzt ein paar Minuten zu früh gewesen. Wir hofften einfach mal, dass das nun nicht für lange Zeit der letzte Eastbound gewesen sei. Wir hatten aber Glück, knapp 20min später kam erneut ein Eastbound durch.

C45ACCTE #7976, sowie die Canadian Pacific ES44AC #8878 schleppen einen leeren Getreidezug in Richtung Kanada


Wirklich Alternativen zu der Stelle hatten wir noch nicht. Am linksseitigen Ufer lag sonst das Meiste noch im Schatten und rüberwechseln auf die rechte Flusseite wollten wir vorerst noch nicht. So blieben wir gleich hier stehen. Es begann mal wieder das Wartespielchen. 2h und viele verdrückte Mandarinen später beschlossen wir mal zu schauen, wo man denn genau stehen müsste wenn man die Oregon Trunk Line hier in dem Bereich fotografieren möchte. Natürlich haben wir das wieder mal zum dümmsten Moment gemacht, denn kaum waren wir etwas höher im Gelände, rumpelte es unten. Mit etwas rennen reichte es uns aber noch - wenn auch knapp - zurück zu unserem vorherigen Fotopunkt:

C45ACCTE #5390 und #7417, SD70AH #8955, C45ACCTE #5296 mit einem Containerzug


Die Stelle war nun insofern erledigt und so liefen wir zurück zum Auto und fuhren talabwärts zur nächsten Interstate Auffahrt. Wir kamen aber nicht ganz so weit. Kurz bevor wir auffahren wollten, sahen wir wieder ein gerade eingeschaltetes grünes Signal für einen Eastbound. Schnell drehten wir um und stiegen mangels Alternativen nochmals bei der vorherigen Stelle ins Gelände. Kaum an unserem Fotopunkt angekommen, fuhr der Eastbound unten durch.

C45AH #8129, SD70ACe #8375 und SD70M #4112 mit einem Autozug


Nun war aber endgültig fertig hier. Wir fuhren auf dem Interstate nach The Dalles, wechselten dort die Flussseite und fuhren wieder etwas hoch bis zum Horsethief Butte. Wir wollten uns nun nochmals flusseitig dieses Hügels hinstellen. Das bedeutete vorerst mal Wanderschuhe schnüren, einige Vorräte einpacken und dann knapp 20min zu Fuss durchs Gelände bis zu unserer Wunschlocation.
Wir mussten etwa eine Dreivertelstunde warten bis uns BNSF was durchschickte - leider aber ein Eastbound. Wir konnten Eastbounds zwar auch fotografieren, aber eigentlich waren wir für die andere Richtung am stehen.

SD75I #294 und SD75M #255 mit einem Müllzug nach Roosevelt


SD75I #294 und SD75M #255 mit einem Müllzug nach Roosevelt


Etwas zu unserem Erstaunen war es schon wieder ein Garbage Train. Loks und besonders Wagenmaterial mit den entsprechenden Containern verriet dies. War schon der zweite Zug nach Roosevelt heute. In die Gegenrichtung haben wir aber noch keinen gesehen. Und eigentlich hatten wir die BNSF Strecke immer im Blickfeld.
Im Blockabstand folgte schon der nächste Zug, ein Auto Rack, leider ebenfalls talaufwärts:

ES44DC #7473, C44-9W #5055 und ES44AC #5787 mit einem Autozug beim Horsethief Butte


Zwischenzeitlich war aber unsere Freude gestiegen, haben wir doch bei Wishram einen Containerzug in Richtung Küste erspäht. Der kam nun auch auf Kreuzung mit dem Auto Rack bei uns durchgefahren:

ES44DC #7830, ET44C4 #3836, C44-9W #5236, sowie DPU ES44DC #7346 mit einem langen Containerzug beim Horsethief Butte


ES44DC #7830, ET44C4 #3836, C44-9W #5236, sowie DPU ES44DC #7346 mit einem langen Containerzug beim Horsethief Butte


Irgendwie war das Wetter zu schön um schon weiter zu ziehen, zumal wir dann eh entlang der Oregon Trunk Line fahren, welche im Bereich bis nach Madras schwierig zu fotografieren ist - wenn denn überhaupt ein Zug kommt. Die Chancen hier noch was zu erwischen waren zweifellos grösser und das Wetter passte. Wir buchten uns aber zwischenzeitlich ein Motel in Bend - das Ziel war somit vorgegeben und bedeutete noch ca. 2h Fahrt. Damit wir nicht die komplette Strecke im Dunkeln zurücklegen müssen, setzten wir uns als Deadline ca. 17h.
Vorerst war der kurzzeitige Strom an Güterzügen mal abgebrochen und es dauerte knapp 40min bis wieder was kam, leider wieder ein Eastbound, noch dazu ein komplett leerer Containerzug.
Wie wir weiter am warten waren, sahen wir wie in Wishram die Hubbrücke der Orgeon Trunk Line heruntergelassen wurde. Es gibt sie also doch: Züge auf der Oregon Trunk Line. Weiter hinten am Berghang wo wir am morgen schon standen sah man dann langsam einen talwärts fahrenden Zug. Den hätte man bei rechtzeitigem Verlassen der Gegend wohl im Tal des Deschutes fotografieren können, aber, rein zeitlich wäre das wohl schon um den Mittag rum gewesen. Von daher: verpasst ahben wir insofern wohl nichts.
Die Frage war nun: In welche Richtung fährt der? Seite Wishram weist die Brücke ein Gleisdreieck auf, so dass in beide Flussrichtungen gefahren werden kann. Wir hofften natürlich auf einen Zug nach Portland, er bog aber leider nach rechts ab und fuhr nach Wishram rein. Geht somit wohl eher in Richtung Spokane. Aber BNSF stellte Ersatz und ein Getreidezug rollte langsam auf uns zu.

ES44C4 #4259, ES44DC #7376 und DPU ES44C4 #6572 mit einem Getreidezug beim Horsethief Butte


Auch wenn wir uns als Deadline 17h gesetzt hatten: Nach Durchfahrt des Getreidezuges packten wir unsere Siebensachen und marschierten zurück zum Auto. Die Schatten wurden minütlich länger und wir mussten bereits für den Getreidezug unseren Standpunkt mehrmals anpassen. Es machte keinen Sinn mehr länger zu warten. So fuhren wir um halb fünf beim Horsethief Lake weg. Via The Dalles ging es direkt auf den Highway 197. Schon kurz nach The Dalles ist man in den Weiten von Oregon angelangt. Bei Maupin geht es kurz mal Zick/Zack mässig runter in den Canyon des Deschutes River, dessen Verlauf auch die Oregon Trunk Line der BNSF folgt. Ausser einiger abgestellter Wagen im Siding kurz nach Maupin sahen wir aber nichts. Das Tal war eh schon komplett im Schatten, so dass fotografieren eh sinnlos gewesen wäre. Nach Maupin geht es auf der anderen Seite wieder hoch auf das Plateau. An einer passenden Stelle stellten wir uns kurz an den Strassenrand. Mount Hood zeigte sich im letzten Abendlicht.

Sonnenuntergang über den Weiten von Oregon, rechts der Mount Hood


Wir genossen die Fahrt durch die wunderschöne Gegend. Verkehr war quasi null, alle paar Meilen kreuzte man mal ein Auto. Das änderte sich dann als wir in den von Maryhill herunter führenden Highway 97 einbogen. Ab da war deutlich mehr Verkehr vorhanden. Als wir Madras erreichten war nicht nur die Sonne endgültig hinter den Cascades verschwunden, sondern der Verkehr nahm auch schlagartig zu. Dies änderte sich bis Bend nicht mehr. Wir waren froh als wir dann dort eintrafen. Wir waren diesmal bei Econo Lodge untergebracht, da es hier im Vergleich zur Konkurrenz auch ein Breakfast gibt. Schon beim einchecken waren wir aber nicht mehr sicher, ob sich das wirklich gelohnt hat. Das Zimmer ist aber ok. Zum Abendessen ging es diesmal zu Fuss zum gleich daneben liegenden Five Guys wo wir uns einen feinen selbst zusammengestellten Burger gönnten. Irgendwie hatten wir heute Lust auf Dessert und so fuhren wir dann noch kurz zu einem Baskin Robbins. Vorteil daran: wir konnten auch noch gleich tanken, sowie ein hoffentlich nun letztes mal einkaufen. Die Tage am Columbia River waren recht durstige Tage gewesen und so waren die Bestände an Flüssigem bei uns bedenklich tief. Zurück im Hotel machten wir noch kurz etwas Planung für morgen, bevor wir dann kurz nach zehn für die nächsten Stunden die Kissen auf ihre Weichheit testeten.



Donnerstag 27.2.2019

Wir standen wie gewöhnlich auf und machten und schlurften nach einer kurzen Morgendusche mal zur Rezeption, wo das Breakfast serviert wurde. Wie gestern schon befürchtet, war es eigentlich nicht mal das hinüber laufen Wert. Lütter Kaffee, dazu als Maximalangebot ein paar trockene Bagels, das wars. Wir drehten wieder um, packten unsere Siebensachen, checkten aus und fuhren beim nächsten Starbucks vorbei. Da gab es wenigstens Milchhaltige Getränke. So gestärkt fuhren wir aus der Stadt in Richtung Süden. Schon bald kam das Newberry National Volcanic Monument in Sicht, welches wir gleich mal ansteuerten. Der Morgen war noch frisch und die Temperaturen waren um den Gefrierpunkt oder etwas darunter. Um Warm zu kriegen entschlossen wir uns einen Rundgänge durchs Lavafeld zu absolvieren:

Beim Newberry National Volcanic Monument


Beim Newberry National Volcanic Monument. Blick auf den Mount Bachelor (gross links), den Broken Top (mitte) und South Sister/North Sister (rechts)


Beim Newberry National Volcanic Monument


Beim Newberry National Volcanic Monument, Blick auf den Mount Bachelor (gross links) und South Sister/North Sister (rechts)


Kurz vor neun waren wir wieder im Auto und fuhren weiter gegen Süden. Unser Ziel für heute war für einmal nicht was Eisenbahnmässiges, sondern für heute stand ein astreines Touri-Programm auf dem Plan. Von meinen letzten Ferien mit meiner Partnerin Desi hatte ich noch einen Jahrespass für die US Nationalparks, welcher heute zum Einsatz kommen sollte. Ziel war der Crater Lake NP. Ich werde mit meiner Partnerin zwar im August noch dort sein (Anm. der Redaktion: das war VOR Corona - mal sehen ob es dann auch wirklich klappt), von daher war es für mich kein Must. Alessandro wollte aber unbedingt hoch und ich habe daran durchaus auch gefallen. Die Ferien waren schon genug Eisenbahn-lastig, so dass ein halber Tag an so einem Ort durchaus drin liegfen darf.
Bei Gilchrist stiessen wir aber zuerst auf die Gleise der Klamath Northern Railway. Die Shortline führt von einem Holzwerk bei Gilchrist einige Meilen in den Süden und macht dort Anschluss an die UP Cascade Subdivision. Wir hatten zwar keine Infos wann und ob da was fährt, aber die Gleise waren immerhin blankgefahren. Da wir auch in den Süden fuhren, fuhren wir ein paar Meilen den Gleisen entlang, gesehen haben wir aber nichts und warten wollten wir nicht. Bald danach waren wir in Chemult wo ein kurzer Boxenstopp angesagt war. Angesichts der dortigen Amtrak Station kam ich auf die Idee mal die Fahrzeiten der Coast Starlight zu checken. Der Southbound geht in der Nacht durch, der Northbound aber hätte etwa eine Stunde zuvor durchfahren sollen, war aber knapp anderthalb Stunden zu spät unterwegs. Er sollte demnach in 45min hier sein. Wir checkten mal die Karten in Bezug auf Fotomöglichkeiten, was bei einem Northbound um die Mittagszeit bei einer mehrheitlich Nord-Süd ausgerichteten Strecke nicht einfach ist. Bei Chiloquin weiter südlich wäre eventuell was gegangen, aber da war er jetzt gerade durch. Wir sahen aber Chancen etwas weiter nordwestlich von Chemult, wo wir daraufhin mal hinfuhren. Vom angedachten Blick auf den Little Deschutes River sah man nicht viel, die Bahn führt da nur auf einem Damm über den Sumpf und zudem lag die Stelle (wie fast alles hier in der Gegend) im Wald. Aber: Wir waren per Zufall bei einem Siding gelandet. Und da das Durchfahrtsgleis das hintere Gleis war, hatte man immerhin etwas mehr offene Seite zum fotografieren. Wir beschlossen die ca 45min zu warten. Kaum waren wir vor Ort, sirrten die Schienen und es kam was von hinten: ein einsamer Hi-Railer auf irgend einer Kontrolltour:

Ein Hi-Railer der UP auf Kontrollfahrt


Der Wärter nahm von uns nicht gross Notiz. Da wir nur am Rand der Gleisanlage standen war das wohl kein Problem. Er blieb im Siding stehen und machte mal Pause. Ging wohl auch für ihn erst weiter wenn der Coast Starlight durch war. Kurz nach unserer errechneten Planzeit hörte man im Wald ein entsprechendes Anschwellen von Maschinengeräuschen. Das für den Bahnübergang abgegeben Horn passte aber ebenso wenig zu einer P42DC wie die Anordnung des Spitzenlichtes und die Farbe der Loknase die im Wald auftauchte. UP schickte tatsächlich noch einen Güterzug vor dem eh schon verspäteten Coast Starlight durch:

Viel Power für diesen Mixed: SD70ACe #8738, SD70M #5169, C44AC #6227 und #6479, C45ACCTE #8015, sowie C44AC #6395 schleppen einen Mixed quer durch die Wälder von Oregon


Man sieht da gleich mal wieder den Stellenwert der Amtrak Langstreckenzüge. Mangels eigener Strecken sind die Züge oft hilflos den Streckenbesitzern ausgeliefert. Und da haben die eigenen Züge meist Vorrang. 10min später hörte man es wieder im Wald rauschen, danach Hornen und eine Loknase tauchte im Wald auf. Diesmal passte es zum Coast Starlight. Dessen Verspätung betrug inzwischen knapp 2h.

Knapp drei Stunden zu spät unterwegs ist dieser Northbound Coast Starlight #14, gezogen von P42DC #172 und #53


Da sich auch der Hi-Railer wieder auf die Socken machte und auf dem nächsten Streckenabschnitt verschwand, war mit nichts mehr zu rechnen und auch wir konnten getrost unseren ursprünglichen Plan weiterverfolgen.
Der Crater Lake ist im Winter nur auf Seite Rim Village zugänglich. Die komplette Ring Road ist dick unter Schnee begraben. Vom Nordeingang war als keine Einfahrt möglich. Um aber nicht zweimal dieselbe Strecke fahren zu müssen, fuhren wir etwas unterhalb Chemult auf den Highway 138 um dann via Highway 230 und 62 von Westen her zum südlichen Parkeingang zu gelangen. Der Ansturm an Besuchern hielt sich doch ziemlich in Grenzen. Das einzelne geöffnete Tickethäuschen war gerade frei und nach Ziegen von ID und Nationalparkpass waren wir schon drin. In mehreren Kehren ging es nun hoch zum Rim Village. Die Schneemauern neben der Strasse wurden kontinuierlich höher, bis sie oben bei Rim Village ca. 2.5m betrugen. Da der Parkplatz nicht geräumt war, konnte man mitten auf der Strasse Parkieren. Angesichts des doch eher spärlichen Besucherzahl war das Problemlos. Nach einem ersten kurzen Touch mit dem Schnee fanden wir, dass es sich lohnt vorerst noch die hohen Wanderschuhe zu montieren. Lief man auf den bereits etwas plattgedrückten Schneebereichen, dann wäre es ohne gegangen. Sobald man aber vom vorgespurten Pfad abwich, war man froh um die hohen Schuhe. Das Wetter und die Stimmung hier war einfach nur traumhaft. Trotz des Schnee's war es mit Sonne angenehm warm, zumal kein Lüftchen ging. Und dank der nur einzelnen vorhandenen Besucher war es auch entsprechend angenehm ruhig.

Am Crater Lake National Park


Am Crater Lake National Park


Wie wir am fotografieren waren, kamen wir bei einer Stelle mit ein paar weiteren Touristen ins Gespräch. Es stellte sich heraus, dass wir es mit Carlene Carter der Western Sängerin zu tun hatten, welche gerade auf Tour war und zwischen Auftritten in Klamath Falls am Vortag und in der Nähe von Portland den Abend darauf auch kurz die Ruhe am Crater Lake genoss. Weder bei Alessandro noch bei mir klingelte das Glöcken, geschweige denn dass wir auch nur auf die Idee gekommen ein Selfie mit der Dame zu machen. Erst als wir dann am Abend mal kurz nach dem Namen googelten fiel der 20iger und wir schluckten kurz mal leer mit wem wir es da zu tun gehabt hatten. Sogar ich als (Schwer-)Metaller kenne doch einiges von ihrem Repertoire. Sachen gibt's. Wir fanden beide: Döfies, dass wir nicht um ein Selfie gebeten haben. Glaubt uns ja eh wieder keiner dass wir sicher 10min mit der Dame Small-Talk gemacht haben und ihre Töchter dann noch gleich eine Fotoserie von uns beiden angefertigt hat.
Egal: wir fotografierten noch ein bisschen weiter und genossen einfach die grossartige Landschaft und die Ruhe hier oben.

Am Crater Lake National Park


Am Crater Lake National Park


Am Crater Lake National Park


Unser Fahrzeug der letzten drei Wochen inmitten von durchaus beeindruckenden Schneemauern.


Gegen drei Uhr nachmittags machten wir uns dann auf den weiteren Weg. Wir hatten zwischenzeitlich noch ein Motel in Mount Shasta reserviert. Aus dem Park raus ging es in südwestlicher Richtung bis kurz vor Chiloquin, wo wir noch einen kurzen Abstecher dorthin machten. In Chiloquin befindet sich noch das Train Mountain Railroad Museum. Nebst einigen Vorbildfahrzeugen ist das Museum auch bekannt für seine abartig grosse 7 1/2 Zoll Miniaturbahn. Das Gleisnetz umfasst irgendwo um die 40km Strecke! Leider war das Museum aber schon zu, so fuhren wir direkt weiter in Richtung Klamath Falls. Wir erreichten gerade die Aussenbezirke von Klamath Falls, als ich im einen Siding sah, wie die Signale gerade eingeschaltet wurden. Ein genauerer Kontrollgang bestätigte die Sichtung und verriet auch, dass ein Northbound kommen würde.
Die Frage war nun nur: wo stellen wir uns hin? Wir haben am Upper Klamath Lake zwar einige Stellen markiert die am morgen gehen, aber für den Abend müsste man eigentlich auf den See. Grosse Teile der Strecke sind aber mittels Geröllschutz-Warnsystemen ausgestattet und so kann man nicht einfach irgendwo über die Gleise auf die Seeseite welcsehln. Von Auto abstellen und überhaupt irgendwo stehen können reden wir noch gar nicht. Wir versuchten dennoch mal was beim Hagelstein County Park zu machen. Seeseitig war aber alles zugewachsen. Am Ende des Sees beim Modoc Point war auch nichts zu machen, so dass wir weiter in Richtung Chiloquin fuhren um dann in die Toqua Road einzubiegen. Würde zwar noch gehen, doch sah man dort wegen einer Baumzeile nicht mehr viel mehr als die Loks. Wir versuchten es nochmals eine Meile zurück in Richtung Klamath Falls bei einem unscheinbaren Feldweg welcher über die Bahn führte - oder wollten es zumindest: Der Zug war aber schneller und kam uns auf dem Weg dahin entgegen. So schnell als möglich drehten wir um und fuhren weiter nach Chiloquin rein, wo eventuell noch was mit dem Sprague River ging. Es reichte uns eher knapp dahin und so gab es dann eine Notschlachtung.

ES44AC #6307, ES44C4 #6653, #7053, #4205 und #6925 schleppen bei Chiloquin einen Mixed entlang des Sprague River


Wir fanden beide, dass wir etwa eine halbe Minute mehr Zeit gebraucht hätten. Aber immerhin gab es heute noch ein Bahnfoto. Zufrieden darüber ging es erneut zurück nach Klamath Falls. Wir kamen genau bis zum Siding in Modoc Point, wo die Signale schon wieder einen Northbound ankündigten. Da war ja plötzlich richtig Betrieb! Diesmal steuerten wir direkt den Feldwegübergang an und beschlossen nach einer kurzen Besichtigung dort zu bleiben. Dabei half auch mit, dass wir bereits die Spitzenlichter in der Ferne sahen. Das Loknäschen war aber diesmal nicht orange, sondern gelb - UP schickte auch noch was durch.

C44AC #6820, C44ACCTE #5785 und SD70ACe #8643 mit einem Mixed kurz vor Chiloquin


Wir sind hier zwischen Klamath Falls und Chemult auf einem gemeinsam betriebenen Stück. Die Strecke gehört zwar der UP, doch hat aufgrund eines Abkommens beim Bau der Oregon Trunk Line die BNSF Trackage Rights, wie dies die UP auch auf der Oregon Trunk Line hat. In Klamath Falls splittet sich das Ganze dann aber: die BNSF fährt dann in südöstlicher Richtung zum Feather River, während die UP weiter südwärts via Mount Shasta nach Sacramento weiter zieht.
Für uns ging es nun endgültig auch in die Richtung. Wir hatten in Mount Shasta was für die Nacht gebucht und hatten noch knapp 2h Fahrt vor uns. Alle beobachteten Signale waren auch der Meinung, dass wir freie Fahrt hatten und nicht mehr durch einen entgegenkommenden Zug gestört würden. Via Klamath Falls ging es weiter nach Süden, meist entlang der UP Strecke. Fotostellen hätten wir zu Hauf gesehen, doch eben, Zug war gerade keiner mehr zu erwarten. Schon kurz nach Klamath Falls passierten wir bei Dorris die Staatsgrenze zu Kalifornien mit dem obligaten Food & Agriculture Check. Die paar Mandarinen die wir noch im Auto hatten waren aber problemlos. Der Mount Shasta auf den wir zufuhren war in den letzten Sonnenstrahlen, dies aber leider nicht lange genug. Als wir endlich bei einem schönen Ausblick angelangt waren, wars dunkel und so ging es ab Grass Lake durch die nach bis nach Mount Shasta runter. Unser Motel Ausgangs Mount Shasta war schnell gefunden - wir sind in der Swiss Holiday Lodge. Was daran jetzt genau "Swiss" sein soll - ich weiss es nicht, aber der Preis/Eindruck auf Booking.com war ok und so haben wir da gebucht.
Für ein Nachtessen suchten wir dann eigentlich ein Steakhouse, fanden aber keines. So landeten wir dann im Black Bear Diner. Leider waren die Steaks da aber schon ausverkauft. Wir fanden aber beide was passendes. Die Portionen waren riesig und entsprechend vollgefressen ging es dann ohne Dessert zurück ins Motel.
Wir machten noch etwas Planung für die letzten beiden Tage. Eine Stellensuche in der Gegend hier offenbarte viel schönes - nur leider will das Wetter morgen nicht so wirklich. Es soll viel Schlonz am Himmel vorhanden sein. Der finale Beschluss war dann so, dass wir morgen runter in die Gegend von Sacramento fahren. Ob wir dort noch das Eisenbahnmuseum besuchen hängt ein bisschen vom Verlauf des Tages ab. So wirklich Lust haben wir nicht: Einem Teilnehmer der Photospecials im Niles Canyon und Carson City/Virginia City ist bei einem Besuch des Museums am Transfertag nämlich im angrenzenden Parkhaus das Auto ausgeräumt worden. Und da wir mit Gepäck unterwegs sind, ist die Lust unser Auto da zu parkieren gerade nicht so da. Mal sehen. Am letzten Tag geht es dann noch via Oakland (etwas Streetrunning am Jack London Square) zum Flughafen, wo am frühen Abend unser Flug zurück in die Heimat geht. Kurz nach zehn war dann Lichterlöschen angesagt.
Wie wir dann die beiden letzten Tage effektiv verbrachten - davon könnt ihr dann im nächsten Teil dieser Serie lesen wenn es zum letzten Mal heisst: "Im Winter im Westen!" - In ein paar Tagen, hier auf dem Kanal.