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Unbekanntes Tunesien (6) - Wenns mal nicht will ...

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[hr]
Donnerstag 27. Februar 2020 / Gafsa - Sfax

Der Tag begann gerädert und mit neuen Stichen von Mückenviechern. Irgendetwas muss heute Nacht vorgefallen sein. Ich habe schon besser geschlafen, aber sei's drum, los gehts! Ein letztes mal checkten wir aus dem Jogurthy Palace Hotel aus und ein letztes mal bestaunten wir die wirklich aufwändigen Stuckaturen an den Wänden und Decken. Jaja, vor 30 Jahren war das wirklich mal ein ganz nobler Schuppen!
Der Plan für heute Früh war klar, alles folgende war noch etwas offen. Uns beide hätte es ja gereizt nochmal an der direkten Güterstrecke nach Gabes etwas zu machen, aber wir beide hatten definitiv auch keine Lust darauf nochmal einen Tag ohne ein bewegendes Rad in der Sonne zu schmoren. Wir entschieden uns einfach mal die Entscheidung was wir nach dem Schnellzug genau machen, zu verschieben. Dieser P-Zug war dann auch unser erstes Ziel – und zwar relativ weit „hinten“ in Richtung Sfax, bei Senet im westlichen der kleinen Gebirgsabschnitte.
Wir müssten um 8:45 Uhr da sein, wir wollten früher sein, und fuhren deshalb geplant um 15 nach 7 Uhr in der Früh los.
Hinein in die aufgehende Sonne. Heute war es mal irgendwie schöner als sonst, weniger Siff in der Luft, die Grosswetterlage gefiel uns heute besonders gut! Wir ödelten vorbei nach Gafsa und dann immer hinaus nach Osten. Ein Zug kam uns dabei schonmal nicht entgegen, und auch überholt hatten wir bis dahin nichts. Beides wäre auch eine grosse Überraschung gewesen.
Eine Stelle fanden wir schnell, bei den gekippten Wagen, mitten in einem Kakteenwald, mit Blick auf eine grosse Kurve, dahinter sogar noch mit etwas Gebirge. So gefiel es uns! Und der Zug müsste sogar pünktlich sein meinte die neu gewonnene Real-Time Info von der SNCFT.
Wir sassen etwa 10min im Auto direkt an der Strecke als von hinten ein Bautrupp des Wegs kam. Und anstatt vorbei zu gehen begann man doch exakt und ganz genau bei uns das Material abzuladen und mit Arbeiten zu beginnen. Nicht 50m vor uns, nicht 50m hinter uns, sondern ganz genau bei uns. Der Bautrupp bestand aus ca. 7 Mann, wobei zwei am Arbeiten waren und die anderen mordswichtig drum herumstanden – und uns mit Argusaugen beobachteten.
Hatten wir auf die Diskussion Lust? Nicht wirklich. Können wir noch wechseln? Eigentlich nicht, denn die Planzeit war da, aber ohne Zug. Soviel zum Thema keine Verspätung ... mhm. Nach 5min, der Bautrupp fuhr gerade mit groben Geschützt auf und wir meinten es werde etwas im Profil gearbeitet, fuhren wir los. So schön die Stelle auch sein mochte, wir wollten nicht am letzten Tag hier unten aufgemischt werden. Und bei der grossen Anzahl an Menschen könnte es durchaus einen geben der an unserem Tun nicht so den grössten Gefallen findet.
Also raus hier, etwas nach Osten, da geht auch was. Der LKW des Bautrupps versperrte aber die direkte Ausfahrt. Also etwas Umweg in Kauf nehmen. Der erste Weg der zur Hauptstrasse führen würde war mit ein paar Tunesischen Pick-Ups verstopft, und die machten so gar keine Anstalten den Weg zu räumen. Also nach 20 Sekunden zugucken zurück zum Weg und weiter vorne rüber. Zum Glück haben wir es ja NICHT EILIG! Aber die Eile war umsonst, denn der Zug kam in dem Moment angebraust und war somit – Verfolgung Zwecklos – ohne Foto nach Osten weg. Es wäre jetzt stark untertrieben, wenn ich sagen würde, die Stimmung litt in dem Moment etwas. Ich hätte ins Lenkrad beissen können! Wir waren zu vorsichtig, zu Dumm ... und hatten einfach nur Pech. Schön wie der Tag gegen uns arbeitet schon in der Früh.
Meine Lust heute in die Wüste zu Sitzen ohne sicheren Verkehr sank in dem Moment ins Bodenlose. Ganz ohne Bild, wenn es hoch kommt, wieder ins Bett heute, neeee! Gubi war etwas gelassener, wusste aber auch nicht so recht was das jetzt gerade sollte.
Eigentlich hätten wir jetzt einem Zug auf der Strecke oben nach Osten (Sfax) zwei Stunden geben wollen, ungefähr in dem Zeitrahmen musste er gestern nach dem Express Gafsa verlassen haben. Wir gaben ihm die Zeit nicht sondern zogen direkt durch in die Stadt. Wir mussten Tanken und Einkaufen. Wenn wir schon die Wüste sitzen, dann nicht ohne Mampf. Ohne Mampf kein Kampf und so!
Alles erledigten wir brav und als wir beim Bahnhof über den BÜ hoppelten um nach Süden zu kommen war da im Bahnhof gut etwas los. Ich stoppte kurz hinter dem BÜ und wir schauten uns die Sache in Ruhe an. Da bewegte sich doch tatsächlich eine neue GT42 mit einem Zug in unsere Richtung. Er blieb dann kurz vor dem BÜ stehen und ein paar Leute hampelten am Zugenede rum. Aber es war klar und ohne Zweifel – der Zug kommt früher oder später in Richtung Sfax aus dem Bahnhof raus.
Klingt ja alles toll, was gar nicht toll war, war die Lok. Denn die schaute uns mit ihrem riesigen fetten Arsch an. Die schöne Nase stand in Richtung des Zuges. Nun konnte sich Gubi kaum mehr halten und er ärgerte sich. Klappt aber auch gar nichts heute?! Ich wollte aber, auch wenn’s nicht so doll ist, mindestens ein oder zwei Bilder machen von dem Zug. Bei der Zugsituation einen Zug NICHT zu fotografieren, nein, das kann man sich eigentlich nicht leisten um nicht bitter enttäuscht ins Bett zu gehen.

Bahnhof von Gafsa. Nach einem sehr verrmurksten Vormittag wollten wir an die Strecke nach Gabes. Blieben aber wegen dem Zug im Gafsa hängen, er stand auf den Gleisen Richtung Sfax bereit.

Also fuhren wir bevor der Zug sich in Bewegung setzte wieder raus in Richtung Osten. Lustig, da waren wir doch heute schonmal .... grrrr! Bloss nicht an den vermasselten Express denken.
Wir standen dann zwischen Gafsa und Zannouch an dem verlassenen Bahnhof und warteten mal. Gubi rechnete in seinem Frust eh nicht damit, dass er bald kommt – und dann wäre das Licht überall rum. Ich war mal nicht so pessimistisch. Und in der Tat, nach 10min trötete es und wir bezogen Stellung auf einem (der uns so ans Herz gewachsenen) Dreckhaufen an der Strecke.

Ja und dann fuhr er los, der Zug mit der GT42. Ein erstes Foto gab es zwischen Gafsa und Zannouch.

Das Bild war schonmal schön. Und irgendwie wollten wir den Zug beide weiterverfolgen. Ob es dann eine Verfolgung wird oder wir den Zug einfach nutzen um nach Osten zu kommen ... war noch nicht ganz klar. Denn es war halt schon so, das Licht war eigentlich bis auf wenige Ausnahmen rausgedreht. Aber wir wollten um in Richtung Gabes zu kommen über Mezzouna fahren. Falls man etwas entgegenkommt – wie es gestern ja der Fall war – könnte man alternativ auch auf diesen Zug wechseln. Dieses Szenario trat dann viel schneller als erwartet (und erhofft) ein. Schon im nächsten Ort standen Wagen im Bahnhof. Wir wendete und schauten uns die Sache vom BÜ am Ortsausgang aus an. Unser Ostfahrer war gerade vorbei als wir drüben eine GE Universal Series Lok an einem Zug sahen – richtig rum.

In Zannouch selber dann die Überraschung. Da steht ein Zug in der Kreuzung mit einer 060-DN.

Es war daher keine Frage – jetzt wechseln wir den Zug halt viel früher als geplant. Denn es gab genau eine Stelle wo die Nase der Lok etwas Licht abbekommt. Aber lieber eine als keine – und die Lok zogen wir dem falsch rum Moderndings beide definitiv vor.
Also bereits zum vierten Mal heute die Richtung gewechselt, nun gehts wieder in Richtung Gafsa (kompliziert ich weiss ;)). Kurz vor dem Flughafen fanden wir etwas passables mit ein bisschen Frontlicht und wenig nach uns war auch der Zug bereits da.

Diesen Zug liessen wir uns nicht entgehen. Die falsch rum GT42 war uns in dem Moment egal. Also hinterher, höhe des Flughafens von Gafsa dann das erste und letzte Streckenbild der Lok.

Und jetzt ... den zu Verfolgen macht keinen Sinn, da man nicht weiss wo er genau hin fährt. Also ein Feld zurück und den alten Plan hervorkramen. Wir fahren oben rum nach Osten und wechseln dann vielleicht nach Süden in Richtung Gabes und Wüstenbahn-ohne-Personenverkehr. Und wer weiss, insalah, holen wir den Zug mit der orangen ja nochmal ein?
Ich machte nicht gar viel Stress, denn die Chance ihn nochmal zu sehen schätzte ich als sehr gering ein. Aber dochdoch, plötzlich war er wieder hinter uns. Und wir kamen gerade in den lichttechnisch besten Abschnitt der ganzen Strecke. War ein netter Zufall, denn wir natürlich mitnahmen. Zwei Bilder gab es nochmal vom Zug, ein letztes bei Mezzouna.

Wir fuhren dann entlang der Bahn wieder in Richtung Sfax. Vielleicht hohlen wir die GT42 ja wieder auf? Und so war es, so gab es kurz vor Mezzouna das nächste Bild von 060-DS-652.

Und am Ortsausgang Mezzouna gleich nochmal.


Und dann – wir spekulierten ja stark darauf, dass der Zug in El Founi den Weg nach Süden einschlägt. Und da an diesem Schenkel des 3-Ecks gäbe es ja noch die Palmenstelle. Ich sage nur Palmenstelle!!! :-).
Also wetzte ich durch die Wüste nach El Founi. Nicht direkt zur Stelle, sondern oben zur Moschee und dem Cafe. Da wollte ich die Gewissheit erlangen, dass der Zug wirklich auch nach Süden kommt und nicht oben rum nach Sfax verschwindet. Warum war auch einfach zu erklären: Der P-Zug nach Tozeur drückte bereist ein bisschen – und unten dann zu stehen und zu warten würde fast sicher dieses Bild kosten. Also wenn es so wäre machten wir lieber den Güterzug, aber wenn der oben raus geht will man da unten nicht blöd stehen (ich sag nur Palmenstelle!!!!).
Nun, der Zug ward gesehen wie er in El Founi geradeaus fuhr. Also nicht da lang wo wir es uns erhofft haben. Das war schlecht, aber gut für den Personenzug. Der war im Fahrplan mit „nur“ 15min Verspätung drin. Und da gäbe es ja noch die Stelle im ersten Gebirgsabschnitt, wo wir schonmal waren. Da wo man hinlaufen muss. Die Zeit reichte aber locker ... also Kompanie halt! Drehen .. und wieder zurück. Heute fahren wir aber auch sinnlos hin und her den ganzen Tag.
Wir liefen wieder rüber zu unserem Berg und wir konnten nach 15min warten einen Punkt mehr auf unserer Todo-Liste streichen. Sehr schön, dass die Lok falsch herum kam, davon mussten wir ausgehen. Will ich auch gar nicht meckern jetzt!

DC 5-13/55 ein altbekannter. Im Gebirgsabschnitt nahmen wir ihn heute fast pünktlich. Das letzte mal gelang dieses Bild nicht «dank» mehr als einer Stunde Verspätung.


Länger da oben stehen machte kein Sinn, also liefen wir nach dem Bild sofort wieder zum Auto zurück. Etwas ideenlos waren wir jetzt ja schon wieder. Aber wir entschlossen bei der Fahrt nach Westen einfach mal südlich von Graiba ins Feld zu sitzen. Da wo uns vor ein paar Tagen der Schleier ein Strich durch das Bild mit einer GT42 (richtig rum!) gemacht hat. Vielleicht fährt der Zug heute wieder ähnlich in der Zeit? Und falls nicht – mindestens der P-Zug käme dann ja noch, der war nur mit 8min Verspätung um Fahrplan und somit dürfte es mit der Sonne gerade so reichen.
Wir fuhren also knapp eine Stunde nach Osten über bekannte Wege. Und gerade als ich bei Graiba vom Asphalt in den Dreckweg zur Stelle einbiegen wollte stösst Gubi einen Fluch aus der sich Gewaschen hat. Kinder haltet die Ohren zu. Warum war schnell klar, da kam doch tatsächlich der Zug mit einer GT42 richtig rum ums Eck. Es haben vielleicht 2min gefehlt bis wir an der Stelle gestanden hätten. Wer hat denn hier schon wieder gezielt?
Heute war echt etwas die Krux drin. Express geht nicht weil Bautrupp genau da und sonst nirgends, Lok vom zu verfolgenden Zug falsch rum – und der Zug eh zu spät. Und jetzt fährt uns der nächste Zug so knapp vor der Nase durch? Karma bitches!
Gubi wollte ins Gras beissen, ich hätte lieber ein Foto von dem Zug. Also hinterher. Sinnloserweise vermutlich. Wobei nicht ganz. Dank ganz schnellem querfahren vor dem Bahnhof von Skhira erreichten wir noch einen BÜ vor dem Zug. Ok, die Stelle war nicht viel bis gar nichts, aber immerhin hatten wir noch ein Bild vom Zug :-):

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Skhira – kurz vor dem Ort. Diese GT42 im schönen Abendlicht. An der eigentlichen Stelle fuhr uns der Zug gerade so vor der Nase durch. Etwas besser als dies fanden wir auf die Schnelle leider nicht mehr.

Jetzt konnten wir uns den Bahnhof von Skhira noch anschauen, der war in Sichtdistanz. Da stand jetzt unser Zug, noch einer nach Süden und einer nach Norden. Was sich jetzt zuerst bewegt, und wohin? Ins Werk, oder nach Süden doch? Nach Norden, aber wohin, nach Sfax oder Gafsa? Soo viele Optionen. Und der P-Zug, genau, für den müssten wir wieder da oben stehen wo wir gerade hin wollten ... wobei sich der eh fast schon disqualifizierte, von 9min ist die Verspätung auf 25min angewachsen. Somit wäre er um 18 Uhr ca. An der Stelle .... wann war nochmal Sonnenuntergang? Achja, kurz nach 18 Uhr.
Es war gerade alles etwas blöd. Wir würfelten innerlich und fuhren etwas nach Süden zum ersten BÜ der folgte. Da wollten wir mal ein bisschen stehen und schauen, bis dann der P-Zug oben drückte und man vielleichtvelleicht noch ein Bild von ihm machen kann, wenn die Verspätung weniger und nicht noch mehr wird.
Der BÜ war also krasser Durchschnitt, eher am unteren Ende der Skala. Aber was will man auch um 17 Uhr, noch Bäume ausreissen? Geparkt haben wir ca. 100m vor dem BÜ an einer Wegeinfahrt. Nicht so wirklich bereit für einen Zug, aber man hätte Zeit genug.
Wie wir da so stehen und nichts tun fährt die Polizei hinter uns ran. Da ich schon draussen war lief ich eben hin und ich wurde forsch gefragt was wir tun – ob wir Eisenbahn fotografieren. Äh? Jetzt - wenn er schon weiss - lohnt es sich sicherlich nicht zu flunkern, also ja. Frage: Woher weiss er das? Er konnte es unmöglich vermuten so wie wir dastanden – hier hat wohl jemand jemanden informiert im laufe des Nachmittags? Da passt dann vielleicht die Handgeste des Lokführers des letzten Zuges der anstatt zu Winken (was normal wäre) mit d er Hand eine Pistole geformt hat. Details die erst auffallen wenn man die Konsequenzen kennt.
Nun äh, ja Monsieur le Comisar. Pässe und Ausweise reichten ihm nicht. Und er verstand überhaupt nicht, weshalb man Eisenbahn fotografieren soll aus plaisir. Nein, alles sehr merkwürdig hier - wir müssten mit auf die Wache. Wie war das nochmal mit SCHEISSTAG? Wir folgten dem Comisario mit unserem Auto, da er alle Papiere von uns hatte konnte er sich auch sicher sein, dass wir nicht reissaus nehmen :-).
David nahm derweil mal bei unseren beiden Kameras einer der beiden Chips raus und steckte sie bei mir ins Sonnenbrillencase. Auf dem Posten wurden wieder dieselben Fragen gefragt. Warum? Hä? Eisenbahn Fotografieren? Warum macht man so etwas?
Das Problem war aber dann sowieso nicht mehr seins, wir wurden an die Garde National weiter gereicht. Die sollen sich darum kümmern. Ob das jetzt gut oder schlecht ist wussten wir indes noch nicht. Man hat ja gelesen, dass das Fotografieren hier eigentlich so nicht unbedingt erlaubt sein soll, oder doch? Also aktuell dachten wir ja dann wohl eher nicht? :-) Man stand lange am Tresen und beachtete uns gar nicht mehr. Ist dies jetzt der Moment wo man auf Baksish wartet? Auf die Frage schüttelte Gubi den Kopf, probieren wir besser nicht hier.
Uns wurde ein Beifahrer mitgegeben mit unseren Papieren der uns zur Grade National begleitet. Die lag in Mahres, ja nur ca. 40km weiter nördlich. Immerhin unsere Richtung – Sfax. Ausser wir verbringen die Nacht in einem dunklen Verlies, dann wäre es egal wo. Ich vermisste gerade Wipf, denn seine Nägel wären dran … ihr wisst schon ????.
Unser Begleiter war ein toller Mann. Er schnallte sich nicht an, Rauchte in unserem Auto, und wie man fuhr war ihm sichtlich egal. Im Gegenteil wirkte er ziemlich hibbelig wenn ich mich mal an die Regeln hielt und auf offenem Feld plötzlich 50 fuhr wie ausgeschildert. Und ich gab mir also redlich Mühe! Und wenn man im 50er nur 50 fährt, dann wird man ständig überholt ... dass war ihm aber sowas von Latte! :). Ich passte meinen Fahrstill irgendwann der Allgemeinheit an. War auch OK.
Er lieferte uns bei der Garde National ab und da wurden wir erstmal im Flur geparkt. Direkt neben der Kartonsammlung, die sich bei genauerer Betrachtung aber wohl als Archiv herausstellte. Was tun wir hier eigentlich? Nach 15min wurden wir dann zum Chef hineingebeten. Ein kleiner Raum, zwei PC's, solche die bei uns im Museum stehen. Und der wollte wieder alles wissen. Und auch er konnte nicht so richtig verstehen, warum wir tun was wir tun. Ich zeigte ihm dann auf dem Handy mal ein paar Bilder und er verstand jetzt wohl was wir taten – aber nicht warum. Sie blätterten unsere Pässe durch, aaah Iran, aaah China ... und dann wollte man die Bilder sehen. Gubi musste mit zum Auto und alles Elektronische mitnehmen. Kameras Laptops, Tablets. Mit diesen Dingen begannen sie dann zu spielen. Man schaute Bilder an, ich konnte jetzt auf dem iPad noch mehr Bilder von überall zeigen ... und man schiehn sich damit abzufinden. Aber der Bericht, ja der Bericht der musste jetzt schon noch sein. Dafür mussten wir ihnen unsere genaue Route aufzeichnen in diesem Urlaub, wir mussten ihnen sagen, wo es morgen noch hingeht usw.
Sie wurden zunehmend lustig und freundlicher, also böse und grantig waren sie nicht, aber zu Beginn schon sehr bestimmt. Da wurde mir und Gubi auch einmal gesagt, wir sollen uns auf Französisch miteinander unterhalten und nicht auf Deutsch. Aber Rauchen durfte man natürlich im Büro, und Zigaretten wurden auch angenommen.
Wir schafften es gerade noch so die Reiseroute aus unserer Erinnerung mit Hotelnamen und allem wieder zu geben. Und dann fragte Gubi mal ganz vorsichtig: Was denn eigentlich das Problem sei, ist Eisenbahnfotografieren verboten? Neinnein war die Antwort. Aber verdächtigem Benehmen muss man halt nachgehen. Aber wir benehmen uns .... wobei, doch, benehmen wir uns! :-)
Es war 2 Stunden her seit wir aufgegabelt wurden von der Schmiere als wir den Posten der Grade National wieder verlassen konnten. Man hat uns alles säuberlich zurückgegeben und penibel darauf geachtet, nichts zu vergessen. Damit war der Sache wohl genüge getan.
Jaja, lustiglustig .... nicht. Hat ein Lokpersonal gemeldet was wir tun? Denn man „wusste es“, und hat uns dann per Zufall aufgegabelt? Hätten wir eine andere Option gezogen als in den Süden zu fahren wäre es sicherlich anders gekommen. Heute war also der Tag der blöden Zufälle, es zog sich durch den Tag wie Kaugummi.
Wenn wir also morgen nochmal hier fotografieren wollen, so sagen wir uns, dann müssen wir im Zuständigkeitsbereich dieser Garde National Station bleiben, die wüssten ja wer wir sind :-). Aber ich glaube, wir lassen es lieber sein und schauen im Norden nochmal weiter. Auch wenn man hier eigentlich noch mehr machen könnte ... häch, könnte man überall.

Wir fuhren rüber auf die Autobahn und dann über bekannte Wege zum Ibis. Aber NICHT ohne noch bei einem Kreisverkehr von der Wache raus gewunken zu werden. Man erinnert sich, ich erwähne oft dass wir spannenderweise nie raus gewunken werden, heute passt es aber so schön zum Tag. Der Gendarm war aber mit dem Pass und 10 Sekunden zufrieden. Allez, bone rute!
Beim Ibis war heute der schnellsprach-Monsieur wieder nicht da, dafür die Madame die uns letzte mal ja noch nicht kannte. Heute kannte sie uns aber, und sie war ganz lustig drauf. «Wir sehen aber spät heute, liebe VIP Gäste». Ja, bedanken Sie sich bei der Polizei. Und dann war sie ziemlich geschockt – aber Touristen müssten bei der Polizei nach spätestens 15min mit einem grossen Sorry entlassen werden. Tja, zwischen «Soll» und «Ist» liegt halt immer ein bisschen Spielraum :-).
Das Buffet wurde nach dem Zimmerbezug gestürmt, und heute schmeckte vor allem das Couscous Royale aber sowas von hervorragend!
Ein Bier später liegen wir jetzt im Bett. Wir haben sogar noch einen kleinen Plan für den Tagesstart zusammengebastelt, aufstehen um 8 Uhr, ganz gemütlich. Und dann tendenziell nach Norden. Der Süden darf ohne uns weiter bestehen morgen.

An der Stelle sei gesagt – wie schon der Herr Heckmann – Tunesien geht! Aber vielleicht holt man sich doch vor der Reise eine Fotogenehmigung bei der SNCFT. Damit wäre der Ausflug auf die Wache heute vermutlich schneller erledigt gewesen. Vielleicht auch nicht. Aber ob und wie und wo man so eine Genehmigung erhält? Keine Ahnung.

[hr]
Freitag 28. Februar 2020 / Sfax - Gammarth

Was machen wir heute, die Frage beschäftigte uns auch am späten Abend und am frühen morgen nochmal. Der Tagesstart war klar, den Gabes Service um kurz vor 10 Uhr hier in Sfax in der Stadt mitnehmen. Wir haben auf dem Luftbild eine Fussgängerüberführung entdeckt. Die einzige überhaupt im ganzen Stadtgebiet. Sie ist zwar „mitten drin“, aber wenn man sich die Luftbilder anschaut kann man da durchaus Parken. Und achwas, Parken kann man in dem Land sowieso immer und überall :-).
Der Tagesstart so spät war dann mal ganz entgegen dem Rhythmus. Ich war schon viel zu früh wach und konnte auch gar nicht mehr weiterschlafen. Dass bin ich mir ja sonst gar nicht gewöhnt.
Wir sind um kurz vor 9 Uhr runter zu Rezeption und dann raus zum Auto. Die 10min durch die Stadt waren dann entspannt, trotz einem Freitag (oder gerade wegen dem Freitag?). Auf jeden Fall waren wir natürlich viiiiel zu früh an der Überführung. Aber wer weiss, vielleicht kommt ja noch ein Güterzug vorher? HAHA ... guter Witz – nicht. Die Schatten auf dem Gleis würden sich dann in der nächsten Stunde auch noch auf und davon machen. Denn so ganz pünktlich war der Zug nicht, aber es blieb bei 20min Verspätung am Schluss. Die Überführung ist wohl in einem etwas nobleren Stadtteil, denn es war aufgeräumt und wir konnten auch unbehelligt stehen in der Gegend. Erst beim Auto, dann vor der Überführung und dann auf der Überführung. Dass die Lok falsch rum kam war dann zwar wieder mal Schade ....

Ortsdurchfahrt von Sfax. Lange geht die Bahn der Hauptstrasse entlang in die Stadtmitte. Aber nur eine einzige Überführung gibt’s. Auf die pflanzten wir uns für den ersten Südfahrer des Tages, den DC 5/53 nach Gabes.

Dann nach Norden. Wir wollten doch mal kurz an die Elektrobahn bei Monastir – Sousse. Da scheint es eine relativ nette Ecke zu geben, nebst ganz viel Gebüsch und noch mehr Mauern auf der ganzen Strecke. Aber bei Sahline ginge wohl etwas. Wasser hilft dabei eine freie Sicht auf die Strecke zu haben. Wir kämpften uns aus Sfax raus und dann ging es über die Autobahn nach Norden. 90min brauchten wir bis zur Stelle. Am Schluss wieder über irgendwelche komischen Nebenstrassen. Unterwegs gab es noch einen kurzen Stopp bei einer Raststätte für die wichtigsten Besorgungen. Unser Vorrat ist nämlich schon wieder etwas begrenzt, gegen das Ende des Urlaubs will ich es auch hoffen ;).
Wir trafen um 12:14 Uhr ein in der Ecke. Und 2min später sollte ein Zug nach Monastir vorbeikommen. Das reichte ja gerade noch so? Ja, auch weil er die übliche kleine Verspätung hatte, und stehen kann man tatsächlich praktisch direkt beim Auto, nur eine stark befahrene Hauptstrasse trennte uns davon #renntumeuerleben.

Sprung nach Norden. Wir sind an der «S-Bahn Monastir» bei Sahline. Die S-Bahn führt von Mahdia nach Sousse und wird im dichten Takg (bis 30min) bedient. Die Strecke ist elektrifiziert und der Hauptverkehr wird mit diesen modernen Hyundai Rotem Triebwagen bedient.

Wollen wir nochmal einen Zug hier? Es war natürlich eine Hyundai-Rotem Kiste aus Südkorea und kein alter E-Triebwagen, die es wohl hier auch noch geben soll. Also komm, einen warten wir noch ab. Dauerte ja eh bloss 15min. Diesen fotografierten wir etwas querer von der Hauptstrasse aus.

Und noch die andere Richtung mit einem Gegenzug.

Dann liessen wir es aber auch mal gut sein, wir wollen hier in der Stadt ja keine Ordnungshüter auf uns aufmerksam machen! Ausserdem hatten wir auch schon das nächste Ziel vor Augen. Es ist wieder mal die nördliche Schmalspurstrecke nach Westen. Die Dient uns immer prima als Lückenfüller :-).
Da wären wir pünktlich bei Pont Fahs für den Triebwagen nach Tunis und für den Lokbespannten von Tunis. Und auch der Lokbespannte nach Tunis müsste dann noch kommen, auch wenn der Lichttechnisch natürlich unterirdisch ist. Wir fuhren über bereits ausgetrampelte Pfade nach Norden und dann nach Westen. Wir kennen die Strecke langsam. War jetzt schon das ... 4 mal? :-)
Bei El Aroussa hatten wir noch ein Motiv im Kopf, eine Brücke die jetzt prima Licht haben sollte. Nach wiederum ca. 90min Fahrt waren wir dann da. Man konnte so halb gut stehen, aber die Hebebühne hatten wir dummerweise gerade nicht dabei. Wir standen dabei am Rande eines Feldes und wurden mal wieder von einer Hirtin argwöhnisch beäugt. „Wieder mal“? Vielleicht tue ich den Tunesiern jetzt unrecht, aber der Paranoilalevel ist seit gestern Abend etwas angestiegen.
Erst kam der Triebwagen von hinten und dann 30min später auch der Lokbespannte Zug von vorne. Lok falsch herum. Auf die Strecke war doch eigentlich immer ein bisschen Verlass bisher.

Eine bekannte Ecke bei El Aroussa. Die Strecke ist jene von Tunis nach Gaafour. Und der Zug, es ist DC 6/66 von Dahmani nach Tunis. Die letzten male war es immer ein Franzosen Triebwagen, die gibt’s aber auch in Chinesisch auf der Meterspur.

Der Triebwagen war ja nett, aber so eine Lok, auch wenn falsch herum, nehmen wir dann lieber. Es ist DC6/65 nach Dahmani.

Wir machten einen letzten Wechsel heute, der Lokbespannte nach Norden kreuzt in Gaafour mit dem Südfahrer, wäre also ca. 20min weit weg. Auch wenn uns die Verspätungsmeldung etwas anderes suggerieren wollte, die 10min vom Gegenzug muss er mitnehmen, ausser man kreuzt auf offener Strecke. Aber das dürfte noch schwierig werden.
Direkt hinterm Eck gab es eine schöne freie Fläche mit viel Seite. Der Zug dürfte da etwas glänzen. Tat er auch, mit der Lok falsch herum. Grummel?

Und im Gegenlicht das letzte Bild, es ist diesmal der DC 6/76 von Kalaa Khasba nach Tunis. Wieder mit der Lok falsch rum. Es ist ewig her seit wir eine Lok richtig rum fotografiert haben … grummel.


Und dann: Hotel. Wo denn? Die Frage schoben wir mal wieder ganz lange vor uns her. Vor allem weil sie eng damit verknüpft war, was wir morgen vor dem Abflug noch machen wollen. Wir einigten uns dann auf Tunis. Morgen nochmal hier? Neeein. Sondern an der Normalspur um Jedeida, da wo die Strecken nach Beja und Bizerte getrennt werden. Da wäre noch etwas Verkehr, und man wäre relativ nahe an Tunis dran um dann morgen ohne Risiko zum Flughafen zu kommen.
Wir buchten in der Regancy am nördlichen Stradtrand. War zwar noch 2h Fahrerei, aber dafür wäre es etwas „gescheites“. Das bekannte Hotel Tuga welches näher gewesen wäre ... näääh, darauf hatten wir irgendwie keine Lust (vor allem wegen dem Essen).
Also ging es quer aller Hauptverkehrsachsen zum Hotel. Dabei nochmal durch das schönste was Tunesien zu bieten hat – die Hügel. Die Landschaft glänzte in der letzten Sonne des Tages und es war einfach herrlich durch die Landschaft zu gleiten. Bis die sehr gut ausgebaute Strasse erst zu einem gut asphaltierten Weg und dann zu einem nur mässig asphaltierten Feldweg wurde. Aber ein Hügelzug weiter gings dann wieder breit und sauber weiter. Der Zustand könnte auch der nicht vorhandene Gegenverkehr erklären.
Per Zufall (würkli!) kamen wir auch noch am Zielgebiet von morgen früh vorbei, da nahmen wir noch einen kleinen Schlenker mit um uns schonmal geistig auf die Stellen vorbereiten zu können.
Der Tag sollte mit einem Lokbespannten aus Beja starten, dann ist etwas Bizerte Verkehr und dann noch der Triebwagen nach Beja. Vor allem die Bizerte Strecke war da wirklich gar nicht unschön, zwar in der Fläche, aber wir fanden etwas nettes. Wurde alles vorgemerkt für morgen.
Durch das doch viele tüdeln wurde es dann noch für 30min dunkel bis wir am Hotel waren. Das war so halben gut, denn in der Nacht sind alle Tunesier dunkel, egal ob zu Fuss, zu Pferd oder in einem Auto.
Das Hotel ist wieder mal ... eine Klasse über dem was wir uns vorgestellt haben. 5 Sterne, wohlwahr. Wieder das Prozedere – Auto Kontrolle an der Einfahrt. Dann war in der Lobby eine Beautymesse ... alles wunderbar für unsere ausgetrocknete Haut. Wir kämpften uns durchs Angebot und liessen uns verwöhnen. Äh nein, das war jetzt gelogen :-). Die Messe war zwar da, aber wir entsprachen wohl nicht soooo dem Zielpublikum, was auch OK war.
An der Rezeption war ich vorsichtiger als auch schon, und ich wiederholte den Wunsch nach einem 2-Bett Zimmer. Ui, das brachte sie ins Grübeln. Wir sollten ein Upgrade auf eine Junior Suite bekommen, da gibt es zwar nur ein Bett, dafür aber eine riesiges, und man würde eine zweite Garnitur organisieren.
Wir irrten dann kurz durch die Gänge bis wir das Zimmer fanden. Das Hotel ist einfach zu Gross. Es gibt auch gleich 4 Restaurants. Japanisch, Thai, Tunesisch und ein Buffet mit International and Tunesian Cuisine. Wir schmissen das Zeug in die Wohnung und widmeten uns dem Buffet. Dafür dass gar nicht so viel los war, war es erstaunlich lecker!
Zurück in der Wohnung der Blick ins Schlafzimmer, da liegt noch immer nur ein Bettlacken. Gubi ging sogleich zu Rezeption und kam dann 5min später zurück. Nein, keine zweite Garnitur, ein zweites Bett :-). Dies hat man im Wohnzimmer aufgebaut, da hatten wir gar nicht nachgeschaut nach dem Essen. Er muss die Madame an der Rezeption ziemlich verwirrt haben – denn Sie hatte die Info es sei erledigt, er sagte aber es sei nicht erledigt. Sorry gäll! So durfte Gubi im Wohnzimmer übernachten, ich im Schlafzimmer. Und immer wenn man aufs Klo geht --> Schuhe anziehen. Da dringt nämlich Wasser aus der Wand wenn man die Klospühlung betätigt. Soviel zum Thema 5***** ;).
Der Wecker steht auf 6 Uhr, wir wollen um halb 7 los, damit wir um halb 8 an der angedachten Stelle sind. Bissle Puffer schadet ja nicht.

[hr]
Samstag 29. Februar 2020 / Gammarth - Schweiz
Was wir gestern zu spät raus sind, war es mit heute zu Früh. Aber man kann ja nix ändern. Also trotteten wir nach dem letztmaligen Zusammenräumen unseres Krempels hier in Tunesien zur Rezeption. Ein Teil bezahlten wir Bar – wir müssen unser Cash noch loswerden – ein Teil mit Karte. Etwas Cash hatten wir nun noch fürs Tanken und vielleicht fürs Einkaufen ... und vielleicht eine Busse oder so ;).
Das Auto war mit Tau belegt und Nass. Auf dem Weg nach Jedeida hatte es auch immer mal wieder Nebel. Wir sind nicht mehr im trockenen Süden und landesinnern, wir merken es gerade. Durch die Strassen ging es heute früh ultra entspannt, kaum jemand war unterwegs. So wenig, dass Gubi gleich mal beim Navigieren versagte und mich in die falsche Richtung schickte. Aber wir hatten ja Zeitpuffer genug.
Weniger erfreulich war dann die Situation der Eisenbahn. Die Züge nach Bizerte haben heute allesamt Ausfall meinte die SNCFT. Das machte unseren Plan natürlich etwas kaputt, und das war echt Schade für die Stelle die wir gesehen haben! Aber lassen wir uns nicht beirren. Wir starteten wir geplant mit dem Lokbespannten Zug der mit nur 10min Verspätung fast pünktlich in Jedeida einlief. Auch hier war keine M41 dran, was dann meine allerletzten kleinen Hoffnungen zunichte machten so eine Lok mal noch zu sehen hier in Tunesien.

Der frühe Morgen. Der Programmpunkt Nr. 1 war der DC8 von Ghardimaou nach Tunis – auf der Normalspur. Wir sind bei Jedeida, deshalb gab es bereits etwas Sonne auf den Zug, denn Tunis ist nur noch 45min weit entfernt.

Da wir jetzt nach nicht an die Strecke nach Norden konnten hatten wir mehr Zeit für den Triebwagen nach Beja. Dafür fuhren wir raus aus der Ebene zu den Hügeln bei Oued Zarga. Da ginge bestimmt etwas, auch wenn wir uns mit exakt dieser Ecke noch nie auseinandergesetzt hatten. Einen Kringel war auf der Karte aber drin. Für eine Abendstelle die wir mal aus dem Auto gesehen haben. Es war aber nicht Abend sondern Vormittag. Und die Gegenseite, nein, die ging so irgendwie gar nicht. Also stellten wir uns am Schluss auf einem Feldweg in den Schatten und warteten an einer ganz passablen Stelle auf den Triebwagen. Um ca. 11 Uhr wäre die Zeit für uns gekommen.
Wir sassen gemütlichst im Auto, ich begann endlich mal mit meinem Buch, als es irgendwann hornte. Das war nicht der Schäfer mit seiner Herde vor den Gleisen, sondern ein Zug. Sogar aus der richtigen Richtung. Wohl die gelbe Gefahr? Es tauchte und tauchte nichts auf, nur das Hupen wurde stetig lauter. Es kam dann ein Güterzug, wieder mit Getreidewagen wie wir sie am allerersten Tag hier auf der Strecke bereits einmal gesehen hatten. Schade war die Lok falsch herum ... hahha! :-)

Und dann wollten wir uns eigentlich um die Bizerte Züge kümmern, aber das ging dann mal nicht, weil die hatten alle Ausfall heute. So sind wir halt an die Normalspur vor Oued Zarga in die Hügel. Und noch vor dem Triebwagen – dem letzten Zug im Plan in diesem Urlaub – kam sogar noch ein Güterzug mit einer 060-DN (falsch herum --- aarg).

Die Zeit bis zum Triebwagen war dann wieder gemütlich. Und die Kiste schlich sich derart leise an, dass mein eigentlicher Hauptschuss gar nicht mehr richtig klappte. Das machte mich dann ein bisschen Stinkig. Da wird man beim letzten Bild noch unaufmerksam. Aber das soll es jetzt nicht ins schlechte Licht rücken .. wir hatten viel gemacht hier, sehr viel schönes.

Der Zug Premium9 war dann gewohnt ein Chinese, immerhin die hübsche Garnitur. Er kam aber so leise, dass der «Hauptschuss» von vorne gar nicht mehr klappte, dann halt der Nachschuss.

Und dann ab zum Flughafen. Wir wären um 13 Uhr da, und um 15 Uhr soll das Boarding beginnen für den TU601 nach Zürich. Reserve war so schon ordentlich drin.
Wir schmissen uns auf die Autobahn und durchquerten Tunis über eine Hauptstrasse. Getankt wurde noch eben und schon waren wir im Stau vor dem Flughafen. Einmal drehen wegen der Baustelle ... und wo müssen wir rein ... und achja hier ... und wo war nochmal Europcar? Alles easy heute! Beim P3 war Europcar und als wir ran sind stand da sogar Monsieur Europcar. Unser Auto gefiel ihm aber gar nicht, dass sei ja dreckig! Achnein ... echt, ein Auto das man zwei Wochen benutzt ist NICHT mehr sauber? Also gut, heute früh habe ich echt noch daran gearbeitet, ein Feldweg wurde ständig von einem Bewässerungssystem eingenässt und die Durchfahrt war ziemlich schlammig. Seit da sieht das Auto echt scheisse aus :-).
Es würde 120 Dinar Kosten, klar ... HAHA. Wir sollen es aber doch draussen in der Stadt machen, da kostet das waschen nur 40 Dinar. Und schon diese Zahl war irgendwie komplett aus der Luft gegriffen. Auto Waschen bei einem der vielen Anbieter, vielleicht 5 Dinar, wenn überhaupt? Aber um nochmal raus zu fahren hatten wir keine Lust, also so gar nicht. Also gaben wir dem Monsieur ein paar Dinar und er soll doch das Auto selber waschen. Was er dann – oh wunder – auch sofort machen wollte. Ich tippe mal stark auf eine Masche. Dem Büro wird es egal sein wie das Auto aussieht, aber mit seiner Drohung von 120 Dinar und dem günstigeren Preis *augenzwinker kriegt er wohl fast jeden Touristen rum.
Uns waren die 10 Kröten das Diskutieren nicht Wert. Das Auto sah eh nicht mehr gut aus.

Also rein, hinein ins Chaos?! Ging eigentlich, den Check-In fanden wir schnell nach der Eingangsdurchleuchtung. Die Koffer waren weg, und wir gingen Essen. Club&Bar Sport Burger. Das Konzept gibt es auch der ganzen Welt, und auf der ganzen Welt zieht es uns auch irgendwie immer wieder an :-). Aber Burger gabs nicht, obwohl serviert wurden vor unserer Nase. Dann halt Pasta. Der Schuppen war nicht schlecht, aber etwas suspekt. Auch Kartenzahlung ging nicht – am Flughafen – bei einem Lokal das definitiv International sein will. Mhm. Also musste Gubi nochmal ein paar Scheine aus einem Automaten lassen, denn soooo viel Cash hatten wir nach dem Putz-Verarsche auch nicht mehr übrig.
Und dann Passkontrolle – Siko. Dauerte alles ca. 30min und es war gerade 15 Uhr als wir hinten ausgespuckt wurde. Boardingtime.
Mein Französisch ist ja jetzt nicht perle, aber Retard verstehe ich, das heisst Verspätung. Und die Zeit kann ich auch lesen, ich weiss was 18 Uhr bedeutet. Jetzt stand da bei unserem Züri Flug nämlich genau das. Draussen stand das nie. Na wie Nett!
So sitzen wir jetzt beim Gate 57, der Flieger nach Misrata hat gerade gebordet und es ist 16:13 Uhr. Auch fast nur noch eine Stunde bis boarding. Die Zeit vergeht ja ganz gut ... und mein Buch ist auch erst halb fertig (zum Glück habe ich das nicht schon früher begonnen, dann wäre ich schon lange durch ;)).

Das Boarding startete «pünktlich» … und wir schmissen uns in den Flieger von Tunis Air. Das Buch war bei der Landung in Zürich fast fertig, ich beendete es dann in der S-Bahn nach Uster.