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Zu Gast bei den Motivbergen

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Um das Geschäft nach Corona etwas anzukurbeln, schenkt die Gornergratbahn allen, die während dem Corona-Lockdown Geburtstag hatten, ein Ticket aufs Gornergrat. Da die Bahn hinauf zur 3089m ü. M gelegenen Bergstation einige sehr gute Motive mit einer sehr eindrücklichen Bergkulisse bietet, war für mich von Anfang an klar, dass man dieses Angebot nutzen muss. Was es nun noch brauchte, war ein Tag mit schönem Wetter. Dieser schien am 31. Juli gefunden. Schliesslich vermeldeten die Wetterfrösche für diesen Tag kaum Quellbewölkung und ein geringes Gewitterrisiko. Ein kleines Problem waren einzig die Wolken vom Vortag. Diese würden sich aber auflösen, hiess es am Radio. Auf der Reise nach Zermatt waren diese Restwolken teilweise noch recht verbreitet. Gerade der Blick ins Mattertal war jedoch kaum von Wolken vernebelt. Und das Matterhorn? Nun, als ich gegen 8:30 Uhr in Zermatt einfuhr, hatte das Horu noch eine Kappe auf. Bereits bei der Bergfahrt auf die Riffelalp, schien sich diese Kappe jedoch aufzulösen. Einmal an der Strecke war der Motivberg dann wolkenfrei. Wie ich sehr schnell feststellte, waren bei der Standardstelle oberhalb der Riffelalp weniger die Wolken das Problem, als vielmehr die Bäume. Diese sind in den letzten Jahren allmählich ins Motiv gewachse. So dass der eigentliche Standardschuss nicht mehr möglich ist. Entmutigen liess ich mich von dieser Tatsache jedoch nicht. So stand ich erst einmal ans Gleis und lichtet einen Talfahrer ab. Dieser war gebildet aus Bhe 4/6 3081 und einem Bhe 4/8 II. Wie sich während dem Tag herausstellte, sind diese gemischten Komposition aktuell die Standardzüge auf der GGB.
Bhe 4/6 3081 der GGB zwischen Riffelalp und Riffelberg


Da ich mit dieser Perspektive nicht restlos zufrieden war, entschied ich mich etwas höher zu steigen, um noch etwas mehr vom Panorama zu haben. Kaum an der Stelle angekommen, begann es schon zu rumpeln. Obwohl der Fahrplan keinen Zug vorsah, verriet ein Blick auf den nahen Riffelboden, dass gerade ein Dienstzug mit Xhe 2/4 3017 ins Tal fuhr.
XHe 2/4 3017 der GGB zwischen Riffelalp und Riffelberg


Rund 20 Minuen später folgte ihm der Regelzug mit einem Bhe 4/6 und einem Bhe 4/8 II.
Bhe 4/6 der GGB zwischen Riffelalp und Riffelberg


Wie erhofft zeigt sich auf diesen Bildern ein sehr gutes Panorama. Dieses wir eingerahmt vom Matterhorn (4478 m ü. M) auf der linken Seite und dem Dent Blanche (4357 m ü. M.) am rechten Bildrand. Rechts neben dem Matterhorn ist der Tiefmattengletscher zu erkennen. Er vereinigt sich mit zwei Nebenarmen zum Zmuttgletscher. Aus diesem fliesst der Zmuttbach, der oberhalb des Dorfes Zmutt (man erkennt es knapp über der Front des Zuges) gestaut wird.
Zufrieden mit dieser Einstellung ging es für den Bergfahrer wieder näher an die Strecke. Hier wollte ich nochmals den ehemaligen Standardschuss probieren. Wer die Stelle kennt, wird feststellen, dass die Lärchen links neben der Bahn extrem gewachsen sind, so dass man die Aufnahme, wie man sie von früheren Jahren her kennt, nicht mehr so gut umsetzen kann.
Bhe 4/6 3081 der GGB zwischen Riffelalp und Riffelberg


Für den nächsten Talfahrer ging es nochmals in die Höhe. Wie man unschwer erkennt, stand ich diesmal nicht ganz so hoch, weshalb Stausee und Zmutt nicht mehr zu erkennen sind.
Bhe 4/6 der GGB zwischen Riffelalp und Riffelberg


Da die Züge im 35-Minuten-Takt aufs Gornergrat fahren, hatte ich zwischen den Zügen kleinere Pausen, die ich nutzte um das Internet nach Bildern der Riffelalpstelle zu durchforsten. Die Bilder von Kollege Hürzeler, zeigten mir dabei, dass man etwas näher dran doch noch besser stehen konnte. Diese Einstellung wollte ich als letzte auf der Riffelalp umsetzen. Kaum an der Stelle, hatte ich wieder einmal Glück: Noch einmal kam ein Diestzug. Diesmal war es Dhe 2/4 3015 mit einem leeren Flachwagen. Wer das Bild genau betrachtet wird merken, dass dem Fahrzeug die Türen fehlen. Diese sind, in Form grosser Gepäcktore, nur auf der anderen Fahrzeugseite angebracht. Wie der Xhe 2/4 3017 entstand auch der Dhe 2/4 3015 beim Umbau eines Bhe 2/4. Von diesen Triebwagen besass die GGB einst 12 Stück. Die genannten zwei wurden zu einem Dienst- bzw. Gepäcktriebwagen umgebaut. Vier Originaltriebwagen werden derzeit noch betriebsfähig gehalten. Ihre Tage sind wohl nach der Auslieferung der neue Polaris Triebwagen endgültig gezählt. Die restlichen Fahrzeuge sind bereits ausgemustert.
Dhe 4/4 3015 der GGB zwischen Riffelalp und Riffelberg


Kaum war der Dienstzug durch wurde es gleich nochmals interessant. So wurde der nächste Bergfahrer doppeltgeführt. Der hintere Zug war dabei aus zwei Bhe 4/8 I gebildet.
Bhe 4/8 3042 der GGB zwischen Riffelalp und Riffelberg


Wenig Neues brachte der talwärts fahrende Zug. Hier kam das Doppel mit Bhe 4/6 3081. Diesen Zug hatte ich bereits bei der Tal-, wie auch bei der Bergfahrt abgelichtet. Nun hatte er also eine «Runde» gemacht und kam knapp zwei Stunden nach dem ersten Foto noch einmal auf der Talfahrt vorbei.
Bhe 4/6 3081 der GGB zwischen Riffelalp und Riffelberg


Zufrieden mit dem Morgen lief ich via dem Hotel zurück zur Station Riffelalp. Wie ich dabei feststellte, war das Tram beim Hotel in einer Garage eingestellt. So, dass ich davon ausgehen konnte, dass es an diesem Tag nicht zwischen Station und Hotel fuhr. Bei der Station angekommen, stellte sich heraus, dass der Zug wegen einer Weichenstörung Verspätung hatte. Rund zehn Minuten später als geplant sass ich dann doch noch im Bhe 4/6, der mich hoch aufs Grat brachte. Ein Blick zurück sollte Aufschluss geben, ob auch dieser Zug doppelt geführt wurde. Da kein zweiter Zug zu erkennen war, ging ich davon aus, dass der letzte eine Ausnahme war. Auf 3000 Metern angekommen, gab es ein kleineres Gedränge. Schliesslich warteten einige Talgänger schon sehnsüchtig auf den verspäteten Zug. Da der nächste Zug ja noch rund 30 Minuten weg war, liess mich dieses Gedränge jedoch kalt. Wie sich schnell herausstellte, wurde aber auch mein Zug doppelt geführt. Auf Grund der Weichenstörung im Findelbach hatte der hintere Zug einfach ein bisschen mehr Abstand. Dies erlaubte mir den einzelfahrenden Bhe 4/8 I 3041 bei der Ein- und Ausfahrt auf dem Gornergrat zu erlegen.
Bhe 4/8 3041 der GGB in Gornergrat


Bhe 4/8 3041 der GGB in Gornergrat


Wie man unschwer erkennt, sind bei unserem Panorama mit Matterhorn und Dent Blanche nun weitere Berge dazugekommen. Konkret sind dies das Obergabelhorn (4063 m ü. M.) zusammen mit seiner kleinen Schwester der Wellenkuppe (3903 m. ü. M.) und dem Zinalrothorn (4221 m ü. M.), das sich oberhalb der Triebwagenfront befindet. Wie auf dem zweiten Bild zu erkennen ist, gab es einige Leute, die vom Gornergrat runter in Richtung Rothenboden gewandert sind. Dies war auch mein Plan. Selbstverständlich immer mit der Absicht weitere Bilder zu machen. So durften sich diesmal die bergseitigen Bhe 4/8 II vor der Kulisse von Matterhorn, Dent Blanche und Gabelhorn in Szene setzen.
Bhe 4/8 II der GGB zwischen Gornergrat und Rotenboden


Bhe 4/8 II 3054 der GGB zwischen Gornergrat und Rotenboden


Natürlich durfte in der Zugpause auch ein Blick in die Bergwelt nicht fehlen. So entstand das folgende Bild, dass links das Klein Matterhorn (3883m ü. M.) mit seinem grossen Bruder am rechten Bildrand zeigt.
Panoramabild mit dem Klein und Gross Matterhorn.


Gut zu erkennen ist, dass das Klein Matterhorn über eine Seilbahn erreichbar ist. Diese führt seit 1979 vom Trockenen Steg (Station über dem roten Felsen zu erkennen) hinauf zum Gipfel des kleinen Matterhorns, von welchem aus man das ganze Jahr Skifahren kann. Neben der alten Pendelbahn gibt es seit dem Jahr 2018 auch noch eine 3S-Bahn. Wer das Bild auf seine volle Grösse vergrössert, erkennt zwei Gondeln dieser Bahn vor dem Theodulgletscher, der sich rechts vom Klein Matterhorn befindet. Etwas weiter im Vordergrund zeigt das Bild den Riffelsee und das danebenliegende Riffelhorn, das in der Folge dieses Berichts noch eine Rolle spielen wird.

Mit Blick auf die Strecke kündigte sich der nächste Zug an. Diesmal ist sehr schön zu sehen, wie sich die Bahn vom Rothenboden, wo sich der Riffelsee befindet, den Berg hinauf schlängelt. Das Panorama zeigt die bekannten Gipfel vom Matter- zum Obergabelhorn.
Bhe 4/8 II der GGB zwischen Gornergrat und Rotenboden


Mit einem schwenk nach rechts, wird das Bild linkerhand vom Steinbockhorn, wie der Dent Blanche auch genannt wird, begrenzt. Nach den bekannten Obergabelhorn und Zinalrothorn folgt am rechten Bildrand das Weisshorn (4505 m ü. M).
Bhe 4/8 II der GGB zwischen Gornergrat und Rotenboden


Neben schönen Panoramaaufnahmen, bietet sich auf diesem Streckenabschnitt aber auch die Möglichkeit die Züge von etwas Näherem aufzunehmen. Kaum am Gleis kam auch schon der nächste Dienstzug in Form von Bhe 4/4 3061. Die etwas abgeschnittene Front dieses Triebwagens kommt daher, dass er normalerweise mit Steuerwagen unterwegs ist. An diesem Tag sollte er jedoch einen Güterwagen auf dem Gornergrat holen.
Bhe 4/4 3061 der GGB zwischen Gornergrat und Rotenboden


Gleich nach dem Bhe 4/4 fuhr der Regelzug zu Tal. Ich zeige an dieser Stelle bewusst den Nachschuss, weil der Zug auf dem hinteren Gleis besser ins Motiv passt.
Bhe 4/8 II 3052 der GGB zwischen Gornergrat und Rotenboden


Da ich eine Rückfahrt des Bhe 4/4 3061 erwartete, wechselte ich nun die Richtung, so dass ich ihn rund 30 Minuten später mit einem Güterwagen ablichten konnte. Der Güterwagen stammt übrigens von der MGB. Der Austausch solcher Wagen findet in Zermatt statt, wo die Bahnhöfe von MGB und GGB mit einem Gleisanschluss verbunden sind.
Bhe 4/4 3061 der GGB zwischen Gornergrat und Rotenboden


Beim Blick aufs Bild zeigte sich, dass diese Stelle für einen Portraitschuss eines seltenen Fahrzeuges durch aus taugte. Landschaftlich war sich jedoch wenig prickelnd. Interessanter schien da der Gedanke sich aufs Riffelhorn zu stellen. Wer sich ans Bild mit dem Klein Matterhorn erinnert, wird bestimmt gesehen haben, dass der vordere Teil des Riffelhorns nicht sehr steil ist. Über Trampelpfade kann man in diesem Teil sehr schnell an Höhe gewinnen, so dass die Bahn am Gegenhang doch noch ins richtige Licht gesetzt werden kann. An der Stelle angekommen war jedoch erst einmal Zugpause. Grund genug um noch einmal den Blick zu schweifen. Diesmal auf das Monte-Rosa-Massiv. Der Grat des Monte Rosa zeigt zwei kleine Erhebungen. Auf der linken Seite ist das Nordend (4609 m ü. M.) etwas von einer Quellwolke vernebelt. Rechts daneben erhebt sich die Dufourspitze. Mit 4634 m ü. M. markiert sie den höchsten Punkt der Schweiz. Neben den beiden Gipfeln des Mont Blanc rangiert die Dufourspitze ebenfalls als dritthöchste Erhebung der Alpen. Neben dem Mote Rosa versteckt sich hinter dem Felsen des Riffelhorns auch noch der Liskamm, dessen Ostgipfel eine Höhe von 4533 m ü. M erreicht.
Der Monte Rosa vom Riffelhorn aus gesehen


Mit 3135 Metern nicht ganz so hoch ist das Gornergrat, dessen Berghotel wir auf dem nächsten Bild sehen. Der Zug der Gornergratbahn ist bereits auf den Rothenboden abgestiegen. Links vom Gornergrat sehen wir zwei weitere 4000er. Relativ markant zeigt sich das Rimpfischhorn (4199 m ü. M.), währenddem das Allalinhorn (4027 m ü. M.) links daneben gerade mit den Quellwolken kämpft.
Bhe 4/8 II der GGB zwischen Gornergrat und Rotenboden


Nachdem der Zug die Station Rothenboden durchfahren hat, schwenkte ich die Kamera nach links. Das Panorama zeigt von rechts den Alphubel (4206 m ü. M.), das Täschhorn (4491 m ü. M.), den Dom (4545 m ü. M.), das Hohberghorn (4219 m ü. M.) und das Dürrenhorn (4035 m ü. M.). Der bekannteste dieser vier Gipfel ist der Dom, der die höchste Erhebung darstellt, die vollständig in der Schweiz liegt.
Bhe 4/8 II der GGB zwischen Riffelberg und Rotenboden


Bevor es für mich zurück zum Rothenboden ging, wagte ich noch einmal einen Blick zum Monte Rosa. Diesmal mit etwas mehr Panorama. So dass neben dem Monte Rosa auch das Gornergrat und der Liskamm erkennbar sind. Ebenfalls zu erkennen sind der Gornergletscher links und der Grenzgletscher rechts. Eigentlich gehört der Grenzgletscher zum System des Gornergletschers. Da dieser in den letzten Jahren in Folge des Klimawandels jedoch stark zurückgegangen ist, findet die Vereinigung unterhalb des Monte Rosa nun nicht mehr statt. Ebenfalls auf dem Bild zu erkennen ist die futuristisch anmutende Monte-Rosa-Hütte, die 2009 eröffnet wurde und als Basislager für die Besteigung der umliegenden 4000er dient. Wer das Bild in voller Grösse betrachtet, wird die Hütte in der Hälfte der imaginären Linie zwischen Dufourspitze und Moränenbogen finden.
Panorama mit Gornergrat, Monte Rosa und Liskamm


Zurück auf dem Rothenboden, entschied ich mich die Wanderung in Richtung Riffelberg fortzusetzen. Unmittelbar unter der Station Rothenboden entstanden dabei zwei weitere Aufnahmen mit Nordend und Dufourspitze im Hintergrund.
Bhe 4/6 3084 der GGB zwischen Riffelberg und Rotenboden


Bhe 4/6 der GGB zwischen Riffelberg und Rotenboden


Kurz vor der Station Riffelberg sollten die beiden letzten Aufnahmen des Tages entstehen. Sie zeigen den Blick ins Mattertal. Sehr markant zeigt sich auf der linken Talseite das Weisshorn, während rechterhand (v.l.n.r.) Dürrenhorn, Hohberghorn, Dom und Täschhorn zu sehen sind.

Bhe 4/8 II 3052 der GGB zwischen Riffelberg und Rotenboden


Bhe 4/8 II 3052 der GGB zwischen Riffelberg und Rotenboden


Da die Bahn den Fahrplan nach 17:30 Uhr ausdünnt und mir noch eine längere Heimreise bevorstand, entschied ich mich die Segel nach diesen Bildern zu streichen und mit dem 17:44 Uhr Zug ins Tal zu fahren.