Spätsommer in Finnland (1/8)

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Prolog

Noch längst nicht wieder normal ist das Leben in diesem 2021, bestimmt doch das Wort mit „C“, neben anderen Katastrophen und Unglücken, den Tagesablauf der Menschen. Sind Worte wie „Angst ums berufliche Überleben“ auch bei mir präsent und haben für so manch schlaflose Nacht gesorgt. Gilt es sich gefühlt täglich mit neuen Verordnungen, Einschränkungen, Lockerungen oder dem Verwalten von Verlorenem zu beschäftigen. Spaltet sich die Gesellschaft zusehends mehr.

Was bedeutet da eine erfolgreiche Eisenbahntour mit vielen schönen Bildern? Nichts, und doch gleichwohl so unendlich viel. Nach einem Jahr, fast durchgehendem Rödelns, bei dem unter dem Strich mehr als einmal nur eine rote 0 und Enttäuschung zurückgeblieben ist, brauche, ich endlich Zeit, Muse und Abstand zu all den Zahlen und Verpflichtungen.

Nur das wann und wohin, und auch das mit wem, ist gar nicht so leicht zu klären. Ziele in der weiten Welt scheiden naturgemäß auch heuer wieder aus. Also keine Atacama, keine Gobi, keine Savanne. Bleibe im Lande, oder wahlweise in Europa, und nähre die redlich. Auf den Nenner dieser alten, etwas angepassten Volksweisheit kann man es bringen. Doch auch hier muss man möglichst kurzfristig auf Veränderungen in den Reisebestimmungen reagieren können, also scheiden lange Vorplanungen aus. Spontanität heißt das Zauberwort.

Problematisch auch die Abstimmung der Reise-, sprich Urlaubszeiten. Da es nicht die ganz große Sommertour wird ist klar, dass jeder der reisebewährten Dreierbande den Urlaub so taktet, wie es für ihn am besten ist. Genauso klar ist aber auch, dass wir auf jeden Fall, und wenn es nur ein paar Tage sind, etwas gemeinsam machen wollen. Nach über einem Jahr endlich mal wieder sehen, miteinander touren, quatschen, zanken und abends, nach erfolgreicher Jagd, ein Bierchen zischen.

Vorab geisterten schon einige potentielle Ziele durch den virtuellen Raum. Balkan/Koratien/Slowenien? Ja, ganz nett. Obwohl, da fahren gefühlt heuer alle hin. Spanien/Portugal? Geht eigentlich immer. Frankreich? Im Sommer wohl eher eine ruhige, eine eher zu ruhige Veranstaltung. Tschechien/Slowakei? Hm. Finnland? Halt, Finnland! Irgendwie hat das einen gewissen Glanz. Warum? Kann ich jetzt nicht sagen. Und auch mit genauerem darüber nachdenken kann ich es nicht. Vor vier Jahren war ich schon mal da und hab eigentlich ganz nett abgeräumt. Mal überlegen, was gäb’s denn da noch? Eine Reihe von Aufnahmen von Sr1 und Sm2 hab ich. Sr3 dagegen noch nicht mal gesehen. Nice to have, aber deswegen extra rauffahren? Dv12 und Dr14 gibt’s auch auf der Speicherplatte. Dazu jede Menge Sm3. Also was zieht mich?

Gut, definitiv die Landschaft. Die automatische Entschleunigung, sobald man sich genüsslich crusend mit 80 km/h in die endlosen finnischen Wald- und Seengebiete begibt. Schön und gut, aber eisenbahntechnisch? Naja, da waren doch noch die Einsätze der Sm2 rund um Kouvola. Wird wohl auch nicht mehr unendlich lang gehen. Und von den Sm5 rund um Helsinki hab ich nun noch überhaupt kein Bild. Ebenso von den Dieseltriebwagen der Reihe Dm12. Ganz zu schweigen von den Dr16 hoch im Norden. Dann vielleicht noch ein paar Sr1 mehr, der Sicherheit wegen, wenn die doch schneller aus dem Dienst gehen als gedacht. Auch RZD-Maschinen wären nicht schlecht. Und was ist mit den 6-achser Dieseln von Operail, die jetzt am Laufen sind? Und …. und …. und …. und schon sind es wieder viel zu viele Ziele für die paar Tage Zeit!

Also: Finnland!!!


Freitag, 20.08.2021

Mensch, über zwei Jahre ist das jetzt schon her, dass ich das letzte Mal geflogen bin. Ob ich noch weiß, wie das geht? Also natürlich nicht das Fliegen selbst. Schließlich flieg ja nicht ich, sondern ich lasse fliegen. Nein, ich mein, die ganze Prozedur davor. *grins* Einchecken klappt schon mal problemlos. Und auch schnell. Liegt wohl daran, dass ich nicht Schlange stehen muss. Kein Wunder, ich flieg nämlich heute Büssinäss! Jawohl! Buisiness! Das allererste Mal in meinem Leben!

Warum? Weil ich’s mir leisten kann!

Also nicht, weil mich unvermittelt plötzlicher Reichtum getroffen hat, nein, sondern weil der Flug in der Economy um € 70,- teurer gewesen wäre! Soll einer die Fluggesellschaften ob ihrer Preismodelle verstehen.

Mir ist es egal, ich genieße einfach die kleinen und etwas größeren Vorteile, die es mit sich bringt. Schneller Check-In, mehr Gepäck frei als ich jemals mitbringen könnte, als aller erster im Flieger, Mittelplatz frei und, das ist vor allem angenehm und praktisch, ein Frühstück!

Doppelt gut. Nicht nur dass es spaßig ist, mal nicht aus Plastikschälchen, sondern von Porzellan zu speisen, und das in, für Flugzeug, durchaus „üppigen“ Portionen. Nein, es verschiebt auch den Zwang zur Nahrungsaufnahme später am Tag nach hinten. So bin ich flexibler und es spart nochmal Kohle.

Übrigens, auch Wein wird auf Wunsch schon zu vormittäglicher Stunde und in unbegrenzten Maßen gereicht, was auch von einigen ausgiebig in Anspruch genommen wird. So nicht zuletzt von einer weiblichen Mitfliegerin schräg vor mir. Die füllt ihre mitgebrachten Reserven mit diversen Gläsern aus der Bordverpflegung großzügig auf, um ihre unübersehbar vorhandene Flugangst zu mindern. Bereits noch während wir in München auf die Bahn rollen, tritt das erste Fläschchen aus der Handtasche den Weg zum Mund an. Ein Vorgang, der sich bei jedem Rüttler wiederholt.

Doch so ganz ausgereift scheint die Methode nicht zu sein, denn selbst nach einer Menge des prozentigen Traubensaftes, die mich um diese Tageszeit schon längst aus den Socken geworfen hätte, ist sie, als es im Landeanflug auf Helsinki das ein oder andere Schlagloch gibt, wieder extremst angespannt. Zum Glück sitzt eine Dame der Lufthansa genau hinter ihr, die sich wirklich lieb um sie kümmert. Deren Erklärung möglicher Turbulenzen bei Wetterlagen, wie wir sie im Moment draußen haben, und der Hinweis auf diverse Trainingsprogramme lenken ab, geben Sicherheit und Vertrauen.

Auch mir wird die aktuelle Wetterlage noch Probleme bereiten, dazu aber später mehr. Jetzt rollen wir erstmal aus und zum Terminal. Dort heißt es warten. Es geht nämlich nicht über den Finger nach draußen, sondern über die hintere Treppe und hinein in den Bus. Die Rundreise beginnt.

Wer schon mal da war, kann es sicher bestätigen, Helsinkis Flughafen ist nun nicht wirklich der allergrößte. Anderseits kann man ordentlich Strecke zurücklegen, muss man vom Ende des Terminal 1 zum Ende des Terminal 2 laufen, oder umgekehrt. Ein gutes Mittel, einen eher überschaubaren Hauptstadtflughafen gefühlt auf eine stattliche Größe zu bringen. Und das wissen wohl auch die Verantwortlichen hier vor Ort. Also fährt man uns erst mit dem Bus vom Terminal 1 nach 2. Dort durchlaufen der Corona-Einreisekontrolle, um anschließend per pedes wieder zurück nach 1 zum Kofferband zu streben. Anschließend mit Gepäck wieder ein Stück zurück zu den Ständen der Mietwagenfirmen, und schon hat man das Gefühl von Paris, London oder Madrid. Da freut sich der Schrittzähler.

Schnell und unkompliziert den Mietwagen über- und das süße Wort „upgrade“ vernommen, ein kurzer Sprint ins entsprechende Parkhaus und schon sitze ich in einem nagelneuen Corolla Hybrid. Nicht schlecht, auch wenn ich, trotz upgrade und Kombi mit leichtem Entsetzen an das Gepäck denke, das meine beiden späteren Mitreisenden am Montag aus dem Flughafen und gen Heckklappe schleppen werden. Könnte knapp werden. Aber mit dem Problem kann ich mich später auseinandersetzten. Jetzt ist es schon Nachmittag und ich will endlich raus und Bilder machen. Erst recht, wo draußen gerade die Sonne so schön vom skandinavischen Himmel scheint!

Das war so nämlich laut Wettervorhersage gar nicht zu erwarten. Also ist Hektik angesagt! Wer weiß wie lange die Wolken die große Leuchtmurmel noch frei walten lassen. Und so nimmt das Elend seinen Lauf.

Eigentlich wäre ich ja mittlerweile schon lange genug im „Geschäft“. Und so müsste ich doch wissen, dass es genau nichts bringt, blind loszuschießen, nur weil man Angst hat, etwas oder einen Moment zu verpassen. Erst recht, wenn man die Tage vorher, arbeitsbedingt, so keine rechte Zeit und Muße zum Planen hatte. Und so finde ich mich urplötzlich auf der Autobahn wieder, grob in Richtung Riihimäki strebend und kämpfend mit dem Navi, im verzweifelten Bemühen der guten Dame Deutsch beizubringen.

Warum gerade Riihimäki? Ganz einfach, das geht alles raus, was nach Norden muss. Zudem auch das was Richtung Osten unterwegs ist. Wenigstens der Teil, der nicht über die Neubaustrecke läuft. Einfacher Gedanke. Und soweit ja auch durchaus richtig. Wenn, ja wenn man mal davon absieht, dass mich ein Blick aus dem Flugzeugfenster nicht hätte Besseres lehren sollen. Denn von Westen drücken die Wolken rein, während, aus luftiger Höhe gut sichtbar, östlich von Helsinki, von einem mit netten Wölkchen durchsetztem Himmel die Sonne schien.

Problem nur, da in dem Zielgebiet war ich schon ausgiebig vor 4 Jahren. Zudem ist der Verkehr auf der Neubaustrecke eher „überschaubar“, jetzt, wo keine Allegro unterwegs sind. Und zwischen Lahti, vor dem sich Alt- und Neubaustrecke wieder vereinen, und Kouvola, dem heutigen Tagesziel, sind die Fotostellen nun auch nicht dicht gesät und vielfach bereits abgeklappert. Einzig logische Konsequenz daher: Riihimäki. So renne ich nun stur in mein Verderben! Und das ich mich, warum auch immer, noch nicht mal mit Julia in Verbindung gesetzt habe, ist dann noch das i-Tüpfelchen auf meinem Elend.

Hin und her überleg ich, ob ausweichen nach Osten nicht doch das bessere wäre, angesichts der immer näher rückenden Wolkengrenze. Doch nun bin ich schon so weit ab, dass das nur Zeit kosten würde. Um Schadensbegrenzung bemüht, und weiterhin plan- und julialos, flüchte ich an der nächstbesten Ausfahrt von der Schnellstraße, immerhin jetzt mal maps konsultierend und das Navi richtig programmierend. Järvenpää heißt der Ort der Wahl. Warum? Einfach nur weil er der nächste Ort ist, wo ich wieder auf die Bahn stoße.

Quälend langsam geht es über Land. Gut, ich wusste ja, dass hier keine deutschen Geschwindigkeitsrekorde gefahren werden. Aber muss man wirklich über Kilometer mit 60 km/h durch einsame Wälder schauckeln? Kennt ihr das? Wenn man mit sich selber nicht zufrieden ist und nur ein kleines Zeitfenster hat, dann kommt man gefühlt überhaupt nicht weiter. Dass dann noch das Navi und ich Kommunikationsschwierigkeiten haben, senkt meinen Blutdruck nun auch nicht gerade.

Endlich stehe ich nördlich von Järvenpää an einer ….. Stelle? Nein „Stelle“ würde ich es nicht sagen. Es ist einfach nur ein aufgelassener Bahnübergang an einer aufgelassenen Station. Aber, ich bin an der Strecke. Und nicht nur ich! Die Wolkenfront ist auch da *grmbl* und so gibt es nach dem ganzen Gemurkse auch noch ein Dunkelbild einer Sr2 mit IC nach Norden. Ich könnte k…..

Das Bild hat es nicht ins Archiv geschafft. Und ich immer noch nicht, mich mit Julia zu verbinden. Warum? Keine Ahnung, wo ich meine fünf Sinne habe. Irgendwie schwirrt nur noch ein Gedanke in meinem Kopf: „Strecke und Sonne“ .

Kurz vor Jokela dann der erste Hoffnungsschimmer. Straße neben der Bahn, Sonnenschein und ein grünes Signal. Doch kaum steh ich draußen und die Lichter des nahenden Zugs flammen am Ende der langen Gerade auf, macht es am Himmel flupp, und die ersten Ausläufer der Front lassen maximal Zehntellicht über den Gleisen erstrahlen.






HL 9687 von Helsinki asema nach Tampere asema hat gleich seinen nächsten Halt in Jokela erreicht. Geführt vom Werbe-Sm4 6315 folgen Sm4 6316, 6330 und 6306. Muss man extra darauf hinweisen, dass das Ende des Zuges noch im Sonnenlicht fährt? Ich glaube nicht! *grmbl*






Kaum ist der Zug nach hinten entschwunden, springt das Signal neben mir wieder auf Grün! Hui, vielleicht ein Güterzug und vielleicht diesmal in der Sonne? Nein, weder Sonne noch Güterzug zeigen sich. Dafür aber ein Exot, für den es sich trotzdem lohnt, auf den Auslöser zu drücken. Den Stromabnehmer im Ausleger des Mastens möchte man mir aufgrund der Umstände bitte verzeihen.





2016 wurde der Auftrag für die Inspektion des finnischen Eisenbahnnetzes an die italienische Firma Mermec übertragen. An diesem Tag ist Ttr 99 99 10 91 29001-5 zwischen Helsinki und Riihimäki auf Prüffahrt.






So die ersten Bilder sind im Kasten. Und mit der gnädigen Hilfe von Photoshop könnte man sogar noch etwas daraus machen. Aber so wirklich aus meiner sich steigernden Depression reißt mich das jetzt auch nicht. Ich will endlich, und vor allem schnell, nette Sonnenbilder. Und da es nördlich von mir etwas heller zu sein scheint, lande ich wenig später an einem Ort, den ich auch nur eingeschränkt als Stelle bezeichnen würde. Und die Informationen über mögliche Zugfahrten hole ich mir unverändert von der DB App. Ich muss ja wohl nicht mehr ganz richtig sein!?!?!? Aber immerhin, es gibt die ersten Sonnen-Bilder, äh ich meine Sonnen-Schnappschüsse, in diesem Urlaub.






Nahe Rauhasaari sind Sm4 6307 und 6312 als HL 9689 unterwegs von Helsinki nach Tampere.






Aus der Gegenrichtung jagt wenige später IC 144 vorbei. An der Spitze Edo 28639.






Gefolgt vom südwärts, Richtung Hauptstadt, fahrenden HL 9690. Gebildet aus Sm4 6406 und 6430.






Kurz nach halb Vier und die abendliche HVZ setzt ein. Daher ist HL 9693 von Helsinkin nach Hämeelinna auch als 3-Teiler unterwegs. Im Zugverband sind, neben Sm4 6409, auch Sm4 6319 und 6427.







Die knappe Zeit zwischen den Zugfahrten habe ich tatsächlich genutzt um mich, wenigstens etwas, zu strukturieren. Ein Schlachtplan für die nächsten drei Tage, bis ich meine beiden Mitreisenden in Helsinki vom Flughafen abholen darf, ist erstellt, ein Hotel in Kouvola für zwei Nächte gebucht und auch Google Maps läuft am Handy und gibt die ein oder andere mögliche Fotostelle preis, die ich evtl. ansteuern könnte.

Die erste ist eingeschränkt o.k., doch ist der Bewuchs in diesem feuchten Sommer deutlich zu schnell und zu gut ins Kraut geschossen. Also mal die Alternative anfahren. Wieder auf der Hauptstraße Blick nach rechts, oh Mist, da rollt „mein Erster“ Vectron gen Süden. Toll ausgeleuchtet, grün-weiß vor dem satten Grün der Landschaft, überspannt vom blau des Himmels. Also Kurzwende und zurück zur Semi-Brücke, denn der Güterzug muss anscheinend raus, zwecks Überholung. Zum ersten Mal fliegen die Schottersteine, als ich, von der Hauptstraße ab und in Richtung Gleise sause. Dort angekommen spielt der überbordende Bewuchs auch keine Rolle mehr, ist doch alles in liebliches Grau getaucht. Und auch das mit „dann machen wir das Beste draus und ein Bild von der sonnenabgewandten, aber freien Seite“ klappt nicht, zieht doch die Vectrone auch schon wieder an, kaum dass ich die Brückenabfahrt herunterheize.

Puls und Blutdruck? Fragt nicht!

Der wird im Übrigen auch nicht besser, nachdem sich die potentielle Stelle 2 ebenfalls als nicht machbar herausgestellt hat und mir zudem ein Stück weiter eine Sr1 mit Dv12 und Güterzug am Haken im schönsten Sonnenschein entgegenkommen. Leider unfotografierbar, weil hinter einer Buschreihe versteckt …. und Julia läuft immer noch nicht.

Ich bin extrem gefrustet, hungrig und fast schon soweit, dass ich zum Flughafen zurück fahre. Immer wieder rolle ich im Auto im goldgelben Schein der Sonne, nur mit einem Bild wird’s nix.

Nach dem Essen fassen und der Durchquerung von Riihimäki biege ich nach Osten ab, in Richtung Lahti. Hier will ich nochmal einen Versuch machen. Google spuckt eine Brücke aus, die gehen könnte, die Wolkenbank bleibt aus unerfindlichen Gründen hängen, sodass die Sonne ungehindert vom Firmament strahlen kann und Julia, die mittlerweile auch bei mir ist, verkündet das baldige Erscheinen zweier Regionalzüge, gebildet aus Sm2. Alles wird gut!






Noch rege im Einsatz sind die Triebzüge der Reihe Sm2 in der Region um Kouvola und Lahti. Nach seinem Halt in Mommila setzt sich Sm2 6252 als HL 9953 wieder in Richtung der bekannten Wintersportstadt in Bewegung.






Kurz danach taucht in Gegenrichtung Sm2 6283 als HL 9952 auf.






Planhalt in Mommila, für den Vertreter der zwischen 1975 und 1981 gebauten Reihe.







Ja ich weiß, bei den Nummer 6250 – 6300 handelt es sich eigentlich um die Steuerwagen Eioc. Der Einfachheit halber lass ich sie aber unter der Triebwagen Bezeichnung laufen. Schließlich sieht man diesen ja auch auf den Bildern *zwinker* . Aber halt auch nicht komplett, also ohne Front. Daher der Kompromiss, den ich hier eingehe, Triebwagen Bezeichnung und Steuerwagen Nummer.

Ob Julchen mir grollt, weil ich sie so lange nicht beachtet habe? Zumindest zeigt sie für die nächste Zeit keine Zugfahrten mehr an. Das ist mehr als schade, jetzt, da ich hier in einem stabilen Wolkenloch stehe, mit rund herum viel Blau. So ein oder zwei Güterzüge hätten den Tag jetzt schon noch retten können. Und normalerweise rollt es ja auch ganz ordentlich auf der Strecke.

Hilft aber nix. Wenn kein Zug, dann eben kein Zug. So mache ich mich etwas frustriert auf den Weg in Richtung Hotel. Schließlich ist es noch ein Eck zu fahren und vielleicht geht sich ja ein Blick ins dortige Bw noch aus. Wäre kein schlechter Tagesabschluss.

Das Navi endgültig verwirrend, geht es nochmal ab von der direkten Route und vorbei an der Stelle wo sich Neu- und Altbaustrecke wieder vereinen. Danach bin ich aber brav und folge bedingungslos den Anweisungen meiner Blechelse. Doch anscheinend ist es schon zu spät und ich habe den Groll der Gutsten auf mich gezogen. Aber wie Frauen so sind, lässt sie es nicht gleich raus. Nein, sie vergräbt den Unmut ganz weit unten, nur um sich morgen perfide an mir zu rächen.

Angekommen in Kouvola ist die Begrüßung mehr als freundlich. Anscheinend freut man sich über jeden Touristen, der wieder ins Land strömt. Und die Tatsache, dass das Restaurant geöffnet hat und mein Zimmer im renovierten Teil des Hotels liegt, lässt meine Laune fast schon etwas aufblühen. Doch nur kurz, denn in dem Tag ist irgendwie der Wurm drin. So breche ich das Vorhaben, noch ein paar Sonnenbilder am Bw zu machen, bereits am Hotelflur vor meinem Zimmer wieder ab, ziehen doch gerade dicke Wolken auf und tauchen alles in trübes Halblicht. Davon brauch ich nun wirklich keine Bilder mehr. Und im Restaurant wird zwar schnell die Bestellung aufgenommen, das georderte Bier und eine Karaffe kostenlosen Wassers gebracht, aber nach dem Gruß aus der Küche verebbt die Lieferung und auch die beständig vorbei huschenden Bedienungen vermeiden jeglichen Augenkontakt. So sitze ich stumm, mit knurrendem Magen da, bis eine der Damen mich freundlich fragt, ob noch etwas bestellen möchte, die Küche schließe nämlich in 20 Minuten. Ich verneine ebenso freundlich, mit dem Hinweis, dass ich ja schon zufrieden wäre, das vor einer Stunde bestellte mal zu bekommen. Sichtlich betroffen eilt die Dame umgehend in die Küche und kaum mehr als eine Viertelstunde später steht ein gefüllter Teller vor mir. Und nehm ich mal die Größe der darauf befindlichen Portion als Maßstab, war bei Zusammenstellung derselbigen, wohl ein gerüttet Maß an schlechtem Gewissen dabei.

Wohl genährt geht es aufs Zimmer und an die Arbeit. Schließlich bin ich ja lernfähig und möchte so einen Murkstag wie heute nicht nochmal erleben. Um eventuelle Sonnenstände oder Sonnenlöcher muss ich mir bei den Planungen schon mal keine Gedanken machen, ist doch für Morgen nichts anderes als Wolken und Regen angesagt. Auch das Ziel steht mit Vainikkala, dem Grenzbahnhof zu Russland, schon fest. Dort soll’s hingehen, solange ich noch ohne Schweizer Begleitung bin. Bei der „Fülle“ der dortigen Fotomotive könnte ich sie nie und nimmer dazu bewegen, dort einen Tag, ja nicht mal mehr wie eine halbe Stunde zu verbringen. Mich halten aber weder fehlende Motive und Wolkengrau davon ab. Auch die Gewissheit, dass sich dort kein Schnellzug und auch keine Allegro blicken lassen werden. Hoff ich doch drauf, dieses Mal endlich einen, oder gerne auch mehrere, Güterzu(ü)g(e) mit RZD-Maschinen zu erwischen. Zumindest Julia ist da ganz optimistisch und spuckt so einige potentielle Kandidaten aus. Aber man kennt das ja, mit dem grenzüberschreitenden Güterverkehr. Ein Fahrplan ist das eine, die Realität eine ganz andere.

Aber noch etwas ist mir bei meinen Hausaufgaben aufgefallen, die ich nun ganz brav mache, geläutert durch die heutigen Ereignisse. Auch Leistungen von Fennia Rail und Operail tauchen im Tagesverlauf mehrmals auf. Und das lässt doch meine Äuglein leuchten. Bedeutet letzteres nämlich nichts anderes, als dass ich meine ersten Dr20 vor die Linse bekommen werden.

Nun nur noch die Abfahrtszeit festgelegt, nicht zu früh, schließlich ist es mit der ganzen Vorbereiterei zwischenzeitlich recht spät geworden, dann mit der Hoffnung eingeschlafen, dass es morgen wettertechnisch vielleicht nicht ganz so schlimm wird wie vorhergesagt. Gute Nacht!