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Osteuropa 2008 - Tag 21: Cluj Napoca - Oradea

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Sonntag 20.07.08
Obwohl wir heute einen Transfertag hatten, schliefen wir bis um halb 9. Die knapp 200 km bis Oradea sollten schliesslich einen Klacks darstellen, da sind wir in diesen Ferien schon wesentlich weiter gefahren. Bis wir gefrühstückt und ausgecheckt hatten, war es schliesslich schon 10 Uhr, ehe wir Cluj in Richtung Westen verliessen. Gegen halb 11 erreichten wir dann Huedin, wobei uns klar wurde, dass gleich der Desiro Regio kommen müssten, wir rätselten ob wirs noch zu unserer Stelle an der Brücke schaffen würden. Kurz bevor wir da waren, kam dann der negative Bescheid, als der Regio vor uns die Brücke passierte. Dies störte mich aber nur geringfügig, da es ja eh nur ein Desiro Regio war, ok es wären auch heute wieder drei Desiros gewesen, aber eben es sind immer noch diese komischen Neubaukisten. Wir berieten uns dann, wo wir den Schnellzug nach Iasi machen sollten. Nil wollte eigentlich was in Clucea versuchen, ich fand die Stelle jedoch nicht so prickelnd, so kam es dann, dass wir an Clucea vorbei weiter in Richtung Westen fuhren, und ein bisschen am Diskutieren waren, als Nil auf einmal meinte: Güterzug! Da war er wieder der Holcimbomber im 60er Sandwich der Servtrans. Also fix gewendet und zurück nach Clucea gefahren, und dort den Zug schnell an der Einfahrt gemacht.
CFR 60 der SI in Clucea


Anschliessend meinte Nil, dass wir den wahrscheinlich bis zur Brücke bei Huedin nochmals holen könnten, ich nickte und schon fuhren wir wieder hinter dem Ding her. Wir waren nicht weit hinter Clucea, da waren wir auch schon wieder an ihm vorbei, der Zug schleicht so unglaublich, dass ein Gutkonditionierter wohl sogar eine Fahrradverfolgung wagen könnte. Da der Zug dermassen schlich, erlaubten wir uns schon in Bologa anzuhalten und ihn dort noch einmal zu machen.
CFR 60 der SI zwischen Poieni und Bologa


Auch nach diesem Foto hiess es dann flux ins Auto gesprungen und wieder abgedüst. Wobei das düsen wie gesagt nicht nötig war, diesmal fuhren wir sogar weg bevor die Schublok durch war. Unterwegs überholten wir dann einen altbau Dacia, dabei merkten wir, dass das Auto den Zug an der letzten Stelle überholt hatte, es war also schneller als der Zug Wer nun schon mal hinter einem altbau Dacia fuhr, weiss, dass die nicht wirklich schnell sind, aber das Ding war wie gesagt noch schneller als der Zug. Relativ gemütlich erreichten wir dann die Brücke, wo wir unser Auto noch wendeten, einen Parkplatz suchten und dann zur Stelle liefen. Minuten später kam dann auch der Güter angetuckert. Getuckert ist hier tatsächlich das richtige Wort, denn die Teile tuckern eben wie ein Krabbenkutter, nix im Vergleich zur GM auf der Likabahn, und nix für Soundfreunde. Aber chic sind die Loks ja, und ausserdem Swiss Quality, was uns natürlich besonders freute, deshalb freuen wir uns auch immer wieder an den 60ern, diesmal übrigens doppelt, weil die Frontlok im Lack der Servtrans war.
CFR 60 der SI zwischen Huedin und Braisoru


Nachdem der Güter dann endlich durchgetuckert war, schauten wir ins Kursbuch und stellten fest, dass es bis zum Zug nach Iasi keine 15 Minuten mehr gehen sollte, also blieben wir auch für diesen Zug auf der Brücke.
Baureihe 65 der CFR zwischen Huedin und Braisoru


Nach dem auch der Iasi Schnellzug im Kasten war, fuhren wir wieder in Richtung Osten, wobei wir vor Bologa nochmals eine Stelle fanden, an welcher wir für den Starzug, den IC nach Bucuresti stehen wollten. Irgendwie war das Licht zwar etwas spitz, aber sonst sahs ganz nett aus, sollte schon passen, dachten wir uns. Wir warteten dann rund 40 Minuten bis der IC kam, wobei sich dann etwas Ernüchterung einstellte, denn, ohne dass wir es gemerkt hatten, hatte die Sonne die Seite gewechselt, so dass wir etwas falsch zum Licht standen.
Baureihe 65 der CFR zwischen Poieni und Bologa


Nach dem Bucuresti IC klafft im Fahrplan jeweils ein kleines Loch, ehe die interessanten Züge aus Cluj kommen. Genau dieses Loch wollten wir nutzen um einige Kilometer zu machen. So fuhren wir bis einige Kilometer vor Oradea, sprich bis nach Tileagd und schauten uns mal denn Bahnhof an, dieser vermochte uns jedoch nicht so recht zu überzeugen. Also sind wir dann ein Stück zurück in Richtung Alesd gefahren, ehe wir bei der Bahnhofsausfahrt von Alesd eine Brücke über die Bahn fanden. Die Brücke führt übrigens zu einem grossen Zementwerk der Firma Holcim. Dies lies dann bei mir etwas Heimatgefühle aufkommen, schliesslich ist der Besitzer der Firma ein potenter Steuerzahler meiner Gemeinde. Das einzige dumme an der Stelle war, dass sie ziemlich fest nach Alpamare roch, sprich es war ein bisschen ein Chlorgestank in der Luft. Langsam war es jedoch Zeit für den Nachtzug aus Mangalia, der wie bereits gestern erwähnt um 5 Stunden nach hinten korrigiert wurde. Der Zug fährt nun übrigens etwa um 20 Uhr in Mangalia ab, und ist um ca. 15 Uhr in Oradea, macht also schlappe 19 Stunden, und das für ne Inlandsverbindung, wobei der Zug fast 800 km zurücklegt. Kommen wir aber zurück zur Stelle, noch immer stank es nach Chlor, doch langsam war es Zeit für den Nachtzug. Relativ pünktlich kam er dann auch. Wir beobachteten, dass sehr viele Leute ausstiegen, was uns verwunderte, denn der Bahnhof war doch ziemlich im Nichts. Nach rund 2 Minuten Aufenthalt war dann auch der letzte draussen, und der Zug fuhr aus, dumm nur, dass sich just in diesem Moment ein Schleier vor die Sonne warf, und uns ein Foto im Volllicht verwehrte.
Baureihe 82 der CFR in Alesd


Von Alesd ging es für uns noch weiter nach Butan, wo wir uns für den Desiro IC aufstellten.
Baureihe 96 "Desiro" der CFR zwischen Alesd und Butan


Als auch dieser im Kasten war, fuhren wir wieder in Richtung Oradea. Wir schauten uns dabei noch 2 Bahnhöfe an, doch es konnte uns nichts wirklich befriedigen. So kam es, dass wir am Stadtrand von Oradea waren, und keine wirkliche Stelle für den Schnellzug aus Iasi hatten, der in rund 40 Minuten hätte folgen sollen. Wir warfen dann einen Blick ins Kursbuch, und sahen, dass demnächst ein Regio nach Püspökladany (Hu) fahren sollte. Das Problem war einzig, dass es bis zur Abfahrt des Zuges noch rund 10min hin war, und wir am falschen Ende der Stadt standen. Das würde eng werden, dachten wir uns, könnte aber durchaus aufgehen, also probierten wir es einfach mal. Die Stadt hat zum Glück eine gute Umfahrung, da man in Rumänien aber praktisch an jeder Strasse baut, tat man es auch an dieser, was eine Umleitung zur Folge hatte, diese war jedoch recht brauchbar, und so verloren wir nur wenig Zeit. Weiter ging es dann nach Bors, wo wir eine Stelle suchen wollten, doch das war leichter gesagt als getan, denn plötzlich standen wir vor dem Zoll. Was jetzt? Über die Grenze oder nicht? Wir entschlossen die Bahn in Bors zu suchen und fanden sie relativ schnell. Die Frage war jedoch ob der Zug schon durch war, schliesslich sollte er in rund 10 Minuten im Bahnhof hinter der Grenze sein. Diese 10 Minuten verstrichen schliesslich und der Zug kam nicht. Um nichts unversucht zu lassen, schaute Nil mal unseren Hafas Plot an, ob man die Zeiten ev. angepasst hat. Während er zum Auto lief, hielt ich die Stellung, denn wir hatten unterwegs auch noch ein RoLa Terminal gesehen, und es hätte ja sein können, dass unterdessen noch eine RoLa kommt. Als Nil dann am Laptop sass und ich in die Ferne schaute, bewegte sich plötzlich etwas Blaues zwischen den Büschen: ZUG! Es war der Regio nach Ungarn, leider war es nicht wie von uns erhofft eine ungarische Brotbüchse, als viel mehr eine BR 65 mit zwei Wagen der MAV.
Baureihe 65 der CFR zwischen Episcopia Bihor und Biharkeresztes


Immerhin gabs aber noch ein Foto von dem Zug und so fuhren wir zufrieden in die Stadt auf Hotelsuche. Diese blieb aber vorerst erfolglos, deshalb fuhren wir aus der Stadt wieder raus und fanden schliesslich in Baia Felix eine nette Pension. Direkt unter unserem Balkon hier gibt es sogar eine Eisenbahnstrecke, die nützt uns aber nicht viel, denn sie ist stillgelegt. Nach dem wir im Hotel eingecheckt hatten, gings dann nochmals raus an die Piste nach Arad runter, wir fanden jedoch nichts mehr wirklich Prickelndes, und da eh nur noch ein Desiro gekommen wäre, folgten wir der Stimme unseres Magens. Diese führte uns schnurstrags in die Stadt, wo wir die lokale Küche testeten. Nach dem Essen gings zurück in die Pension, wo wir den Abend mit einem alten Police Academy Klassiker ausklingen liessen.
Morgen wollen wir nun der stillgelegten Bahnstrecke vor unserem Balkon folgen, diese wird weiter im Süden nämlich von einer Privatbahn mit Franzosentriebwagen betrieben. Wir hoffen nun einige gute Sonnenbilder der Triebwagen machen zu können, dies ist in Brasov ja leider nicht gelungen.

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