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Osteuropa 2008 - Tag 22: Oradea - Oradea

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Montag 21.07.08
Der Tag war jung, sehr jung als ich das erste Mal meinen Kopf hob und aus unserer Balkontüre schaute. Die Sonne war noch nicht aufgegangen, war jedoch kurz davor und erhellte den Horizont vor uns. Alles nicht so wichtig, wichtiger, dass der Himmel wolkenlos war! Als wir dann um 7 wieder rausschauten, schien die Sonne ebenfalls nicht, nicht mehr oder noch nicht, sie war nämlich hinter einer Wolkendecke versteckt. Es hatte reingesifft, nicht komplett, aber es war zu. Es reichte mir um im Halbschlaf den Wecker eine Stunde auf 8 Uhr vorzustellen, Zingg reagierte nicht und so ging ich davon aus er ist damit einverstanden. Im laufe des Tages hat er mich dann für das verpassen des ersten Regiozugpaars verantwortlich gemacht, weil ICH nicht aufstehen wollte *hrhrhr* ;). Es wurde dann etwas nach 8 Uhr, bis wir beide aufgestanden und fertig waren unser Hotel zu verlassen, da wir wie geschrieben das erste Regiozugpaar auf der Caravelle Strecke verpasst hatten, suchten wir erstmal den Mittelpunkt des Streckennetzes von der Regional Verkehrsgesellschaft in Holod! Dort treffen sich die beiden Strecken des EVU's, die von Vascau (im nichts) und eine von Ciumechiu wo Anschluss an die Staatsbahn besteht. Zugpaare gibt es vier auf der erst genannten und drei auf der zuletzt genannten Strecke. Im Bahnhof von Holod war sogar ein Regiotrümmer in Form eines Caravelle Triebwagen, welcher ohne Arbeit herum stand, zu sehen. Wir knipsten den Zug im Bahnhof und wurden schon ein erstes Mal von einem Bahnmitarbeiter angesprochen, welcher aber lachte als wir meinten, dass wir aus Elvetia kommen und nichts verstehen. Der nächste Zug am Bahnhof sollte in gut einer Stunde von Ciumechiu her eintreffen.
RT 97 "Caravelle" der Reg in Holod


So fuhren wir an die Strecke um die Kiste natürlich standesgemäss zu erlegen. Weit kamen wir nicht, erstens weil die Strasse wieder mal in einem extrem guten Zustand war (keine Schlaglöcher sondern Schlaggruben waren das ;)) und zweitens weil wir schon am ersten angefahrenen Bahnhof zufrieden waren mit dem Motiv. Bevor der Regio kam wollten wir aber bei einem Tante Emma Laden im Dorf noch etwas einkaufen. Wir kauften eine Cola und etwas Gebäck, was zusammen 8.1 Lei kosten sollte. Zingg gab 10 Lei und dann begann die Kassenfrau irgendetwas zu labern und hielt uns Bonbons hin. Schnell war klar, die will uns mit billigen Bonbons anstatt Retourgeld abspeisen ;) ... anstatt 1.8 Lei konnte sie uns nur 1.5 Leu zurückgeben, die restlichen 30 Bani gab es in Form von Bonbons, uns war es egal, was wir eine sehr kreative Lösung fanden. Am Bahnhof von Tinca standen wir dann in den Schatten vom Güterschuppen und warteten auf den Zug, welcher dann bald in Form eines extrem sauberen Caravelle Triebwagens daherkam. Schade, wir haben insgeheim auf eine Malaxakiste gehofft, 100% sicher, dass dies auch eine Strecke der Privatbahn ist, waren wir uns bis zum Erblicken des Triebwagens nämlich nicht. Am Bahnhof war dann gut Betrieb, viele stiegen aus und viele ein, darunter auch zwei Kinder welche sogleich beim Lokführer Platz nahmen und bei der Ausfahrt winkten und uns irgendetwas zuriefen.
RT 97 "Caravelle" der Reg in Tinca


RT 97 "Caravelle" der Reg in Tinca


Nach dem Zug verliessen wir den Bahnhof wieder in Richtung von Holod, was bis auf die vielen Pferdefuhrwerke auch gut gelang. Extrem war es in dem Dorf, alles voll mit den Pferdekarren ... ob es an der Region liegt oder ob Tag des Pferdes war, wissen wir nicht (zum Glück war nicht Tag des Dacias ;)). Am Bahnhof von Holod trafen wir zeitgleich mit dem Triebwagen ein und fotografierten ihn nach der Einfahrt neben dem zweiten Triebwagen, welcher natürlich immer noch da stand.
RT 97 "Caravelle" der Reg in Holod


RT 97 "Caravelle" der Reg in Holod


RT 97 "Caravelle" der Reg in Holod


Zu erwähnen wären die Jungen, welche uns wieder etwas zuriefen und winkten, und der Transporter welcher auf der Rampe stand und irgendetwas aus dem Triebwagen ein- oder auslud (durch die Fenster) - ein PmG also ;) Nun war Zeit um an die Strecke in Richtung von diesem Vascau zu fahren, der nächste Zug der Holod erreichen sollte kam von da. Wir fuhren über die Hauptstrasse bis nach Beius, wo wir den Zug gerade noch so erwischten.

RT 97 "Caravelle" der Reg zwischen Beius und Finis


Nicht so gut daran war, dass sich die Sonne mittlerweile im Schleier versteckt hatte, welcher von Ungarn her herein gezogen war, aber auch in den Bergen im Osten und im Süden sah es nicht besser aus, Regenwolken waren da drin, nur noch wenige blaue Löcher waren plötzlich zu sehen. Wir fuhren dann ein wenig der Strecke in Richtung Holod nach, bis die Strasse in Ioanis endete. Der Zug war bereits durch, die Stelle aber nicht verkehrt, und trotz Mistwetter warteten wir bis er zurückkam, was nach 2h der Fall sein sollte. Das Mistwetter löste sich nicht auf, im Gegenteil. Trotzdem warteten wir und stellten uns an die Stelle als der BÜ an der Bahnhofseinfahrt gesenkt wurde.
RT 97 "Caravelle" der Reg in Ioanis


Etwas ratlos fuhren wir dem Zug dann wieder nach und erwischten ihn zwischen Stei und Vascau erneut mit einem alten Jugo Formvorsignal als Motiv, was aber das Wetter auch nicht besser machte.
RT 97 "Caravelle" der Reg zwischen Vascau und Stei


Im Endbahnhof von Vascau stellten wir uns dann wieder hin und knipsten den Zug von der Rampe runter, wie er im Bahnhof stand.
RT 97 "Caravelle" der Reg in Vascau


Mit Sonne wäre es eine richtig nette Szene gewesen. Als wir um den Triebwagen herumgingen, um ihn noch von der anderen Seite zu Fotografieren kam aber einer, erst stand er nur im Bild und störte wegen seiner Warnweste und dann schrie er irgendetwas rüber. Taktik in solchen fällen, ignorieren - was meistens aber nicht gelingt. ;) Er kam dann auf uns zu gelaufen und meinte: No Foto ... also sind wir abgezogen. Zurück zur Hauptstrasse bis in unser Hotel nahe Oradea. Ein Foto vom TW hätte zwar noch gelingen können, bei dem Wetter war das aber sinnlos. Auf dem Weg überlegten wir uns, was wir mit dem angebrochenen Tag noch anstellen könnten. Wetter war hier schlecht, aber in Richtung Ungarn sah es gar nicht mal so übel aus. Da die Distanzen hier nicht riesig sind, entschlossen wir uns heute den Tag in Ungarn ausklingen zu lassen. Am Zoll kamen wir ohne Probleme durch (hätte ich gewusst das wir noch die Grenze überschreiten hätte ich mich rasiert ;)) und rollten bis an die ersten Strassenbrücke der Umfahrung von Biharkeresztes, wo wir gleich beim überqueren dieser einen Zug auf der Strecke gesehen haben. Da Pascal nur etwas gelbes erkannte, gingen wir mal von einem Traktor oder so aus. Wenden war eh nicht möglich und so fuhr ich auf direktem Weg den Bahnhof von diesem Dorf an, welcher zugleich auch der Grenz- und Umspannbahnhof darstellt. Am Einfahr-BÜ warteten wir dann kurz und sahen, dass sich der Bautriebwagen langsam in eine 82er verwandelte ;) Leerfahrt, aha, wohl um einen Zug zu holen. Wir gingen dann in den Bahnhof und studierten den Abfahrtsanzeiger, konnten aber irgendwie nichts Passendes finden. Auf einmal wurde mir dann klar, dass wir ja die Uhren umgestellt hatten, als wir vor knapp 2 Wochen über die serbisch-rumänische Grenze fuhren, nun war die Osteuropäische Zeit für uns eine Selbstverständlichkeit, und wir vergassen, dass man in Ungarn natürlich wieder die gute alte MEZ hat. Mit dem richtigen Zeitgefühl verriet uns der Abfahrtsanzeiger dann, dass die 82er für den IC aus Budapest Keleti gekommen war und ihn nach Cluj Napoca weiterführen sollte... dumm nur das dieser schöne Zug in der Gegend überall komplett aus dem Gegenlicht kommt! Trotzdem warteten wir im Bahnhof und wollten uns die Einfahrt anschauen, bis zu "unserem" Zug welcher von Oradea nach Ungarn mit einer 65er rüberkommt, sollte noch eine halbe Stunde hin sein. Der Zug aus Budapest kam dann mit einer M41 und 7 CD Wagen .. obwohl der Zug mit CZ eigentlich so gar nichts am Hut hatte :-). Die 82er setzte sich dann an den Zug und die M41 stellte sich ins Abseits um auf den Gegenzug zu warten. Wir fuhren dann zur Brücke hoch und fotografierten da in der Sonne die 65 300 mit dem Regio aus Oradea.
Baureihe 65 der CFR zwischen Episcopia Bihor und Biharkeresztes


Kaum war dieser Zug durch, waren wir auf dem Weg an den Bahnhof bzw. an die Brücke bei der Bahnhofsausfahrt, ebenfalls sehr nett umzusetzen. Da wollten wir den Zug erneut mit der MAV Bespannung erlegen. Am Bahnhof sahen wir aber etwas worauf wir zwar gehofft, womit wir aber nicht gerechnet hatten: eine M62! Die muss kurz zuvor als Lokzug gekommen sein ... was bedeutete, dass in nächster Zeit ein Güterzug aus Rumänien kommen musste. Als wir beim Bahnhof waren verliess gerade die 82er mit dem Cluj Zug den Bahnhof und wir wollten hinten raus fahren. Eine Polizeikontrolle an der Hauptstrasse, in welche wir unter keinem Umständen gelangen wollten, zwang uns zu einem kleinen Umweg, weswegen ich dann die richtige Ausfahrt zur Strasse unter der Brücke verpasst habe. So fuhren wir über die Brücke und es gab keine Chance in der nähe zu Parken. Zu allem Überfluss rollte noch etwas Brotbüchsenähnliches unten durch, als wir heranfuhren. Umdisponieren war angesagt. Anstatt die M41 mit dem Zweiwagenzug zu machen, standen wir wieder an die Einfahrt und wollten auf den Güterzug aus Rumänien warten - irgendwann wird der schon kommen. An der Stelle angekommen, kam aber erstmal die 65er leer zurück. Nach etwa 90min des Nichtstuns rollte auf einmal die Trommel als Lokzug ebenfalls in Richtung Rumänien. Dann holt die den Zug also direkt ab. Wir rechneten mit einer RoLa und keinem normalen Güterzug, weil das Terminal für die Züge nach Wels befindet sich nur wenige Kilometer hinter der Grenze. Da das Licht immer schlechter wurde an der Brücke wechselten wir auf die andere Seite zur Brücke bei der Ausfahrt. Schade hatten wir hier die M41 nicht geschossen, die Stelle hat mehr als die Brücke vorne und von der Zeit her wäre es kein Problem gewesen - aber im Nachhinein ist man immer schlauer ;). Wir standen dann an der Brücke und warteten und hofften auf die RoLa mit der Trommel. Es kam dann mal noch die modernisierte Brotbüchse im besten Licht von vorne und ein P-Zug mit einem Wagen von hinten.
Bzmot 6112 der MAV zwischen Biharkeresztes und Mezöpeterd


Die Sonne rutschte dann aber immer mehr in den Schleier ab und ich dachte kurz nach 8 schon ans aufgeben. Pascal wollte aber bis zum letzten Augenblick durchhalten, was wir taten, gelohnt hat es sich aber nicht, weil gekommen ist kein einziger Zug mehr ... eine Schande! Auf dem Weg zurück nach Rumänien fuhren wir noch am Bahnhof vorbei und sahen wie wieder eine 65er drin stand! Was die Rumänen an Lokleerfahrten haben ist schon erstaunlich. Theoretisch könnte man die Leerfahrt der 82er sparen, weil die 65er etwa 5min mit der 82er im Bahnhof steht, dann aber als LZ zurück geht. Und die letzte Lokleerfahrt nach Ungarn rüber könnte man sich auch schenken, wenn man die 65er gleich draussen lässt ;). Die Grenze passierten wir wieder ohne Probleme und der Gourmettempel zum Goldenen Äm lud uns ein etwas zu verweilen und lecker zu Essen. Zurück im Zimmer ist es schon kurz vor Mitternacht und wir haben uns vorhin gerade entschieden was wir mit der letzten uns verbleibenden Woche machen werden. Wir wollen ins Drei-Länder-Eck von Slowenien, Kroatien und Ungarn fahren, ein bisschen Dieselpisten gucken. Wetter soll zwar nicht unbedingt 100% werden, aber die Alternative, die Slowakei, war vom Wetterbericht her noch schlechter bewertet.

(Bericht: Neel Bechtiger)

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